EIN SALZBURGER KREUZIGUNGSBILD
VON
HEINRICH ZIMMERMANN
Zu den bedeutendsten altdeutschen Tafelbildern aus der Mitte des 15. Jahrhunderts
zählen die Kreuzigungsdarstellungen von Pfenning im Wiener Kunsthistorischen
Staatsmuseum (dat. 1492) und von Konrad Laib im Grazer Dome (dat. i45”). Mit beiden
Rildern hat sich die kunsthistorische Forschung seit langem eingehend beschäftigt.
Diese hervorragenden Schöpfungen der um jene Zeit in ganz Deutschland erstarkenden rea-
listischen Malerei wirken wie über Nacht entstanden, da sie keinen Zusammenhang mit
der vorausgehenden Salzburger Malerei aufzuweisen scheinen. Dies mag mit dazu ver-
führt haben, die Persönlichkeiten der beiden Künstler in eine zu verschmelzen und in
der vermuteten Herkunft Laibs aus Schwaben einen Hinweis für die Ableitung seines
Stiles zu erblicken. Beide Annahmen dürften verfehlt sein.
Die bisher unbekannte, in Privatbesitz befindliche Kreuzigung Christi (Abb. 2)
stellt nun eine Verbindung her zwischen einer Reihe von Altarbildern der weiteren
Salzburger Gegend und den beiden obengenannten Gemälden.
Die kleine mit starkem Gipsgrunde überzogene Holztafel mißt 0,75 m in der Höhe und
0,52 m in der Breite, mit dem originalen Bahmen 0,87 m und 0,64 m. Die Erhaltung
ist im allgemeinen vorzüglich. Aufgestandene Stellen im Körper der rechten Schächer
sind ungeschickt gedeckt, im Gewand des Johannes sind kleine Stellen ausgefallen. Die
Gestalten Christi und der Schächer, deren Seelen von Engel und Teufel geholt werden,
stehen vor reich punziertem Goldgründe. Links vom Kreuze die im Schmerz zu Boden
gesunkene Maria, die von den Frauen unterstützt wird. Darüber Johannes, der schmerz-
bewegt zu Christus aufschaut, dem ein Knecht den Essigschwamm heraufreicht. Rechts
zwei anbetende Schergen, dahinter der bekehrte Hauptmann, der zum Kreuze hinauf-
weist, neben ihm der Hohe Priester, im Hintergründe Kriegsleute. Eine schwarzgrüne
Baumkulisse schließt das Bild hinten ab. Im Vordergründe dürftige Andeutungen von
dunkelgrünen Blattpflanzen. Das geringe Terrain im Hintergründe bildet Felsgestein in
einem Gemisch von weißlichen und graugrünen Tönen.
Die Kreuze sind in tiefem Braun gehalten. Das Inkarnat der Schächer ist stärker rötlich als
das Christi, das mit leicht grünlichem Braun schattiert, mit weißen Lichtern gehöht und
rötlich-braun konturiert ist. Haar und Bart sind braun mit leicht gelblichen Lichtern. Die
Dornenkrone ist dunkelgrün, das Blut dunkelrot, der Schurz gelblich-weiß gegeben.
Am feinsten durchgeführt ist der Kopf Christi; alle anderen Köpfe sind etwas derb be-
handelt. Die Männerköpfe sind stärker rötlich als die der Frauen. Ihre Modellierung
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VON
HEINRICH ZIMMERMANN
Zu den bedeutendsten altdeutschen Tafelbildern aus der Mitte des 15. Jahrhunderts
zählen die Kreuzigungsdarstellungen von Pfenning im Wiener Kunsthistorischen
Staatsmuseum (dat. 1492) und von Konrad Laib im Grazer Dome (dat. i45”). Mit beiden
Rildern hat sich die kunsthistorische Forschung seit langem eingehend beschäftigt.
Diese hervorragenden Schöpfungen der um jene Zeit in ganz Deutschland erstarkenden rea-
listischen Malerei wirken wie über Nacht entstanden, da sie keinen Zusammenhang mit
der vorausgehenden Salzburger Malerei aufzuweisen scheinen. Dies mag mit dazu ver-
führt haben, die Persönlichkeiten der beiden Künstler in eine zu verschmelzen und in
der vermuteten Herkunft Laibs aus Schwaben einen Hinweis für die Ableitung seines
Stiles zu erblicken. Beide Annahmen dürften verfehlt sein.
Die bisher unbekannte, in Privatbesitz befindliche Kreuzigung Christi (Abb. 2)
stellt nun eine Verbindung her zwischen einer Reihe von Altarbildern der weiteren
Salzburger Gegend und den beiden obengenannten Gemälden.
Die kleine mit starkem Gipsgrunde überzogene Holztafel mißt 0,75 m in der Höhe und
0,52 m in der Breite, mit dem originalen Bahmen 0,87 m und 0,64 m. Die Erhaltung
ist im allgemeinen vorzüglich. Aufgestandene Stellen im Körper der rechten Schächer
sind ungeschickt gedeckt, im Gewand des Johannes sind kleine Stellen ausgefallen. Die
Gestalten Christi und der Schächer, deren Seelen von Engel und Teufel geholt werden,
stehen vor reich punziertem Goldgründe. Links vom Kreuze die im Schmerz zu Boden
gesunkene Maria, die von den Frauen unterstützt wird. Darüber Johannes, der schmerz-
bewegt zu Christus aufschaut, dem ein Knecht den Essigschwamm heraufreicht. Rechts
zwei anbetende Schergen, dahinter der bekehrte Hauptmann, der zum Kreuze hinauf-
weist, neben ihm der Hohe Priester, im Hintergründe Kriegsleute. Eine schwarzgrüne
Baumkulisse schließt das Bild hinten ab. Im Vordergründe dürftige Andeutungen von
dunkelgrünen Blattpflanzen. Das geringe Terrain im Hintergründe bildet Felsgestein in
einem Gemisch von weißlichen und graugrünen Tönen.
Die Kreuze sind in tiefem Braun gehalten. Das Inkarnat der Schächer ist stärker rötlich als
das Christi, das mit leicht grünlichem Braun schattiert, mit weißen Lichtern gehöht und
rötlich-braun konturiert ist. Haar und Bart sind braun mit leicht gelblichen Lichtern. Die
Dornenkrone ist dunkelgrün, das Blut dunkelrot, der Schurz gelblich-weiß gegeben.
Am feinsten durchgeführt ist der Kopf Christi; alle anderen Köpfe sind etwas derb be-
handelt. Die Männerköpfe sind stärker rötlich als die der Frauen. Ihre Modellierung
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