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DER DEUTSCHE KUNSTMARKT 1919/1920
VON
ADOLPH DONATH
Die deutsche Revolution vorn g. November 1 g 18 hatte den deutschen Kunstmarkt
nicht ins Wanken gebracht. Zunächst stand er zwar still, aber schon nach einigen
Monaten der Stagnation, die eintreten mußte, weil der Zusammenbruch elementar wirkte,
gab es eine solche „Befestigung“, daß selbst die ärgsten Pessimisten überrascht waren.
Die Händler verkauften wieder — trotz den fünfzehn Prozent Luxussteuer — und die
Auktionen wurden fortgesetzt. Freilich: mehr als Mittelgut kam nicht auf den Markt,
doch die „Preise“ hielten sich, und der Kunsthandel mühte sich ab, die Lager aufzu-
füllen, die während des Krieges von den „Kriegsgewinnlern“ fast leergekauft worden
waren. Und auch jetzt noch — 191 g — waren die „nouveaux riches“ die Hauptkonsumenten.
Die alten Sammler aber widerstanden den Lockungen, denn noch wußte man nicht,
wie die Verhältnisse sich gestalten würden, wie die Valutafrage sich lösen könnte. Hier
dachte man an die „Abwanderung“ der Kunstwerke, dort an den „Preissturz“. Und
daß die Abwanderung der Kunstwerke begonnen hatte, war längst kein Geheimnis
mehr. Sie war der Beginn einer Katastrophe. Aber es blieb glücklicherweise bloß bei
diesem Beginn.
Der 11. Dezember igig ist für Deutschlands Kunstmarkt und Sammelwesen von wesent-
licher Bedeutung: Am 11. Dezember igig erschien die Verordnung über die Ausfuhr
von Kunstwerken. Die großen Kunstsammler waren nicht erbaut davon, aber sie gaben
zu, daß etwas geschehen mußte, um die Ausplünderung des deutschen Kunstbesitzes
aufzuhalten. Es konnte eben nicht mehr so weiter gehen. Und als man sich in Berlin
zu radikalen Mitteln entschloß, dachte man offenbar an die italienische lex Pacca, die
geschaffen worden war, um die bedeutungsvollsten Kunstschätze des Landes vor dem
Abwandern in das Ausland zu schützen.
Ich möchte nun versuchen, die Gründe zu nennen, die in Deutschland dazu geführt
haben, eine Art von geheimer Liste aller „national wertvollsten Kunstwerke“ anzulegen.
Einer der Hauptgründe war die elende deutsche Valuta. Schon während des Krieges
fühlte man ihre Konsequenzen: das Jahr igiy ist in der Geschichte des deutschen
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