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„ Armeleutekunst“ alter Zeit

Abb. 33. VotivbiM aus Soissons Richmond

Abb. 32. Kranke

London

florentinisclie Anekdote als das eines recht urwüchsigen Handwerksmannes festgehalten
hat, ist dem Volk, dem er entsprang, doch allzeit näher geblieben, als sein aus höherer
Gesellschaftsschicht stammender Genosse (Abb. 34).
Nun haben seine weltflüchtigen Büßergestalten trotz dieses ihres Vorwurfs und trotz
ihrer kirchlichen Bestimmung keinen lehrhaft-erbaulichen Inhalt mehr; sie sind künst-
lerische Charaktere und wollen nichts anderes sein. Hier eröffnet sich abermals ein
lehrreicher Blick in die vergleichende Geschichte der Kunst. Denn es kann wirklich
keinen größeren Gegensatz bei aller wirklichen und scheinbaren \ erwandtschaft geben,
als die Art, wie die gleichzeitige Kunst des Nordens, im gleichen Stoff, dem bemalten
Holz, Vorwürfen solcher Art nachgegangen ist. Während dem italienischen Künstler
der kirchliche Inhalt kaum viel mehr als eine Anregung, ja Vorwand zu seiner Wirk-
lichkeitsschilderung ist, fühlt sich sein nordischer Genosse, noch lange seelisch wie ge-
sellschaftlich viel unfreier und gebundener, als Diener einer hohem Macht, der Kirche,
die durch seinen Mund ihre Heilslehre verkündet; das Abbild der trügerisch gleißenden
Sinnenwelt hebt sich selbst in der Idee auf, und der nordländische Bildersturm der
 
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