14 INNEN-DEKORATI ON
ARCHITEKT ADOLF C.RÜDENAUER-STUTTGART »SCHLAFZIMMER DER DAME IM LANDHAUS FABRIKANT F.«
BEGRENZUNG ALS FORMENDE MACHT
Immer wieder fühlen Berufene jeder Generation
die Verpflichtung, sich mit dem Wesen der Kunst
auseinanderzusetzen, der geheimnisvollen Trinität
von Werkstoff, Werkzeug und schöpferischer Kraft
in ihren Abwandlungen durch die Meister nachzu-
spüren und aus Schau und Erkenntnis jene Bezüg-
lichkeiten zwischen Gegenwart und Vergangenheit
aufzuzeigen, die oft zu höchst fruchtbarer Einwir-
kung auf die Lebenden gedeihen.
Was jedoch noch wenig untersucht wurde — ob-
gleich gerade auf ihr Vorhandensein größte Gestal-
tungen der Geschichte zurückzuführen sind und jeder
echte Meister sich ihrem Einfluß gerne unterwirft, ist
die Begrenzung, wie sie durch die besondere »Situa-
tion« gegeben ist, welcher das Werk zu genügen hat.
Gemeint ist die Begrenzung, wie sie durch allerlei
äußere Umstände, durch zeitliche Gepflogenheiten,
durch Laune der Auftraggeber, durch Tradition und
Ritus usw., durch Selbstbeschränkung bezüglich
Wahl des Werkstoffs, des Werkzeugs, des Grund-
themas usf. gegeben ist, jene Begrenzung, die zur
Preisgabe einer Fülle von Lösungsmöglichkeiten zu-
gunsten einer einzigen führt.
Der verfügbare Raum gestattet leider nicht, sich
mit diesem überaus aufschlußreichen formbildenden
Faktor eingehender zu befassen. Es ließe sich jedoch
die gesamte Kunstgeschichte daraufhin betrachten,
in welcher Weise gerade solche Begrenzungen für die
Formgebung einzelner Werke, für die Entwicklung
der Kunst von entscheidender Bedeutung waren.
Nicht besser kann die Bedeutung der Begrenzung
als wesentliches Element künstlerischer Gestaltung
gekennzeichnet werden als durch die meisterliche
Antwort, die Theodor Fischer einem jungen Archi-
tektur-Studenten gab, der mit Bedauern zum Aus-
druck brachte, daß die Forderung, den Kirchen-Chor
nach Osten zu orientieren, der Durchführung einer
als sehr glücklich empfundenen Lösung ernstlich
entgegenwirke und in leidenschaftlicher Erregung
ausführte, daß solche Beschränkung doch vom Übel
ARCHITEKT ADOLF C.RÜDENAUER-STUTTGART »SCHLAFZIMMER DER DAME IM LANDHAUS FABRIKANT F.«
BEGRENZUNG ALS FORMENDE MACHT
Immer wieder fühlen Berufene jeder Generation
die Verpflichtung, sich mit dem Wesen der Kunst
auseinanderzusetzen, der geheimnisvollen Trinität
von Werkstoff, Werkzeug und schöpferischer Kraft
in ihren Abwandlungen durch die Meister nachzu-
spüren und aus Schau und Erkenntnis jene Bezüg-
lichkeiten zwischen Gegenwart und Vergangenheit
aufzuzeigen, die oft zu höchst fruchtbarer Einwir-
kung auf die Lebenden gedeihen.
Was jedoch noch wenig untersucht wurde — ob-
gleich gerade auf ihr Vorhandensein größte Gestal-
tungen der Geschichte zurückzuführen sind und jeder
echte Meister sich ihrem Einfluß gerne unterwirft, ist
die Begrenzung, wie sie durch die besondere »Situa-
tion« gegeben ist, welcher das Werk zu genügen hat.
Gemeint ist die Begrenzung, wie sie durch allerlei
äußere Umstände, durch zeitliche Gepflogenheiten,
durch Laune der Auftraggeber, durch Tradition und
Ritus usw., durch Selbstbeschränkung bezüglich
Wahl des Werkstoffs, des Werkzeugs, des Grund-
themas usf. gegeben ist, jene Begrenzung, die zur
Preisgabe einer Fülle von Lösungsmöglichkeiten zu-
gunsten einer einzigen führt.
Der verfügbare Raum gestattet leider nicht, sich
mit diesem überaus aufschlußreichen formbildenden
Faktor eingehender zu befassen. Es ließe sich jedoch
die gesamte Kunstgeschichte daraufhin betrachten,
in welcher Weise gerade solche Begrenzungen für die
Formgebung einzelner Werke, für die Entwicklung
der Kunst von entscheidender Bedeutung waren.
Nicht besser kann die Bedeutung der Begrenzung
als wesentliches Element künstlerischer Gestaltung
gekennzeichnet werden als durch die meisterliche
Antwort, die Theodor Fischer einem jungen Archi-
tektur-Studenten gab, der mit Bedauern zum Aus-
druck brachte, daß die Forderung, den Kirchen-Chor
nach Osten zu orientieren, der Durchführung einer
als sehr glücklich empfundenen Lösung ernstlich
entgegenwirke und in leidenschaftlicher Erregung
ausführte, daß solche Beschränkung doch vom Übel


