Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Hrsg.]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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DIE TECHNISCHE HERSTELLUNG
UND BEMALUNG DER GIEBELGRUPPEN AM
OLYMPISCHEN ZEUSTEMPEL

Die nachstehenden Ausführungen waren ursprünglich für den III. Band des
amtlichen Olympiawerkes bestimmt'. Da der beabsichtigte Umfang des Textbandes
jedoch so wie so schon beträchtlich überschritten war, sein Inhalt sich überdies
nach Möglichkeit auf die Mitteilung des rein thatsächlichen beschränken sollte,
und da endlich diejenigen Thatsachen, welche hier einer zusammenfassenden Be-
handlung unterworfen werden, bei der Beschreibung der einzelnen Giebelstatuen
bereits Erwähnung gefunden hatten, so schien der vorliegende Abschnitt dort am
ersten entbehrt werden zu können.
Soweit jene technischen Einzelheiten sich zu Schlüssen auf die ursprüng-
liche Anordnung der Giebelgruppen verwenden liefsen, sind sie in Abschnitt II, D
und E des olympischen Skulpturenbandes (Olympia III S. 114 ff. und i3off.) ebenfalls
schon zur Sprache gekommen. Hier beabsichtigen wir lediglich darzulegen, was sich
aus den technischen Beobachtungen für folgende Tragen ergiebt: 1) für die Vor-
bereitung und Fertigstellung der einzelnen Statuen und Gruppen in Steinbruch und
Werkstatt sowie für die Art des ihnen zugrundeliegenden Modells, 2) für die Auf-
bringung und Versetzung der Gruppen in den Giebeln und 3) für ihre Ausstattung mit
metallenen Zuthaten und Farben. Es war dabei nicht nur meine Absicht, die Einzel-
beobachtungen nach technischen Gesichtspunkten geordnet zu verzeichnen und da-
mit einen Beitrag zur Geschichte der antiken Marmorarbeit zu liefern, sondern es
schienen sich mir hieraus auch bestimmte Folgerungen für die künstlerische Arbeits-
weise und Auffassung der Bildhauerschule zu ergeben, welche die Giebelgruppen
geschaffen.

1. Die Marmorarbeit der Giebelgruppen.
Uber den parischen Marmor, aus dem die Gruppen gefertigt worden sind,
sowie den pentelischen, mit welchem der Westgiebel noch in antiker Zeit restaurirt
wurde, siehe Olympia III S. 114 f. und 93 ff.
Von der Zurichtung der Marmorblöcke im Steinbruch mittelst eines
groben Spitzeisens sind an den Rückseiten der meisten Statuen noch Spuren er-

J) Vergl. die bibliographische Notiz im Archäolog.
Anzeiger für 1894 S. 198. Ich bezeichne den
zusammengehörigen Tafel- und Textband im
Folgenden mit »Ol. III«. Die Buchstaben, nach
denen die Giebelstatuen benannt werden, be-
Jahrlmch des archäologischen Instituts X.

ziehen sich auf den Wiederherstellungsentwurf
Ol. III Taf. 18—21. Die Sterne * neben einigen
Ordnungsbuchstaben und Namen bezeichnen die
Jahrb. III Taf. 5/6 und IV Taf. 8/9 umgestellten,
resp. umgenannten Statuen und Gruppen.

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