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Hanns H. Josten

3o
Durch E. W. Brauns1) und A. Stoehrs2) Untersuchungen süddeutscher Fayencen beginnt
sich in dieser Richtung schon manches deutlicher abzuzeichnen. Zunächst müßten freilich,
damit die Deutung der Malermarken auf eine sicherere Grundlage gestellt wird, die
Namen der Angehörigen der einzelnen Anstalten durchgreifender ermittelt werden als
bisher. Gerade mit Bezug auf Löwenfinck erscheint es weiter dringend erforderlich,
den Blick nicht so starr auf Bayreuth einzuslellen, wie es aus einem unbegründeten
Mißtrauen3) gegen die Nachricht von einem Aufenthalt Löwenfincks in Ansbach4) ge-
schehen ist. In Bayreuth, wohin er 1786 auf der Flucht von Meißen gelangte, kann er
doch nur kurze Zeit, einige Monate allerhöchstem, geweilt haben, eben nur so lange,
bis die sächsische Regierung ihn aufgespürt hatte und damit die Gefahr der Auslieferung
drohend wurde, die ihn 1787 weitertrieb. Ein Geben und Nehmen von Anregungen
dort darf also nur in sehr beschränktem Maße angenommen werden. Eine erhebliche
Förderung Löwenfincks durch die Ansbacher Manufaktur, deren Art auch für die Be-
urteilung der Fabrik selbst wichtig genug erscheint, aber bezeugt außer einer Schrift-
quelle, die weiter unten noch eine bedeutsame Rolle zu spielen berufen ist, eben die
von Braun zusammengestellte Gruppe von Ansbacher Fayencen. Hinzu tritt die bisher
scheinbar völlig unbeachtet gebliebene Tatsache, daß über den Verbleib Löwenfincks
in der langen Zeit von 1787 bis 1741 nichts sonst überhaupt bekannt ist.
So anregend und förderlich nun auch das Herausschälen der verschiedenen sich kreu-
zenden und vereinigenden künstlerischen und technischen Richtungen des malerischen
Schmucks keramischer Erzeugnisse erscheint, um den allein es sich bei diesen Forschungen
handeln kann, so berühren sie doch nicht die erst im Zusammenhang mit der späteren,
leitenden Wirksamkeit Löwenfincks brennend werdende Frage nach seiner Fähigkeit
zur Erzeugung nicht von Fayence — sie kennenzulernen hatte auch der Fayencemaler
in Bayreuth, Ansbach und Fulda reichlich Gelegenheit—, sondern des echten Porzellans.
Deren Beantwortung mit Ja oder Nein5) ist für die Vorstellung vom Gang der Ent-
wicklung im Großen und Kleinen von viel größerer, von einschneidendster Bedeu-
tung; und solcher Tragweite wegen bedarf jeder neue Schritt in dieser Richtung um
so sorgfältigerer Prüfung. Einen derartigen Schritt bedeutet aber entschieden die
vor ungefähr einem Jahrzehnt von E. W. Braun6) und im Anschluß an ihn weiter von
4) E. W. Braun, Über Ansbacher Fayencen aus den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts. Zeitschrift des
Nordböhmischen Gewerbemuseums, N. F. 1908/09, S. 23.
2) A. Stoehr, Kleine Beiträge zur Geschichte der süddeutschen Fayencefabriken. Cicerone VII. 191a, S. 32 1.
3) E. W. Braun, a. a. O. Anm. 2.
4) Zais, Die Kurmainzische Porzellan-Manufaktur zu Höchst, Mainz, 1887, S. 7.
5) Indiesem SinneStegmann, Die Fürstlich Braunschweigische Porzellanfabrik zu Fürstenberg,Braunschweig, 1 8g3,
S. 1 5y, Anm. 19, und Brinckmann, Das Hamburgische Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, ißg4, S. 349-
6) E. W. Braun, Die Frühzeit der figuralen Plastik in der Höchster Porzellanfabrik. Kunst und Kunsthand-
werk XI. 1908, S. 538 ff.
 
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