Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

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DIE JUGENDWERKE DES BARTOLOMMEO SUARDI,
GENANNT B RAM ANTINO.

Von

Wilhelm Suida.

L Dokumentarische und literarische Nachrichten über Bramantino.

i. Sichere Daten.

die Gestaltung der Porta versus compedum am Dome zu Mailand.

1503, Donnerstag den 22. Juni: Neuerliche Beratung über dieselbe Tür, zu der von dem Stadt-
teile bei Porta nuova unter neunzehn Erwählten «Maestro Bramantino pittore» berufen wird.

1503, Montag den 26. Juni wird unter anderen Künstlern auch Bramantino beauftragt, das
Modell, das Andrea da Fusina für die Tür gefertigt hat, zu prüfen, zu messen etc.

1508, am 4. Dezember erhält Maestro Bartolommeo Suardi da Milano, d° Bramantino, die Summe
von i3o Dukaten ausbezahlt für Malereien, welche er im Vatikan ausführen soll. Damit ist seine An-
wesenheit in Rom bezeugt.

1513, am 28. September versprechen die Mönche von Chiaravalle bei Mailand, bis Martini 1514
dem Herrn Bartolommeo dicto Bramantino de Suardis, Sohne des verstorbenen Herrn Albertus, wohn-
haft in der Pfarre S. Babila, 80 Dukaten in Gold zu zahlen für ein Bild der Beweinung Christi, welches
nach Rom gesandt wurde.

1514 findet sich im Ausgabenbuche des Klosters Chiaravalle die Bemerkung der Zahlung von
400 L. an Bramantino.

151g, am 19. Mai erscheint Bartolommeo de Suardi, detto il Bramantino, außer den regel-
mäßigen Teilnehmern bei einer Sitzung, in der die Anfertigung eines Modells des Mailänder Domes
beraten wird.

151g, am 16. Juni gibt Bramantino sein Anwesen in der Pfarre S. Bartolommeo di Porta Nuova
dem Paolo Trotti in Erbzinspacht (Nießbrauch), später geht derselbe Besitz als Mitgift an Bramantinos
Tochter Laura über (Notar Pietro Paolo Crevenna).

1519 (nach Motta *) arbeitet Bramantino an der Grabkapelle der Trivulzi bei S. Nazzaro.

1525, am 22. Jänner wird Bramantino pentore mit zahlreichen anderen Patrioten durch den
französischen Statthalter Chiandio aus Mailand verbannt nach Susa.

okumentarische Nachrichten über das Leben und die Werke des Bartolommeo
Suardi, genannt Bramantino, besitzen wir nur sehr wenige. Unter dem Hin-
weise, daß im Anhange die vollständigen Dokumente mitgeteilt werden, mag es
hier genügen, die sicheren Daten kurz zu nennen:

Die erste uns bekannte Erwähnung Suardis findet sich im Jahre 1503:
Donnerstag den 23. Februar 1503 nimmt «Brammantino» mit mehreren anderen
Künstlern, vornehmlich Bildhauern und Architekten, an einer Beratung teil über

1 Nozze, Principalesche nel Quattrocento, Milano 1894.
XXV.
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