»AUS DEM VORSTEHENDEN ARBEITSZIMMER« PLATTEN DER SCHREIBTISCHE: SCHWARZER KALBLEDER-QBERZUO
DIE ORDNUNG DES GANZEN
Als im Jahre 1931 Dr. Hermann Gretsch-
. Stuttgart mit seinem Arzberger Porzellan her-
auskam, war er mit einem Schlage im Reiche be-
kannt und berühmt als »der Mann des Porzellans«.
Das spricht natürlich für die Bedeutung dieser Lei-
stung, wird aber nicht der gesamten Persönlichkeit
und ihrem gestalterischen Wollen gerecht. In der
Berühmtheit liegt auch, wie es schon viele Große
ausgesprochen haben, eine Gefahr, die Gefahr, miß-
verstanden zu werden, durch einen in die Augen
springenden Erfolg die ganze übrige Lebensarbeit
überschattet zu sehen. Das Arzberger Porzellan und
die vielen Dinge ähnlicher Art, die folgten, liegen
gleichsam am Rande des weitgespannten Schaffens
des Meisters, der übersprudelnd von Ideen, sich
in einem universalen Sinne nach vielen Seiten hin
betätigt hat, dem sich aus einem Entwurf ein anderer
und dritter notwendig entwickelt und der jedem
engen Spezialistentum abhold ist.
Hermann Gretsch hat seinen Ausgangspunkt, seine
1944. II. 1
feste Mitte, und das ist die handwerkliche Ge-
sinnung, nicht im engen Wortsinn, sondern in einem
allgemeinen Verstände; denn auch das gute indu-
strielle Erzeugnis kann wieder die Gediegenheit er-
reichen, die man dem handwerklichen Hausrat nach-
rühmt. Hier liegen große Aufgaben, an die sich nur
Entwerfer von Format und mit sicherer Einfühlung
in die spezifisch industriellen Bedingungen wagen
sollten. Die Ergebnisse sind dann, wie unsere Ab-
bildungen veranschaulichen, überraschend. Jedes
Stück erscheint dem Auge als ein organisch Gewach-
senes, und dieses Schaffen aus dem »Geist des Gan-
zen« kennzeichnet auch die Leistungen des Archi-
tekten Gretsch. Wenn er ein Haus baut, sich über-
haupt mit diesem drängendsten Problem unserer Zeit
beschäftigt, so fragt er zugleich nach all dem, was
die Schlüsselstellung des Hausbaues an Fragen auf-
wirft.'Er fragt sich, was ein gutes Haus für einen
Sinn habe, wenn es etwa mit schlechten Möbeln ge-
füllt wird, mit schlechtem Gerät, und bis auf das
DIE ORDNUNG DES GANZEN
Als im Jahre 1931 Dr. Hermann Gretsch-
. Stuttgart mit seinem Arzberger Porzellan her-
auskam, war er mit einem Schlage im Reiche be-
kannt und berühmt als »der Mann des Porzellans«.
Das spricht natürlich für die Bedeutung dieser Lei-
stung, wird aber nicht der gesamten Persönlichkeit
und ihrem gestalterischen Wollen gerecht. In der
Berühmtheit liegt auch, wie es schon viele Große
ausgesprochen haben, eine Gefahr, die Gefahr, miß-
verstanden zu werden, durch einen in die Augen
springenden Erfolg die ganze übrige Lebensarbeit
überschattet zu sehen. Das Arzberger Porzellan und
die vielen Dinge ähnlicher Art, die folgten, liegen
gleichsam am Rande des weitgespannten Schaffens
des Meisters, der übersprudelnd von Ideen, sich
in einem universalen Sinne nach vielen Seiten hin
betätigt hat, dem sich aus einem Entwurf ein anderer
und dritter notwendig entwickelt und der jedem
engen Spezialistentum abhold ist.
Hermann Gretsch hat seinen Ausgangspunkt, seine
1944. II. 1
feste Mitte, und das ist die handwerkliche Ge-
sinnung, nicht im engen Wortsinn, sondern in einem
allgemeinen Verstände; denn auch das gute indu-
strielle Erzeugnis kann wieder die Gediegenheit er-
reichen, die man dem handwerklichen Hausrat nach-
rühmt. Hier liegen große Aufgaben, an die sich nur
Entwerfer von Format und mit sicherer Einfühlung
in die spezifisch industriellen Bedingungen wagen
sollten. Die Ergebnisse sind dann, wie unsere Ab-
bildungen veranschaulichen, überraschend. Jedes
Stück erscheint dem Auge als ein organisch Gewach-
senes, und dieses Schaffen aus dem »Geist des Gan-
zen« kennzeichnet auch die Leistungen des Archi-
tekten Gretsch. Wenn er ein Haus baut, sich über-
haupt mit diesem drängendsten Problem unserer Zeit
beschäftigt, so fragt er zugleich nach all dem, was
die Schlüsselstellung des Hausbaues an Fragen auf-
wirft.'Er fragt sich, was ein gutes Haus für einen
Sinn habe, wenn es etwa mit schlechten Möbeln ge-
füllt wird, mit schlechtem Gerät, und bis auf das


