Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.>; Schultz, Alwin [Hrsg.]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]; Treitzsaurwein, Marx [Bearb.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Weisskunig — Wien, 6.1888

Seite: 96
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steigen, aber er sölichs dannocht nit lassen möcht aus (fol. 166 a) dem lust, naigung und begird, so er zu
disem gejait het, und nit vil seiner gembsenjeger möchten ime mit dem steigen in die wend geleichen; aber
er was in seinem steigen gar fursichtig und het kainem swyndl in seinem haupt nit. Er het in dem land
Tirol in ainem tal, genannt Smyeren, ain sonder lustig gembsengejait, und wann er dasselb gembsengejait
5 jaget, kamen den merern tail in das gejait mer dann sechshundert gembsen, ich wil sprechen tausend,
dann, wann man zeit sechshundert, was ist dann der ungezeltn gembsen? Und das gejaid beschreib ich
aus der ursach in sonderhait, dann, als oft ich an demselben gejait bin gewesen, so hab ich mir zu meinem
tail albegen ain gembsen sieden und praten lassen, den ich mitsampt meinen mit (fol. 166b) gesellen aß, und
ainmal hielt der kunig daselbst ain sonderlich frölich gejaid, da waren hundert und drey und achtzig

To gembsen gefangen, die gezelt wurden; wie fil dann nit in die zal kumen sein, ist mir nit wissend. Ich
gelaub aber genzlichen: ich mitsampt meinen mitgesellen haben der ungezelten gembsen etlich mit
guetem muet verzert, etlich in frewden verschenkt; darumb mag ich wol zewknus geben. Ainer, der in
dem wesen unerfaren ist und sölichs liset, der möcht gedenken, der jung weiß kunig het nichts anders
gethan dann paissen und jagen. Es hat nit die gestalt gehabt, sonder mit paissen und jagen ist diser

15 kunig am meisten in den grossen kriegen gewesen, und wil darynnen ain underricht geben. Es fieng sich
in ainer zeit ain merklicher (fol. 167 a) grosser krieg an in belshen landen wider Wenedyg; darein kriegten
vil kunig und herren, und in sonderhait fueret der jung weiß kunig und der kunig zu Frankreih daryn den
hauptkrieg, als die zwen mechtigisten kunig. In dem kam die zeit des winters, das die kunig abzugen;
die burger in den steten waren in sonderhait fro, das der jung weiß kunig aus dem land zug, vermainten,

20 er wurde sich nit mer understeen, darein zu ziechen. Nun waren etlich erfaren personen in demselben
land, die umb des jungen weisen kunigs mechtigkait und umb sein kriegen ain wissen heten, die klagten
und sprachen: »got hat das urtail über uns gefölt, dann der frid ist von uns aufgenomen und wird
unser land geben, die da thun nach seinem willen, das ist der (fol. 167 b) jung weiß kunig« und kamen mit
ainanderin ain grosse disputacion. Die burger sagten, der kunig zu Frankreih were ain gewaltiger krieger,

25 der jung weiß kunig were zu senftmuetig, und dardurch heten sy nit sonder sorg mer auf ine, das er
widerumb in ir land kumen wurde. Darauf gaben die erfarn personen die antwurt: »es ist war, der
kunig von Frankreih kriegt gewaltiglichen und sein kriegen nymbt pald end. Aber der jung weiß kunig
der ist der allerhertist krieger, dann über hundert meil hetzt er ainen hirschen und reit demselben
barschen für und für nach und facht denselben hirschen erst in dem land, das er bekriegen oder verderben

30 wil, und darumb so wird unser land werden sein vorst, und wird alle jar darynnen jagen und paissen
und nit (fol. 168a) nachlassen, bis seine valken und hund darynnen ir wonung, und die hirschen und raiger
vor uns ir sicher stand haben.« Die disputacion hab ich aus der ursach anzaigt: wann ain ander kunig
in den krieg auszogen ist, so hat sich derselb kunig zuvor ain lange zeit berait; so ist der jung weiß kunig
albeg zu kriegen berait gewest, dann er für und für gejagt und gepaist, und die hirschen und raiger in

35 seiner veind land in sonderhait gern gefangen. Kain kunig hat disem jungen weisen kunig mit streiten,
heerfueren, jagen und paisen nit geleichen mugen; er was ain merer und liebhaber aller vorst, gejait und
wiltpret, und ain aufenthalter und nerer des redlichen und ritterlichen kriegsfolks und aller jeger, dann er
ain streitpers, edls und kuniglichs gemuet gehabt hat, (fol. 168 b) das ich jetz offenbaren wil. Nemlichen er
hat nit als ain kunstlicher jeger sein mugen, das wiltpret zu hayen, darnach das zu jagen und zu fahen,

40 er was noch vil kunstlicher, in kriegen land, stet und slösser zu gewynnen; wiewol er auch der maister-
lichist valkner was, so was er doch vil maisterlicher, die grosmechtigen kunig, fursten und herrn zu
seinem willen zu bringen. Diser jung weiß kunig ist gewesen ain ubertreffenlicher jeger, valkner, kriegs-
man und heerfuerer; er hat mit den vier haupttugend, die ain jeder kunig haben solle, alle kunig uber-
troffen. Ain jeder, der in den historien und geschienten gelert ist, wird nit sagen, das ich in dem zu vil

4 5 geschriben hab, sonder diz mein schreiben wird dem gemainen volk in ainem merern verstand erklärt.
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