Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 5.1887

Seite: 325
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1887/0353
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Ein Statutenbuch des Ordens vom goldenen VMesse.

325

Austria, Herzogin von Penna, geb. zu Oudenarde 28. December
1522 als natürliche Tochter Karl V. und der Johanna Van der
Gheynst,' verlobt mit Ercole d'Este, Erbprinzen von Ferrara,
legitimirt zu Barcelona 9. Juli 1529, verm. zu Florenz 13. Juni
1536 mit Alessandro de'Medici2 (seit 6. Juli 1531 Herzog von
Florenz), welcher 6. Jänner 1537 von Lorenzino de'Medici
ermordet wurde, erhält 12. October 1538 als Aussteuer Civitä
di Penna (als Herzogthum), Campli, Cittäducale, Montereale
und Leonessa in den Abruzzen, wird 8. August 1559 General-
statthalterin der Niederlande, dankt ab 30. December 1567,
geht 1568 nach Italien, kehrt 1580 als Generalstatthilterin der
Niederlande zurück, erhält von Gregor XIII. die goldene Rose,
kommt 23. Juni 1581 in Lützelburg an, verzichtet 1583 auf
ihre Stellung und verlässt 14. September desselben Jahres die
Niederlande, f zu Ortona 18. Jänner 1586, begr. zu Piacenza
(San Sisto).

Wappen: In G. ein r. Streif belegt mit der päpstlichen
Kirchenfahne (Gonfanone di Santa Sede), an deren Stange die
gekreuzten g. s. Schlüssel durch eine s. Schnur befestigt sind.
Auf jeder Seite begleitet von drei b. Lilien (in G.) Hz. aus g.
Krone ein wachsendes s. Einhorn. D. g. b.

Das Stammwappen sind die sechs blauen Lilien in Gold.
Kirchenfahne und Schlüssel sind Zeichen des Amtes eines Gonfalo-
njers der heiligen Kirche.

[195]

Dom märiques de lara duc de nayera.

Don (Juan Esteban) Manrique de Lara, dritter Herzog von
Näjera, vierter Graf von Treviilo und fünfter von Valencia de
Campös, zwölfter Herr von Amusco, Grosszahlmeister von
Viscaya; — geb. 26. December 1504 als Sohn von Don Antonio
Manrique de Lara (Ritter Nr. 158), 1521 Befehlshaber der
Truppen in Alava und Altcastilien gegen die Comuneros, Theil-
nehmer an der Schlacht von Villalar, 1535 mit Karl V. vor
Tunis, 1538 bei den letzten allgemeinen Cortes zu Burgos zum
Mitgliede der Deputation der zwölf Granden gewählt, 1543 in
Italien, dann in den Niederlanden, 1544 im Kriege gegen Gel-
dern verwendet; — f zu Valencia de Campös 22. Jänner 1558,
begr. zu Näjera; — verm. mit Dona Luisa de Acuiia, fünfter
Gräfin von Valencia de Campös, Tochter von Don Henrique
de Acuna, viertem Grafen von Valencia und der Dofia Aldonza
Manuel (einer Tochter des Ritters Nr. 119), f 10. October 1570.

Wappen: Wie sein Vater Don Antonio Manriqne (Ritter
Nr. 155), doch sind die Henkel der Kessel an jeder Seite mit
vier g. Schlangenköpfen besetzt. Der Löwe auf dem Helme
hat kein Schwert.

Die Schlangcnköpfe sind nur Zierraten des Henkels.

[196]

Fol. 109. Mesire frederick conte de fursteberghe.

Friedrich II. Graf von Fürstenberg, »Werdenberg« und
Heiligenberg, Landgraf in der Baar, Herr von Trochtelfingen,
Jungnau, Lenzkirch, Blomberg, des Kinzigthales u. s. w.; —
geb. 19. Juni 1496 als zweiter Sohn von Wolfgang Grafen von
Fürstenberg (Ritter Nr. 118); — erzogen mit den nachmaligen

