Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 29.1910-1911

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DÜRERS ENTWÜRFE
FÜR DAS TRIUMPHRELIEF KAISER MAXIMILIANS I. IM LOUVRE,

EINE STUDIE ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES TRIUMPHZUGES,

von

Karl Giehlow.

Die letzte Forschung über Maximilians literarische und künstlerische

Unternehmungen.

ie Maximilians stets reger schriftstellerischer Trieb seinen Sekretären, Humanisten
und Künstlern fortgesetzt zu «tun gab», so ergeht es jetzt noch dem Forscher und
Liehhaber, der dem so vielseitig veranlagten Fürsten auf dem Gebiete seiner
künstlerischen und literarischen Interessen zu folgen versucht. Auch er erlebt
Überraschung auf Überraschung. Es vergeht keine längere Spanne Zeit, in der die
Archive nicht Neues über die bekannten, der Verherrlichung seiner Person oder
seiner Dynastie dienenden Werke oder von unbekannten Unternehmungen be-
richten; immer wieder wird die Aufmerksamkeit auf Bücher gelenkt, die, von ihm geschaffen, sich noch
in den Bibliotheken verborgen hielten, oder es lassen sich Kunstwerke der Museen auf seine schöpfe-
rischen Anregungen zurückführen. Des Erstaunens kein Ende!

Ein überaus wichtiger Fund wurde kürzlich im Staatsarchive zu Hannover gemacht. Es ist der
Bericht, den Johannes Stabius über den Stand der literarisch-künstlerischen Unternehmungen Maximi-
lians seinem Enkel Karl V. bald nach der Kaiserkrönung, wohl noch Ende 1520, erstattet hat.1 Der
berühmte Mathematiker und Hofhistoriograph, der sechzehn Jahre lang Maximilian in wissenschaft-
lichen und künstlerischen Fragen treu beraten hatte, befand sich damals zu Augsburg in einem Hause,
das besonders zur Aufbewahrung der literarischen Schöpfungen seines Herrn bestimmt war. Gleich
nach dessen Hinscheiden war von ihm die Feststellung des Vollendungszustandes der einzelnen Werke
in Angriff genommen worden. So stammt von seiner Hand, wie sich jetzt herausgestellt hat, das Ver-
zeichnis der Holzschnitte für den Triumphzug des Kaisers, die entsprechend dem 1512 aufgestellten
Programme noch anzufertigen waren. «Jetzt ainjar* nach dem letzten Aufenthalte des Kaisers zu Linz
wurde es niedergeschrieben, also Anfang 15 19, offenbar im Auftrage der Regierung zu Innsbruck.2

Aus der knappen Kürze des für Karl V. bestimmten Berichtes ragt erst recht die Kolossalität der
von Maximilian «zur Erinnerung an seinen Namen und den des österreichischen Hauses» unternomme-
nen Werke. Sie zeigen sich in neuer, ungeahnter Größe. Daß von der Ehrenpforte bereits zu Lebzeiten
des Kaisers siebenhundert Exemplare gedruckt worden sind, wußte man bisher nicht; daß der Kosten-

1 Vgl. S. Steinherz, Ein Bericht über die Werke Maximilians I. in den Mitteilungen des Institutes für österreichische
Geschichtsforschung, XXVII. Band, I. Heft, S. 152 ff., und den Abdruck im Anhang am Schlüsse dieses Aufsalzes, Nr. 14. —
Über Stabius vgl. G. Bauch, Die Anfänge des Humanismus in Ingolstadt, München und Leipzig 1901, S. 28. Unter dem Namen
Johannes Stoeberer aus Hueb (ex Augusta) kommt am 1. August 1482 Stabius in der Ingolstädter Universitätsmatrikel vor.
Hueb ist wohl das in Oberösterreich nicht allzuweit von Steyr gelegene Dorf; bisher galt Steyr als Heimat des Stabius, der
mit Styrius oder ex Styria näher bezeichnet wird; vgl. Josef Aschbach, Die Geschichte der Wiener Universität, Bd. II, Wien
1877, S. 363. Weiter über Stabius berichtet Bauch in: Die Rezeption des Humanismus in Wien, Breslau ioo3.

2 Vgl. Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerh. Kaiserhauses, Band II, Reg. 1366, und den verbesserten
Abdruck im Anhang, Nr. l3.
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