Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

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DIE FRANZÖSISCHEN BILDNISSE IN DER PORTRÄTSAMMLUNG
DES ERZHERZOGS FERDINAND VON TIROL.

Von

Louis Dimier.

as Folgende bildet einen kurzen Nachtrag zu der in diesem .lahrbuche erschienenen
Publikation Friedrich Kenners über die Porträtsammlung des Erzherzogs Fer-
dinand von Tirol. Dieser Nachtrag hat ausschließlich die französischen Bild-
nisse1 im Auge und berührt in keiner Weise das Wesen von Kenners Arbeit.
Im Gegenteile, die hier gebrachten Ergänzungen betreffen ausschließlich Einzel-
heiten und die wenigen sich daranschließenden Richtigstellungen zeigen, wie
genau und umfassend Kenners Forschungen waren. Bildete ja doch die fran-
zösische Ikonographie keineswegs deren alleinigen Gegenstand. So darf man sich nicht wundern, daß
ein Franzose, der speziell auf diesem Gebiete tätig ist, den Spuren eines so vorzüglichen Werkes fol-
gend, noch eine kleine Nachlese halten kann.

Bevor wir die Einzelbemerkungen vorbringen, die den Hauptinhalt dieses Artikels ausmachen,
scheint es angemessen, auch vom französischen Gesichtspunkte aus auf die außerordentliche Wichtigkeit
der Porträtsammlung des Erzherzogs hinzuweisen. Ihre Bedeutung gründet sich zum Teile auf die Ge-
nauigkeit der Inschriften, die die einzelnen Bilder dieser Sammlung tragen. Nur in einem einzigen Falle
läßt sie uns im Stiche und in diesem handelt es sich, obwohl das Bildnis unter die französischen eingereiht
ist, nicht um einen Franzosen von Geburt. Alle übrigen Inschriften sind unangreifbar und Kenner,
der es sonst nicht unterläßt, mit angemessenem Eifer die alten Benennungen richtigzustellen, brauchte
nicht ein einziges Mal den Text jener Inschriften zu verbessern, die die französischen Bildnisse tragen.
Ich gehe von denen der Rückseite aus, berücksichtige aber auch jene, die sich in Goldschrift auf den
Bildern selbst finden.

Die französische Ikonographie zieht zum Vergleiche folgende mit ähnlichen Inschriften versehene
Arbeiten heran: i. die Originalporträte und Atelierwiederhölungen; 2. die vorbereitenden Krayon-
zeichnungen, die bekanntlich im Frankreich des XVI. Jahrhunderts sehr häufig sind; 3. in Sammel-
bänden vereinigte Krayonkopien nach den Originalen, die sehr geringen künstlerischen Wert und nur
für unsern Zweck Interesse haben; 4. die Stiche, 5. Olkopien, bestimmt zur Bildung historischer Por-
trätgalerien; dieser letzten Gattung gehören die Bildnisse aus dem Besitze des Erzherzogs Ferdinand
von Tirol an.

Die Inschriften auf den Arbeiten der ersten Gattung, auf den Originalbildnissen und Atelier-
wiederholungen, sind nur in den seltensten Fällen ursprünglich und daher glaubwürdig. Eine große
Zahl dieser Gemälde hat sie erst im XVII. Jahrhundert von der Hand eines Sammlers namens Gai-
gnieres, erhalten, der sie bald aus vielleicht halb verblaßten Aufzeichnungen der Rückseite, bald aus

1 Sie wurden von Kenner im XIX. Bande dieses Jahrbuches, S. 27—90, besprochen.

XXV.

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