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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 54.1943

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Hildebrandt, Hans: Porzellanmosaik
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https://doi.org/10.11588/diglit.10969#0119

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WERKSTATTE BERTHOLD MÜLLER-BERLIN »METALLTISCH MIT MOSAIKPLATTE« AUFNAHME: EDGAR SCHRÖDER

PORZELLANMOSAIK

Das Mosaik tritt seit Urzeiten in zwei Grund- dem neuen, architekturverbundenen Gestalten den
formen auf: Als Schnitt- wie als Würfel- oder Schimmer des Stoff befreiten, Erdentrückten. Neben
Stiftmosaik. Bei jenem werden alle für sich bestehenden dieser, vorab von den byzantinischen Meistern ge-
ornamentalen oder gegenständlichen Formen einzeln übten Kunst erhielt sich bis in die luxuriöse Kunst-
zurechtgeschnitten und zu einem einheitlichen Ge- kultur des Absolutismus das Schnittmosaik in oft
bilde zusammengesetzt. Bei diesem bauen kleinste Teile sehr kunstvollen Gebilden als Fußbodenschmuck,
durch ihre sinnvolle Aneinanderfügung das Ganze als Einlage aus Halbedelsteinen und Marmorsorten
auf, ohne daß sie selbst, jedes für sich betrachtet, in Prunkplatten von Ziertischen und anderen Möbeln,
etwas bezeichnen. Beide Gattungen wurden schon Das späte 19. Jahrhundert griff die Technik des
3000 Jahre vor der Zeitenwende von den Sumerern Würfelmosaiks wieder auf, doch ohne sein künst-
in Mesopotamien gepflegt und fanden dann reichste lerisches Wesen zu erfassen. Erst die Gegenwart
Verwertung in der spätgriechisch-hellenistischen und wird diesem wieder gerecht und zieht es zu monu-
römischen Kunstkultur. Doch ward vor allem das mentalen und dekorativen Aufgaben heran.
Würfelmosaik aus farbigen Steinen zu höchster tech- Als neue, vielversprechende Spielart des Würfel-
nischer Vollendung ausgebildet, um in Fußböden, mosaiks tritt nun das Porzellanmosaik hinzu, dessen
seltener an Wänden, minutiös durchgeführte Kopien besonderer Vorzug ein feiner, perlmutterartiger
von berühmten Meisterwerken der Malerei erstehen Glanz ist. Die in mannigfaltigsten Farben herge-
zu lassen. Das siegreiche Christentum wandelte das stellten Teilchen werden zu Quadraten oder Recht-
Mosaik der heidnischen Antike für seine eigenen ecken verschiedener, aber stets sehr bescheidener
Zwecke um, ersetzte die Würfel aus Stein durch Größe vorgeformt und stehen so als fertige Aufbau-
solche aus Glasflüssen und verkleidete mit ihren elemente zur Verfügung. Die Montierung erfolgt
leuchtenden Farben und ihrem Gold Gewölbe und nicht anders als bei dem Stein- und dem Glasfluß-
Wände der Gotteshäuser. Das neue Material verlieh mosaik. Wir zeigen zwei Beispiele, einen in der Mo-
 
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