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Jahrbücher für Kunstwissenschaft — 4.1871

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Crowe, J. A.; Cavalcaselle, G. B.: Giovanni Bellini: (Aus dem I. Band von "A new history of painting in North-Italy; London. John Murray. 1871)
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https://doi.org/10.11588/diglit.49880#0147

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Giovanni Bellini
von
J. A. Crowe und G. B. Cavalcaselle.
(Aus dem I. Band von „A new History of Painting in North-Italy; London. John
Murray. 1871.)
Giovanni Bellini’s künstlerische Erziehung fiel in die erste Hälfte
eines Jahrhunderts, in welchem Zeichnung und Farbe erst begannen sich
zu neuem Leben zu entfalten. Er erlernte seine Anfangsgründe von Einem,
der die Gewohnheiten der alterthümlichen Epoche noch nicht völlig ab-
gelegt hatte, und er entwickelte ein ernstes Streben nach höherer Aus-
bildung, als er mit den Paduanern in Berührung kam, deren Führung
Mantegna genommen hatte; —■ immerhin ist diese Periode seiner Ent-
wicklung nicht so denkwürdig, als jene, die er bei dem Besuch Antonello’s
in Venedig durchlebte. Entzückt von den neuen Reizen der Oelmalerei,
überwand er alle die Schwierigkeiten, die nicht wenige seiner Zeitgenossen
zurückschreckten und erweiterte die Technik des neuen Bindemittels. Sein
erstes Bild spiegelt noch ganz den Stil des Jacopo Bellini, seine späteren
sind durch Einwirkungen Mantegna’s beeinflusst. Nach 1472 aber wendet
er sich der neuen Kunstweise zu und schreitet von der Einfachheit ruhiger
Farbenflächen zu immer mannigfaltigeren Tönen, kräftigerem Pinselzug
und energischer Wirkung. In diesem Zeitpunkt tritt Tizian in seine
Werkstatt und das goldene Zeitalter des venezianischen Colorits beginnt.
Aber Giovanni begnügte sich nicht damit, einen Anstoss zu geben, er-
liess es sich angelegen sein, die Fortschritte seiner Schule durch wesent-
liche und werkthätige Hülfe zu fördern, und wenn er mitunter die Ent-
würfe Vivarini’s und Gentile’s vollendete, so that er für seine Zeitgenossen
das, was der grosse Vecelli später für ihn selbst übernahm.
Giovanni’s erste Schritte können noch mit einer gewissen Sicherheit
an vorhandenen Bildern verfolgt werden. Wahrscheinlich das erste An-
fängerstück ist ein frühes Tempera-Bild, das vor vierzehn Jahren in einer
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