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INNEN-DEKORATION

DIE EINEN sehen, wenn das Wort »Ofen« vor
ihnen auftaucht, Schwarzes und Düsteres vor
sich - Kohlenstücke und verkohlte Holzscheite, Ruß
und Asche — und es ist daher durchaus sinnvoll, wenn
ihnen auch als Farbe des Ofens nur etwas Dunkles
das einzig Gemäße zu sein scheint. Das gilt zumal für
die Insassen der Wohnung, die unmittelbar mit dem
Heizen und seinen Sorgen, Tücken und Geheimnissen
zu tun haben, die sich, der Not gehorchend, bemühen,
alles so rationell wie möglich einzulegen und auszu-
räumen: sie sind wohl ganz besonders geneigt, mit
der Vorstellung »Ofen« den Blick auf ihre Hände und
sofort die Farbe »Schwarz« zu verbinden. Aber es gibt
da keine Naturnotwendigkeiten. Die andern, die das
Lichte des hochbrennenden Feuers und das Freund-

liche der ausstrahlenden Wärme als das innerste
Wesen des Ofens empfinden und darum heiter helle
Öfen lieben, sind vielleicht noch mehr im Recht. Sie
brauchen wohl gar nicht viel muntere Bilder auf den
Flächen des Kachelofens, keine lustigen Szenen von
Männertrunk und Weibertreu und es genügt ihnen da
und dort ein spielerisch leichtes Ornament, das einen
kleinen diskreten eigenen Ton andeutet - schon die
sauber glatte Helligkeit, Sinnbild einer vom Feuer ge-
reinigten Materie, beglückt ihr Auge und Gemüt. Zu-
gleich ist es ihnen eine besondere Freude, zu sehen,
wie sich der Ofen ganz in die Formen und Farben der
umgebenden Wände, Möbel und Vorhänge einfügt,
wie er sich als ein völlig dazugehöriges Wesen in die
lichte Atmosphäre des Raumes stellt. - st.

Aufnahme:
W. Moegle

»kachelofen« entw. arch. wetzel und wormstall, ausf. heinsteinwerk-heidelberg
 
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