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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 54.1943

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Wie hängen wir unsere Bilder?
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https://doi.org/10.11588/diglit.10969#0117

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INN EN-DEKORATI ON

103

»TERRASSE« MÖBEL: SCHMIEDEEISEN, ROSE LACKIERT, BEZÖGE: BLAUES LACKTUCH, ROSA PUNKTIERT

Sind auf den Gemälden körperhafte Gegenstände,
Häuser, Räume u. dgl. dargestellt, so sind sie nach
den Regeln der Perspektive gemalt; da müssen wir
probieren, von welchem Abstand und aus welcher
Höhe die Linien dieser Perspektive im Auge des Be-
trachters zusammenlaufen. - Es gibt auch Bilder,
die nicht nach linearer, sondern nach den Regeln
der farbigen Perspektive, nach dem Gewicht und der
Lichtschnelligkeit der Farben gemalt sind; da müssen
wir, vor und zurücktretend, das Stück hebend und
senkend, herausfinden, wo wir den Ausgleich der
schnellen, leuchtenden, und dunklen, zurückdrängen-
den Farbwerte am harmonischsten empfinden. Alles
dieses bringt uns in eine ungeahnte persönliche Be-
ziehung zu den Kunstwerken. Läßt sich bei größeren
Bildern, in beschränkteren Räumen, die Fernwirkung
nicht erzielen, so helfen wir uns, indem wir den
oberen Teil etwas nach vorn überhängen lassen, wo-
mit dann nicht der Beschauer, sondern der tiefe
Punkt im Bilde etwas zurücktritt. Daß wir alle Bil-
der so hängen, daß der effektive Lichtauffall dem in
ihnen dargestellten entspricht, ist selbstverständlich.

Sehr wichtig, oft stark ein Kunstwerk beeinträch-
tigend, ist seine räumliche, körperhafte Umgebung,
sowie die Aufteilung der Wand, auf die es gehängt
werden soll. Hier werden die meisten Fehler begangen,
und deshalb wirken die meisten Bilder nur wie ein
nachträglich angefügtes Postskriptum. Schon die
eigene Umrahmung tut dem Bilde oft weh. Niemals
soll der Rahmen vordrängend als Dekorationsstück
des Raumes oder der Wand bemerkt werden. Seine
Rolle sei eine bescheidene, die eines leider unent-
behrlichen äußerlichen Abschlusses der in sich be-
ruhenden künstlerischen Vision. Vermittelt ein Ge-
mälde tiefere seelische Werte oder hat es eine be-
sondere Blicktiefe, so muß man den Rahmen etwas
breiter nehmen und seinen äußeren Rand vielleicht
etwas erhöhen. Dies ist — ein scheinbarer Wider-
spruch - auch bei Bildern kleineren Formates zu-
weilen notwendig. Andererseits bestimmt keineswegs
immer die größere Ausdehnung des Bildes auch die
vermehrte Breite des Rahmens; der Rahmen ist viel-
mehr von der inneren Art und Auffassung des Bildes
abhängig. Dekorativ, mit breiten Flächen und aus-
 
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