Kaisern Karl V. und Ferdinand I., 1532 Feldhauptmann über
ein Regiment Landsknechte, erhält ddo. Neapel 15. December
1534 die kaiserliche Belehnung mit der Grafschaft Heiligen-
berg, kauft 1537 die Herrschaft Blomberg, eröffnet 1545 als
kaiserlicher Bevollmächtigter den Reichstag zu Worms, 1546
Oberst in der schweren Reiterei; — f 7. März 1559, begr. zu
Bettenbrunn; — verm. 1516 mit Anna Gräfin von Werdenberg,
Frau von Jungnau und Trochtelfingen, Tochter und Erbin von
Christoph Grafen von Werdenberg zu Heiligenberg, Veringen
und Sigmaringen, Herrn von Jungnau und Trochtelfingen und
der Leonora Gonzaga aus dem Hause Sabbioneta Tochter,

t 1554-

Wappen: Wie sein Vater Wolfgang Graf von Fürsten-
berg (Ritter Nr. 118), doch ist der b. Rand nicht wolkenförmig,
sondern in Treppengiebeln gezinnt und der Adler auf dem
Helme nicht wachsend, sondern ganz. Die Decken nicht r. s.,

sondern s. r.

Noch mehr entstellt als die frühere Darstellung.

[197]

Mes° phelippe de lannoy prince de sulmone.

Philipp von Lannoy, zweiter Fürst von Sulmona, Graf
von Venafro, Herr von Maingoval und Sanzelles; — ältester
Sohn von Karl III. von Lannoy (Ritter Nr. 136), Generalcapitän
bei der Expedition von Tunis, schlägt 1544 den Marschall
Strozzi in Toscana, 1546 Generalcapitän der spanischen und
italienischen Truppen in Deutschland (bei der Schlacht bei
Mühlberg), erhält 30. Jänner desselben Jahres das Collier; —
t 1553; — verm. zu Neapel (Palast Capuana) mit Donna Isa-
bella Colonna, Frau von Caramanico, Herzogin von Tra'ietto,
Witwe von Lodovico »Rodomonte« Gonzaga, Herrn von Sab-
bioneta und Rivarolo, Tochter von Don Vespasiano Colonna,
Herzog von Tra'ietto und der Beatrice da Piano di Aragona,
kauft 1569 Rocca, Pipirozzi und Sesto, f zu Neapel I I.April 1570.

Wappen: Wie sein Vater Kar! III. von Lannoy (Ritter
Nr. 136), nur mit anderem Helme, nämlich: Hz. aus g. Krone
ein s. Einhornkopf mit g. Hörn und Mähne. D. s. gr.

[198]

Mesc Joachim sr de Rye.

Joachim Herr von Rye, Choix, Givry und Neufchastel;
— ältester Sohn von Simon Herrn von Rye, Issey, Arbonnay,
Balancon u. s. w.; — Rath und Kämmerer des Königs Philipp
und der Johanna von la Baulme (Tochter des Ritters Nr. 129),
begleitet Karl V. nach Spanien, Erster Haushofmeister und
Garderobier des Kaisers, 1535 vor Tunis zum Ritter geschlagen,
erhält 30. Jänner 1546 das Collier, Generalcapitän der leichten
Reiterei in der Schlacht bei Mühlberg, testirt 25. September
1589; — verm. 1532 mit Antonia von Longvy, Frau von Givry,
Neufchastel u. s. w., Tochter von Christoph von Longvy,
Herrn von Longuepierre und der Anna von Neufchastel (einer
Haupterbin dieses Hauses und Enkelin des Ritters Nr. 62).

Wappen: Quartirt. I. und 4- in R- ein S- Adler- 2-und
3. in R. ein s. Schrägbalken. Hz. ein g. über r. quergetheilter

1 Johanna war die Tochter von Aegydius Van der Gheynst, eines Tapetenwirkers zu

Nukerke bei Audenaerde und der
Johanna Van der Coye. Sie scheint im Hause des Grafen von Hooghstraeten bedienstet gewesen zu sein. Bald nach der Geburt
Margaretens heiratete sie Johann Van den Dycke, welcher 21. April 1539 Rath und überzähliger Raitmeister bei der Rechnungs-
kammer, 14. Februar 1549 ordentlicher Raitmeister wurde, 1559 das Gut Santvliet kaufte und 1. September 1572 starb. Sie
hatte von ihm einen Sohn Wilhelm und zwei Töchter Agnes und Guta, die beide den Schleier nahmen.
2 Sohn von Giulio de'Medici (nachmals Papst Clemens VII., 1523—1534)-
loading ...