Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Hrsg.]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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Treu, Technik und Bemalung der olympischen Giebelgruppen.

halten (am deutlichsten an Ost E, Olympia III Abb. 86 auf S. 59). An eine erste,
auch noch so rohe Anlage der Gestalten selbst ist dabei gewifs nicht zu denken.
Ein derartiges Verfahren würde genaue Modelle gröfseren Mafsstabes voraussetzen,
wie sie hier sicher nicht vorhanden waren (siehe unten S. 12). Aus dem Steinbruch
werden die Blöcke vielmehr in annähernd rechteckiger Gestalt geliefert worden sein,
wie eine solche für das freiere Verfahren der antiken Steinbildhauer fast unentbehr-
lich war (vergl. E. A. Gardner im Journal of Hellenic Studies XI, 1890 S. 129 ff.).
Auf eine dreikantige Gestalt der Blöcke scheinen die Grundrisse der Statuen E und
L des Ostgiebels Olympia III Taf. 18—21, 1 zu führen.
Bei der Auswahl der Steine für die Giebelfiguren verfuhr man im Allge-
meinen sehr sparsam, wie es schon die Art des Steinbruchbetriebes in Paros mit
sich brachte2. Dies zeigen die zahlreichen Anstückungen vorspringender Glied-
mafsen. Stellenweis reichte der Stein nicht einmal für die Herstellung der Haupt-
teile ganz aus, wie z. B. bei Ost E und L. Freilich war hier die knappste Begrenzung
schon durch die Enge des zu füllenden Raumes vor den Gespannen gefordert; aber
bei E scheint zugleich der Marmor für die Ausarbeitung von Rücken und Gesäfs
nicht gelangt zu haben (Ol. III Abb. 85 auf S. 59). Bei L wiederum ist der Block
in der Höhenrichtung offenbar zu knapp bemessen und überdies, wie es scheint,
nachträglich an seiner unteren Fläche abgemeifselt worden. Dies beweist einerseits
die Stückung des Scheitels, andrerseits die Weglassung der Plinthe und die Durch-
schneidung der Faltenzüge an der unteren Begrenzung der Gestalt (vergl. Ol. III
S. 60 Abb. 89—90 und S. 124). Bei der Sterope* endlich fehlte es in der Breite, so
dafs die ärmelartigen Falten unter dem rechten Arm sowie dessen ganze vordere
Hälfte aus besonderen Marmorstücken angefügt werden mufsten (Ol. III S. 51 Abb. 69).
Gröfsere Gruppen hat man natürlich aus mehreren Blöcken zusammenge-
setzt. Das bekannteste Beispiel hiefür sind die beiden Gespanne des Ostgiebels.
Im Westgiebel wurden die beiden grofsen dreigliedrigen Eckgruppen CDE und RST
aus je zwei Blöcken gemeifselt; der Schnitt geht in beiden Fällen durch die Arme
der knieenden Lapithen (Ol. III Taf. 30 und 32). Aufserdem die zweigliedrige
Knabenräubergruppe F*G*\ die Stückungsfuge ist hier merkwürdiger Weise mitten
durch die Brust des Kentauren hindurch gelegt (Ol. III S. 82). Auch dafs für die
Pfühle, auf denen die beiden Greisinnen gekniet haben, besondere Blöcke verwandt
waren, wird noch Absicht der ersten Anlage sein; dagegen verdankt insbesondere
die Alte, welche in der rechten Giebelhälfte aufgestellt war (V), ihren stark zu-

2) Vergl. Löwy, Archäolog. - epigr. Mittheil, aus
Österreich XI S. 149 f., der an den vorhandenen
ältesten Steinskulpturen von gröfseren Dimen-
sionen zu verfolgen empfiehlt, welchen Anteil
die Enge und für die Förderung grofser Blöcke
der feinsten, aber nur unterirdisch verkommen-
den Sorte des parischen Marmors ungeeignete
Beschaffenheit der antiken Schächte an dem
Aufkommen oder wenigstens der Ausbildung

der Stiickungstechnik in der antiken Marmor-
skulptur habe. Nach Lepsius, Griech. Marmor-
studien S. 44 ff. liegt der Hauptgrund für die
Kleinheit der Blöcke in der geringen Stärke und
der Zerklüftung der den besten Statuenmarmor
führenden Bänke auf Paros, welche auch neuer-
dings bei ihrer Ausbeutung durch eine französi-
sche und eine griechische Gesellschaft nur für
Büsten verwendbare Blöcke hergaben.
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