Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.>; Schultz, Alwin [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]; Treitzsaurwein, Marx [Oth.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Weisskunig — Wien, 6.1888

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geräumt, und nur dann, wenn ich in ihm eine passende Bezeichnung nicht fand, die Codd. F, G, H zu
Hilfe genommen. Oft aber lassen auch die im Stiche; entweder hat ein Blatt in den verschiedenen Samm-
lungen verschiedene Unterschriften, und dann gilt es zu wählen, oder schon zu Maximilians Zeiten wusste
man nicht, wie man den Holzschnitt bezeichnen sollte. Ich habe daher selbst manche Blätter mit Unter-
schriften versehen müssen; diese sind in moderner Sprache abgefasst und schon dadurch leicht kenntlich.

Der Tod des Kaisers 151 g am 12. Januar unterbrach die Arbeit am Weisskunig. Es vergingen sieben
Jahre, ehe von einer Vollendung des Werkes wieder die Rede war. Erzherzog Ferdinand entschloss sich erst
i52Ö Marx Treitzsaurwein mit der Beendigung des angefangenen Werkes zu betrauen, und sagt in dem
an ihn gerichteten Schreiben ddo. Augsburg den 1. März i52Ö (Jahrbuch der kunsthistorischen Samm-
lungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, III, Reg.-Nr. 2868, S. LXIII): »Zum vierten: Als kaiser Maxi-
milian angefangen hat ain puech seiner histori aufzurichten und dasselb puech genennthat
den Weyssen kunig und der Treytzsaurwein in zwaien puechern (das ist der erste und zweite
Abschnitt unserer Ausgabe) den anfang gemacht und er dieselben zwai puecher kais. maj. uber-
antwurt, die wir jetzo bei unseren handen haben, aber ferrer mit der geschrift daran nichts
verbracht worden, dan allain das die kais. maj. die form zu dem gemäl, so zu demselben
puech gehörn, schneiden hat lassen, daraufgem elter unser Niederösterreichischer c an zier,
der Treitzsaurwein, dasselb puech, als vil er tuen mag und ime wissend ist aufrichten
solle; darzu wellen wir ime die zwai obgemelten puecher, so er vormalen gemacht, auch
die form, so kais. maj. schneiden hat lassen auf unseren costen schicken und, so er das-
selb puech aufgericht, so sol er so vil puecher trucken lassen, dieweil die form des gemäls
in der truckerei gebraucht mugen werden, und uns davon hundert puecher on alle
costen frei zustellen; die übrigen sollen ime zusteen, davon das truckerlon zu bezalen,
und für sein mue.« Treitzsaurwein reist selbst nach Augsburg und erhält am 26. April 400 rheinische
Gulden für Reisespesen (ibid. 1878, S. LXIV); der Flossmann, der die Bücher nach Wien bringt, bekommt
am 26. März ausser 5 Pfund Pfennigen Vorschuss noch i5 Pfund Pfennige (ibid. 2873). Zugleich beauftragt
der Erzherzog am 6. März den Dr. Conrad Peutinger, vom Probste Melchior Pfinzing die zur Historie
Kaiser Maximilians gehörigen Bücher und Formen in Empfang zu nehmen und an Treitzsaurwein zu
schicken (ibid. Nr. 2869, S. LXIII). Zur selben Zeit befiehlt der Erzherzog Ferdinand der Raitkammer in
Innsbruck »die zway puecher des weysen kunigs, so er in leben kaiser Maximilians auf
irer Mayestat bevelh auch dannen gericht und was darzue gehört on verzug auf unsere
cossten zu seinen handen geen Wien zue schicken.« »Die zway puecher des weisen kunigs
mit aller zuegehörung, wie solhs eingeschlagen ist, das schickt von stundan dem Treytz-
saurwein gen Wien und wartet damit nit auf doctor Männdleins puecher.« Die Raitkammer
berichtet darauf am 28. April, dass sie in dem Gewölbe zu Innsbruck vor des Erzherzogs Schlafkammer
»die zway puecher des weysen kunigs . . . sambt den gemälden und Schriften und was dar-
zue gehört, so ... in einem eingeschlagnen vas steen,« nicht gefunden haben. (Vergl.
Schönherr, Treytzsaurwein S. i5 (resp. 369) und Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Aller-
höchsten Kaiserhauses, II, Reg.-Nr. 1626 und 1643, S. CXVI und CXVII.)

Der bald darauf am 6. September 1527 erfolgte Tod des Kanzlers vereitelte auch die Ausführung
dieses Planes. Und so blieb derWeißkunig ungedruckt, obgleich er durchaus nicht vergessen war. EineTochter
von Treitzsaurwein war mit Wolfard Strein verheiratet (Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des
Allerhöchsten Kaiserhauses, IV, Reg.-Nr. 3422, S. XLI) und so mag der Sammelband G, der jetzt in der fürst-
lich Liechtenstein'schen Bibliothek sich befindet, in die Strein'sche Familie und endlich an Richard Strein
Freiherr von Schwarzenau (f 1600) gelangt sein. Dass dieser den Plan einer Ausgabe ins Auge gefasst,
dass nach ihm Georg Christoph von Schallenberg 1633 dieselbe Absicht gehabt, ist schon oben bemerkt
worden. Wie uns Fugger-Birken's Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668), S. 1121
berichtet, fand 1665 Petrus Lambecius die Handschrift im Schlosse Ambras und brachte sie nach Wien in
die kaiserliche Hofbibliothek. Die Holzstöcke, 2 36 Stücke, wurden auf dem Schlosse zu Graz im vorigen
Jahrhundert aufgefunden und endlich mit der Handschrift A im Verlage Josef Kurzböck durch den Abbe

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