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INNEN-DEKORATI ON
AM TRAUTEN HERD . . .«
Im nüchternen Alltagsleben heißt es ja wohl meist
der »Ofen«. Dichter sprechen gern vom: »Herd«.
Beides meint im Grunde genommen das Gleiche: die
Feuerungsstätte im Küchenbereich der Hausfrau -
wobei der Ausdruck »Ofen« allerdings weiter gefaßt
sein kann. Und doch liegt, über diese mögliche Sinn-
erweiterung hinaus, die der »Ofen« zuläßt, in beiden
Bezeichnungen gefühlsmäßig ein großer Unterschied.
Der Küchenofen, das ist, so paradox es klingen
mag, eine »kalte«, technisierte, mechanische Sache,
ein Arbeits- und Zweckgerät, im Ablauf der häus-
lichen Verrichtungen unentbehrlich. Anders ist es
mit dem Herd. Man muß das Wort nur langsam aus-
sprechen, und man wird es fühlen. In ihm schwingt
ein Inneres mit, eine Traulichkeit und Wärme, kurz-
um: eine Seele. »Am trauten Herd, zur Winters-
zeit . . .« Backsteine, mächtige Kessel, sprühende
Funken, glühende Platte, spitzes Rauchfangdach,
leicht geschwärzt in der Ecke des mächtigen Küchen-
raumes, in dem die Hausfrau waltet, während sich
die Familie im Umkreis schart. Wir kennen solche
alte Feuerstätten von Bildern und Museen her, und
auf dem Lande draußen haben sie sich vielleicht
auch noch hier und dort erhalten. Aus dem städtischen
Hausbetrieb verschwanden sie, aus mancherlei guten
und zwingenden Gründen, die eben im Laufe der Ent-
wicklung »das Alte haben stürzen lassen«.
Blieb aber nicht verborgen, unbewußt vielleicht,
ein Stückchen Sehnsucht nach ihnen zurück? Nach
der trauten Atmosphäre des heimischen Herds ? - So
haben wir uns als Erinnerung an vergangene Zeiten
die Wohnküche erhalten, den gemütlichen Eckplatz,
den längst nicht nur unsere sachlichen Gründe der
Raum-, Zeit- und Arbeitsersparnis rechtfertigen, so
sehr man sie auch gelten lassen mag. Solch ein
»Glück im Winkel« läßt sich mit wenigen Mitteln
rasch hinzaubern: eine Eckbank mit Auflegepolstern,
abknöpfbare und waschbare Bezüge, möglichst mit
dem Fenstervorhang übereinstimmend, ein fester
Tisch mit farbiger Linoleum- oder Korkauflage.
Durch geschickte Schrankeinbauten kann auch dem
kleineren Raum der Platz für eine solche Wohnecke
abgewonnen werden. Sie verlangt in sich selbst sehr
wenig Raum. - e. tsch.
INNEN-DEKORATI ON
AM TRAUTEN HERD . . .«
Im nüchternen Alltagsleben heißt es ja wohl meist
der »Ofen«. Dichter sprechen gern vom: »Herd«.
Beides meint im Grunde genommen das Gleiche: die
Feuerungsstätte im Küchenbereich der Hausfrau -
wobei der Ausdruck »Ofen« allerdings weiter gefaßt
sein kann. Und doch liegt, über diese mögliche Sinn-
erweiterung hinaus, die der »Ofen« zuläßt, in beiden
Bezeichnungen gefühlsmäßig ein großer Unterschied.
Der Küchenofen, das ist, so paradox es klingen
mag, eine »kalte«, technisierte, mechanische Sache,
ein Arbeits- und Zweckgerät, im Ablauf der häus-
lichen Verrichtungen unentbehrlich. Anders ist es
mit dem Herd. Man muß das Wort nur langsam aus-
sprechen, und man wird es fühlen. In ihm schwingt
ein Inneres mit, eine Traulichkeit und Wärme, kurz-
um: eine Seele. »Am trauten Herd, zur Winters-
zeit . . .« Backsteine, mächtige Kessel, sprühende
Funken, glühende Platte, spitzes Rauchfangdach,
leicht geschwärzt in der Ecke des mächtigen Küchen-
raumes, in dem die Hausfrau waltet, während sich
die Familie im Umkreis schart. Wir kennen solche
alte Feuerstätten von Bildern und Museen her, und
auf dem Lande draußen haben sie sich vielleicht
auch noch hier und dort erhalten. Aus dem städtischen
Hausbetrieb verschwanden sie, aus mancherlei guten
und zwingenden Gründen, die eben im Laufe der Ent-
wicklung »das Alte haben stürzen lassen«.
Blieb aber nicht verborgen, unbewußt vielleicht,
ein Stückchen Sehnsucht nach ihnen zurück? Nach
der trauten Atmosphäre des heimischen Herds ? - So
haben wir uns als Erinnerung an vergangene Zeiten
die Wohnküche erhalten, den gemütlichen Eckplatz,
den längst nicht nur unsere sachlichen Gründe der
Raum-, Zeit- und Arbeitsersparnis rechtfertigen, so
sehr man sie auch gelten lassen mag. Solch ein
»Glück im Winkel« läßt sich mit wenigen Mitteln
rasch hinzaubern: eine Eckbank mit Auflegepolstern,
abknöpfbare und waschbare Bezüge, möglichst mit
dem Fenstervorhang übereinstimmend, ein fester
Tisch mit farbiger Linoleum- oder Korkauflage.
Durch geschickte Schrankeinbauten kann auch dem
kleineren Raum der Platz für eine solche Wohnecke
abgewonnen werden. Sie verlangt in sich selbst sehr
wenig Raum. - e. tsch.


