121
DIE STUMMEN ERZIEHER . . .
Nicht alles, was schön ist, ist zugleich zweck-
mäßig und praktisch. Nicht alles, was praktisch
und zweckmäßig ist, ist zugleich schön. Eines vermag
durchaus neben dem anderen zu bestehen und sogar
- es kommt ganz auf das betreffende Objekt an —
seine Berechtigung zu erweisen. Hier wird im Zwei-
felsfalle die Frage der höheren Dringlichkeit und der
Unvermeidbarkeit entscheiden. Ideal und deshalb er-
strebenswert jedoch ist es, beide Forderungen auf
einen Nenner zu bringen und das Schöne wie das
Zweckmäßige brüderlich zu einen und zu ver-
schmelzen. Der geübte Blick und Verstand wird fast
immer zu solch einer Lösung finden. Er wird es um
so eher und treffsicherer, je mehr ihm die Schönheit
des Zweckmäßigen, des Einfachen und Schlichten
von Jugend an sozusagen ins Blut übergegangen ist.
Wie eng wäre der Begriff gefaßt, wollte man die Er-
ziehung eines jungen Menschen nur auf den Lern-
unterricht, die Schulstunden und die heilsamen Er-
mahnungen beschränken, die Lehrer, Eltern und
Erzieher ihm zuteil werden lassen. Sie mögen die
Wissens- und Bildungsquelle festigen, aber für die
Formung und Heranbildung des Charakters, des
»inneren« Menschen ist die unbewußte Beeinflussung
durch Umgebung und Vorbild viel entscheidender.
Den Rahmen, in dem ein Kind aufwuchs, wird es im
späteren Leben nie völlig zu sprengen vermögen.
Diese Erkenntnis muß uns leiten, wenn wir den
Raum gestalten, in dem es leben und heranreifen
soll. Er soll so sein, wie wir uns den Menschen selber
einmal wünschen, der von der Schwelle des Zimmers
ins Leben gehen wird: schlicht, klar, ohne falschen
Prunk und verlogene Verkitschtheit, hell, klar, har-
monisch, sauber, übersichtlich und auch den prak-
tischen Fragen des Daseins, neben dem Blick für
künstlerische Dinge, erschlossen. Das Schöne,Schlich-
te und das wirklich Zweckmäßige zu einen, ist ge-
rade hier besonders wichtig. - ellie tschauner
prof. paul griesser »madchenschlaez1mmer« eleenbe1nschleiflack mit k1rschisaum natur
1943.V. 2
DIE STUMMEN ERZIEHER . . .
Nicht alles, was schön ist, ist zugleich zweck-
mäßig und praktisch. Nicht alles, was praktisch
und zweckmäßig ist, ist zugleich schön. Eines vermag
durchaus neben dem anderen zu bestehen und sogar
- es kommt ganz auf das betreffende Objekt an —
seine Berechtigung zu erweisen. Hier wird im Zwei-
felsfalle die Frage der höheren Dringlichkeit und der
Unvermeidbarkeit entscheiden. Ideal und deshalb er-
strebenswert jedoch ist es, beide Forderungen auf
einen Nenner zu bringen und das Schöne wie das
Zweckmäßige brüderlich zu einen und zu ver-
schmelzen. Der geübte Blick und Verstand wird fast
immer zu solch einer Lösung finden. Er wird es um
so eher und treffsicherer, je mehr ihm die Schönheit
des Zweckmäßigen, des Einfachen und Schlichten
von Jugend an sozusagen ins Blut übergegangen ist.
Wie eng wäre der Begriff gefaßt, wollte man die Er-
ziehung eines jungen Menschen nur auf den Lern-
unterricht, die Schulstunden und die heilsamen Er-
mahnungen beschränken, die Lehrer, Eltern und
Erzieher ihm zuteil werden lassen. Sie mögen die
Wissens- und Bildungsquelle festigen, aber für die
Formung und Heranbildung des Charakters, des
»inneren« Menschen ist die unbewußte Beeinflussung
durch Umgebung und Vorbild viel entscheidender.
Den Rahmen, in dem ein Kind aufwuchs, wird es im
späteren Leben nie völlig zu sprengen vermögen.
Diese Erkenntnis muß uns leiten, wenn wir den
Raum gestalten, in dem es leben und heranreifen
soll. Er soll so sein, wie wir uns den Menschen selber
einmal wünschen, der von der Schwelle des Zimmers
ins Leben gehen wird: schlicht, klar, ohne falschen
Prunk und verlogene Verkitschtheit, hell, klar, har-
monisch, sauber, übersichtlich und auch den prak-
tischen Fragen des Daseins, neben dem Blick für
künstlerische Dinge, erschlossen. Das Schöne,Schlich-
te und das wirklich Zweckmäßige zu einen, ist ge-
rade hier besonders wichtig. - ellie tschauner
prof. paul griesser »madchenschlaez1mmer« eleenbe1nschleiflack mit k1rschisaum natur
1943.V. 2


