Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 29.1910-1911

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DREI STUDIEN.

Von

Campbell Dodgson.

1.

Zum Weisskunig.

ur sehr vollständigen Ausgabe des Weisskunig im VI. Band dieses Jahrbuchs ver-
mag ich ein paar Zusätze nachzutragen, die mir im Laufe verschiedener Studien-
reisen bekannt geworden sind. Vom 26. Holzschnitt der Ausgabe von 1775 (S. 75
in der Ausgabe von Alwin Schultz): «Wie der jung weiss kunig malen lernet»,
besitzt das kgl. Kupferstichkabinett zu Berlin einen bisher unbeschriebenen Probe-
druck, der hier (Fig. 1) in Originalgröße wiedergegeben ist. Uber dem Haupt
Maximilians hängt an der Wand ein Hirschgeweih, darunter das österreichische

Wappen mit dem Spruche: «gelick det vil» (Glück tut viel), wobei man zunächst an das häufig, nament-
lich im Theuerdank, als Sinnbild des Kaisers vorkommende Glücksrad erinnert wird; die Idee, die im
Vers: -.t/yr, T&yrp 'i—.ifzt v.y). -s/r, -.i-/yr;i verkörpert wird, lag wohl dem damaligen Gedankenkreis nicht so
nahe. Im veränderten Zustand weist der Holzschnitt an dieser Stelle einen leeren Raum auf, der, hori-
zontal schraffiert, dem unteren Teil der Wand, neben dem Kopfe des Weisskunigs, jetzt so vollkommen
gleicht, daß man, ohne den Probedruck zu sehen, von der vorgenommenen Verbesserung keine Ahnung
haben würde. Ob diese Änderung auf dem Holzstocke aus rein ästhetischen Gründen stattfand oder
darum, weil der Kaiser gegen die von Burgkmair angebrachten Gegenstände Einwendungen machte, muß
dahingestellt bleiben; sicher ist nur, daß die leere Oberfläche im korrigierten Zustand viel ruhiger und
befriedigender wirkt. Der Probedruck in Berlin ist wahrscheinlich ein Unikum, da die drei Codices der
k. k. Hofbibliothek (3o32, 3o33, 3o34), in denen frühe Drucke aufbewahrt sind, und der Sammelband
der fürstlich Liechtensteinschen Fideikommißbibliothek diesen Holzschnitt nur im gewöhnlichen Zu-
stand enthalten.

Wegen besonderer Seltenheit mögen einige andere Probedrucke hier erwähnt werden, obwohl sie
inhaltlich in keinem Punkt von den schon beschriebenen Exemplaren abweichen. Das kgl. Kupferstich-
kabinett zu Berlin erwarb vor einigen Jahren einen Probedruck auf Pergament, mit breitem Rand, von
der auf S. 25g der neuen Ausgabe abgebildeten Darstellung (B. VII, S. 227, Nr. 7). Ein ähnlicher
Pergamentdruck von einer verlorenen Platte, die Belagerung Paduas (B. VII, S. 227, Nr. 6; S. 342 der
neuen Ausgabe), befindet sich in einer Wiener Privatsammlung, bei Herrn Franz Trau. Die Bartsch
unbekannte Darstellung, S. 137 der neuen Ausgabe, von Schultz1 als Unikum der Sammlung Liechtenstein
beschrieben, befindet sich in demselben unverstümmelten Zustand auch im British Museum. Der Ab-
druck auf Papier ohne Wasserzeichen ist nicht mehr von solcher Qualität wie die ganz frühen Probe-
drucke anderer Darstellungen, die in London ebenfalls gut vertreten sind, wenn auch viel weniger zahl-
reich als in Wien.2 Zwei Probedrucke (auf Papier) auf der Feste Coburg sind ferner darum hervor-

1 Jahrbuch VI, S. XXIII.

2 In London ist, von Dubletten abgesehen, Burgkmair mit 46 Probedrucken, Beck mit 48, Schäuf'elein mit einem
(S. 161) vertreten. Die durchaus glänzenden Abdrücke stehen teilweise auf der Rückseite einer kaiserlichen Proklamation vom
5. Oktober 1514 (vgl. Schultz, S. XVII), wovon Praetor (Nr. 10737) drei mit den Typen Hans Schönspergers d. J. gedruckte
Ausgaben unterscheidet.

XXIX. .
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