Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.>; Schultz, Alwin [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]; Treitzsaurwein, Marx [Oth.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Weisskunig — Wien, 6.1888

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babst mitsampt seinen cardinalen rait mit dem alten weißen kunig bis zu der Tiberpruck; da ließ man
fliegen des kunigs paner, das der babst ime nach dem ampt der heiligen meß gegeben het, das in sonder-
hait köstlichen was, und dasselbig paner fueret der wolgebornen edl herr herr Mihel burggraf zu Mayd-
burg und graf zu Hardek (fol. 79a) bis mitten auf die Tiberpruck. Daselbs ward auch aufgeworfen der edl
fan, genannt Santus Gorgen; derselb fan ward bevolhen dem edl ritter herrn Hainrihen von Randeg. Und 5
der alt weiß kunig schlueg auf derselben Tiberprucken bey drew hundert fursten, grafen, herrn und edlleut
zu ritter; dieselben muesten auch alle niderknyelen: da ward inen ordenlichen und nach aller notturft
erzelt die ritterlich Ordnung. Darnach rait der alt weiß kunig mit allem seinem volk durch die stat zu
Rom bis zu sand Johanns Latron in aller seiner kuniglichen wirdigkait, mit der köstlichen krön auf dem
haupt und fuert die guldin rosen, die ime der babst het geschenkt, in der rechten hand, und was aus der 10
massen grosses volk da, und wer nun den alten weißen kunig mocht an (fol. 79 b) rueren, der gedacht sich
sälig und wirdig zu sein. Man warf auch groß gelt vor dem kunig under das volk, damit der kunig platz
mocht haben zu reiten, und als der kunig zu der kirchen sand Johanns Latron kam, da fueret man den
kunig in die kirchen, darynnen ward ob ime gesungen und gelesen. Nachdem rait der alt weiß kunig
wider in sand Peters munster; da ward der kuniglich eer gar verpracht, und als sölichs volend was, 15
gieng der kunig mit allem seinem volk in des babst balast; desgleichen ward sein gemahl die kunigin mit
sampt allen iren frawen und junkfrawen auch in denselben balast gefuert, darynnen dann unser heiliger
vater der babst ain köstlichs hochzeitlich mal mit manicherlay trank aus teutschen, welschen, kriechischen,
hispanischen und (fol. 80a) haidnischen landen, auch mit vil seltsamer wunderlicher speiß zurichten het
lassen. Und unser heiliger vater der babst saß zu tisch mit dem alten weißen kunig und seinem gemahl, 20
auch mit dem jungen kunig Lasla und mit des alten weißen kunigs brueder; darnach setzten sich alle car-
dinalen, bischof, fursten, grafen, herrn, ritter und alles volk, das dann ain grosse anzal was, und men-
niglich empfieng die speiß und trank mit frewden, und under dem essen wurden gehalten vil seltsame
und wunderliche spil, die alle zu beschreiben wurde gar zu lang sein. Und als sölich hochzeitlich
und kuniglich nachtmal volpracht und vil eerlicher frewden gehalten was, da ward der alt weiß kunig und 25
sein gemahl die kunigin mit grossen eeren zu pet gefuert und nach gesatz der ee zusamen gelegt. Wie
mag doch ainer beschreiben dise aller (fol. 80t>) wirdigste und eerlichiste kronung und hochzeit, die mit
inen in allem frid, in der höchsten eer und mit wunderlichen frewden beschehen ist! Es ist gar wol ab-
zunemen, das got darynnen sein genad mitgetailt hat, zu ainem zaichen, von inen frucht zu kumen,
die da wurken und verpringen werden in der zugebenden genad des allmechtigen gotes wunderliche ding. 30
Der alt weiß kunig und sein gemahl sein auch etliche tag zu Rom beliben und mit irn fursten, grafen, herren,
rittern und knechten die ganz stat Rom, auch ausserhalb der stat die heiligen stet mit grosser andacht
haimgesuecht, und den gotzheusern, die pawfellig oder an zier arm waren, den gab er haimlichen und
offenlichen grosse gab aus sonder angeborner miltigkait.
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