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Internationale
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.

9. Jahrgang. Wien, 1. Mai 1917. Nr. 9.

Historische Persönlichkeiten als Münzensammler.
Vom Hofrat Konstantin Danhelovsky (Wien).
(Schluß.)*

Von berühmten Personen der Geschichte, die trotz
der Staatspolitik Muße fanden, sich für das Münzen-
sammeln zu interessieren, läßt sich eine stattliche
Reihe aufzählen. Es ist zumeist nicht die Münzsammel-
passion allein, die solchen auf der Menschheit Höhen
wandelnden Erscheinungen ein angenehmes Ablenken
von ihrer verantwortungsvollen Berufsausübung ge-
währt, vielmehr bildet diese sammlerische Vorliebe in
der Regel nur einen Teil aus einer universell auftretenden
Schwärmerei für das Sammeln aller Gattungen von
Kunst- und Wissenschaftsobjekten.
Daß fürstliche Personen mit ihrer ungeheuren
Spannweite an Macht, Geldmitteln und Berührungs-
punkten auch möglichst weitreichende Sammelinter-
essen erlangen, wird man unschwer begreifen. Der Sinn
für das Schöne und Edle in der menschlichen Natur
wird selten hemmungslos und starr nur ein einziges
streng abgeschlossenes Feld ins Auge fassen, darauf
er ausschließlich und ein langes Menschenalter hindurch
unverrückbar haften bleibt. Was eine Sammlernatur ist,
wird unter den tausendfältig differenzierten Schätzen,
die Natur und Menschengeist hervorbrachten, nicht
oder nur in den seltensten Fällen ein sogenannter
Spezialsammler werden, besonders wenn er ein König
ist, ein mächtiger Fürst oder auch nur ein Mann des
Alltags, der über die materiellen Mittel verfügt, seine
Herzenswünsche zu befriedigen.
Solche Sammlernaturen schwelgen dann auf gar
vielfache Art. Kostbare Gemälde, Statuen, Biblio-
theken, die endlosen Erzeugnisse der Keramik und
Goldschmiedekunst, Möbel, Geräte in ihren unaufzähl-
baren Verzweigungen und dann noch viele, viele andere
Dinge werden von solchen Mäzenen zusammengetragen
und gruppieren sich dann allgemach zu ganzen Museen.
Nur so mögen auch die meisten der schon bisher
namhaft gemachten historischen Menschen beurteilt
werden, von denen hier erzählt wird, daß sie Münzen-
sammler waren.
Und ob sie nun in höherem oder minderem Grade
Münzensammler waren, ist ja letzten Endes nicht von

*) Siehe Nr. 8 der „Internationalen Sammler-Zeitung".

Wesenheit. Auf der Sonnenhöhe der Macht sprießen
die Edelblüten der Schönheit mannigfaltiger und viel
üppiger hervor, als in den Niederungen des Lebens,
und wir beabsichtigen ja nichts weiter als aus dem
Blütenflor des vielfältigen Sammelsportes, dem einzelne
überragende Gestalten der Weltgeschichte fröhnten,
nur die Münzensammlerei für sich allein betrachtet,
herauszugreifen.
In solcher Beleuchtung erscheint uns in weiterer
Folge auch der Große Kurfürst als Münzensammler,
der trotz seiner kriegerischen Politik und reichgeglie-
derten Projekte wissenschaftlicher und künstlerischer
Art daranging, das Berliner Münzkabinett anzulegen
und an dessen Schätzen regen persönlichen Anteil
nahm.
Lange vor ihm widmete Kaiser Rudolf II. auf
österreichischem Boden sein Augenmerk dem Sammeln
von allerlei Merkwürdigkeiten, deren seine Kunst-
raritätenkammer in Prag eine schwere Menge, darunter
auch seltene und sehr wertvolle Münzen barg.
Eine ganz ausgesprochene Vorliebe für Münzen
hatte König Ludwig I. von Bayern. In der Beschrei-
bung des königl. bayrischen Münzkabinetts von Rig-
gauer finden wir über das passionierte Münzensammeln
des Königs sehr wertvolle Daten. Er studierte von
Jugend auf eifrig die antike griechische Numismatik,
betrachtete stundenlang eingehend seine Münztabletten,
Stück um Stück, und beauftragte den Konservator, ein
Verzeichnis von wichtigen fehlenden Münzen anzu-
fertigen, das Ludwig schon als Kronprinz auf seinen
Reisen mitführte. Im Jahre 1808 verzeichnet das Tage-
buch des bayrischen Münzkabinetts die Notiz: „Am
14. März kamen Se. königl. Hoheit der Kronprinz von
Bayern ohne Begleitung und blieben von 1 bis 2 Uhr
da. Von da ab, bis zum 10. Mai 19mal dagewesen,
besichtigte Se. Hoheit die griechischen Städte- und
Königsmünzen, die römischen Familienmünzen und
die goldenen Kaisermünzen.“
Im Jahre 1812 finden wir einen ähnlichen Bericht
und erfahren weiters, daß der König auch weiterhin
für die Numismatik seine warme Neigung bewahrte,
die sich nicht in letzter Linie durch Aufträge zu zahl-
 
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