Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 54.1943

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INNEN-DEKORATI ON

ARCHITEKT FRANZ ZAJ1CEK-WIEN-WAIDHOFEN »BEHANDLUNGSZIMMER EINES WIENER ZAHNARZTES«

PRAXIS - WIRKLICH PRAKTISCH

ARBEITEN DES ARCHITEKTEN FRANZ ZAJICEK-WIEN-WAIDHOFEN

Ein Besuch beim Zahnarzt erfreut sich geringer einladenden Charakter. Freilich wird es in erster

Beliebtheit. Beim Anblick der verschiedenen Linie immer die Tüchtigkeit des Arztes sein, die

Marterinstrumente pflegen auch Herzen mutiger unser Vertrauen gewinnt. Aber bestimmt wird auch

Männer unruhig zu schlagen. Und doch ist dies die Umgebung, in der er seine Praxis ausübt, zu uns

töricht. Müßte uns das Vorhandensein modernster, sprechen, gerade in Momenten, in denen unsere Nerven

zahlreich gegliederter Instrumente nicht viel eher besonders empfindlich sind, wie es nun einmal beim

beruhigen? Wäre es nicht viel fürchterlicher, statt Zahnarztgang geschieht. Wer, der jemals mit ge-

dieses blitzenden Vierlerlei, das uns doch auch wieder schärften, hellwachen Sinnen im zahnärztlichen

Schmerzen zu lindern vermag, nur einen Schemel Vorzimmer hockte, hätte das nie selbst empfunden?

und eine Kneifzange vorzufinden, wie sie dereinst Wer hätte nicht intuitiv die Bilder an der Wand be-

die Dorfbader besessen haben sollen? trachtet und versucht, aus ihnen irgendwelche, viel-

Nein, machen wir Herz und Sinn geneigt, die ganz leicht sinnlosen Rückschlüsse auf die persönliche Art

moderne Zahnarztpraxis rühmend zu bewundern! des Arztes zu ziehen, besonders dann, wenn er jenen

Von ihr geht eine Beruhigung aus. noch nicht von Angesicht zu Angesicht, nur durch

Man möchte es annehmen, wenn man die Vorbild- fernmündliche Voranmeldung kannte? Wer hat nicht

lieh gestalteten Räume (Abb. S. 166-167) betrachtet, jede Einzelheit des Warteraumes studiert und zu

die der Architekt Franz Zajicek als Behandlungs- seinen Befürchtungen in Beziehung gebracht?

zimmer eines Wiener Zahnarztes schuf. Alles ist hier Wie gesagt: der Wiener Architekt wußte um diese

auf Licht, Farbe, größtmögliche Übersicht, Ordnung, Dinge, als er die Ausrichtung der Zahnarztpraxis

Zweckmäßigkeit und Sauberkeit gestellt. Und ge- übernahm. Er konnte dabei durchaus nicht seiner

winnt so, mag es auch paradox klingen, einen beinah eigenen Vorstellung freien Spielraum lassen, sondern
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