Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Studniczka, Hydragiebel.

war, darf man das Löwenfell erkennen, das er auch auf dem Vasenbilde trägt6.
Verschieden von dem Bilde der Lade ist es nur in der Richtung, von links nach
rechts7 *, und in der Waffe des Heros; dort war es die älteste, der Bogen, hier ist
es das Schwert, wie zum Teil auf den Vertretern des anderen Typuss. Das attische
Relief unterscheidet sich bei wesentlicher Gleichheit des Kampfschemas durch die
Tracht der Hauptperson, welche noch die allgemein heroische Kriegsrüstung trägt
und die Keule schwingt, was in diesem Abenteuer erst in jüngeren Darstellungen
wiederkehrt9. Wesentlichere Änderungen aber sind die Weglassung Athenas, die
der Künstler nicht unterzubringen wufste, ohne Herakles von der Mitte wegzuriicken
und gegen die Tradition die Hauptsache, das Schlangenungeheuer, einzuschränken;
ferner die Änderung in der Haltung des Ioalos, welcher auf der Kypsele und dem
Vasenbilde ganz auf dem Wagen steht, hier dagegen im Schema des ausziehenden
Amphiaraos ihn besteigt, sachlich sinnlos, aber in der lobenswerten Absicht, ihn
wegen der Neigung des Giebels bei möglichst grofsen Verhältnissen möglichst tief
herabzuriicken. Der Krebs, welcher die linke Giebelecke füllt, scheint, da er auf
dem Vasenbilde und, nach diesem und dem Schweigen der Beschreibung zu urteilen,
auch auf der Lade fehlte, aus dem anderen Typus entlehnt, wo sich auch schon
die Senkung der Pferdeköpfe, sehr nattirlich durch das Grasen motiviert, vorfand10,
welche unser Künstler so glücklich der Giebelform angepafst und mit dem Krebse
in Verbindung gebracht hat.

Unser Vasenbild hat Klein der chalkidischen Gruppe zugerechnet und,
so viel mir bekannt, keinen Widerspruch erfahren. Meier knüpft sogar die
Vermutung daran, es sei auch der Giebel ein Werk chalkidischer Kunst11. Mit
Unrecht auch dann, wenn Kleins Behauptung stichhaltig wäre, denn mit eben-
soviel Grund könnte man im Hinblick auf die Kypsele an korinthischen Einflufs
denken, welchem ja z. B. Löschcke im attischen Archaismus weiten Spielraum bei-

6) Wenn wie es scheint auch sonst auf korinthi-
schen Denkmälern die Löwenhaut früher üblich
\yird als anderwärts, so erklärt sich das, glaube
ich, aus der Nähe von Nemea. Dafs im Nord-
osten des Peloponnes mit der Sage vom Löwen-
kampfe auch die Felltracht des Herakles zu
Hause war, kann die bekannte Nachricht bestäti-
gen, Peisandros von Kamiros habe sie zuerst
in die Poesie eingeführt. Der Bürger einer ar-
givischen Kolonie venvertete damit nur einen
Zug der heimatlichen Sage. Dieser könnte
darum doch ursprünglich orientalisch gewesen
sein.

7) Wenn Lösclrcke Archäol. Zeitg. 1876 S. 113

Anm. 17 aus Pausanias’ Ausdrucksweise das

Gegenteil entnimmt, so libersieht er, dafs dann

das Gespann sehr unpassend von seinern Plerrn

durch das Ungelieuer getrennt wäre, statt in
seinem Rticken zu warten. Für das Anlieben

der Beschreibung mit der Hauptsache, dem
Ungeheuer, liefsen sich Analogien beibringen.
s) Das Schwert auf der Anm. 4 envälrnten Vase
aus Aigina und Monum. a. a. O. 6. Häufiger
ersclieint die ziemlich gleichbedeutende Harpe:
auf dem ebenda angeführten Napfe aus Argos,
auf beiden Seiten der Schale des Nikosthgnes
und Anakles in Berlin, Furtwängler Nr. 1801,
der erwähnten attischen Amphora; nach Euripides
lon 194 auch auf der delphischen Metope.

9) Arn frühesten in dem jung- schwarzfigurigen
Vasenbild Heydemann T. 4, Collignon Nr. 211,
dem rotfigurigen Gerhard Auserl. Vasenb. II 148,
auf der Saburoff’schen Reliefvase aus Tenea
(Berlin Nr. 2882) und auf jüngeren Reliefs; auch
auf der Mlinze von Phaistos, Friedlaender*
Sallet, Berl. Münzkabinet T. 3. Nr. 161.

10) Auf dem Napf aus Argos, s. Anm. 4.
u) Mittheilungen 1885 S. 326.
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