Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 18.1903

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Six, Protogenes.

PROTOGENES

In seiner jüngst unter dem Titel Frontoniana erschienenen Dissertation
hat C. Brakman auch die wohlbekannte Frontostelle, wo die Maler verschiedener
Richtung einander gegenüber gestellt werden, aus dem Codex ergänzt und ver-
bessert’. Da seine Lesung unsere Kenntnis von zwei Malern nicht unwesentlich
erweitert, sei es mir gestattet, hier seinen Fund bei den Archäologen einzuführen
und zu verwerten.
Zum bessern Verständnis des Gewinnes, den wir daraus ziehen können,
setze ich zunächst den Text her, wie ihn Mai und Naber haben und bespreche die
älteren Verbesserungsvorschläge.
Fronto I. i. Ed. Naber, p. 113: Quid si Parrhasium versicolora pingere
iuberet, aut Apellen unicolora, aut Nealcen magnifica aut Nician obscura, aut
Dionysium inlustria, aut lascivia Euphranorem, aut Pausiam [p](roe)[l]ia?
Dem Inhalt nach war Mai’s proelia gewiß nicht unrichtig, der Form nach
aber offenbar verkehrt. Ich vermutete dem lascivia gegenüber augusta, aber die
Lesung des Codex, die Brakman so beschreibt: Post Pausiam in fissura perierunt
tres quattuorve litterae quarum primam fuisse a etiamnunc in codice me demonstrare
posse confido. Statim post fissuram li exaratum est, tum sequuntur q litterae incertiores,
ultima certe est a, führt ihn auf amplifica, was gewiß nicht weniger gut paßt.
Worauf es aber ankommt, ist vor allem die Ausfüllung der Lacune, die
Otto Jahn schon 1868 (Philologus XXIII, S. 7) nachgewiesen und auszufüllen ge-
sucht hatte.
Jahn wies darauf hin, daß unter den Paaren, die Fronto einander gegenübei'
stellt, zur schärferen Charakteristik ihrer Verschiedenheit, Nealces ohne »Gegen-
über« blieb und schlug vor zu lesen: aut Nealcen [humilia aut Piraicuin] magnifica.
Als ich die Stelle vor zwei Jahren in dem hiesigen Philologenkreise be-
sprach, konnte ich mich dabei schon nicht beruhigen.
Die Adjektiven sind von Fronto so gewählt, daß sie nicht nur als Negative
den einen Maler charakterisieren, sondern direkt auf den anderen zu übertragen sind:

Parrasius
Apelles
Nicias
Dionysius
Pausias

unicolora,

versicolora,

inlustria,
obscura,
lascivia.

Nun geht es, trotz seiner Flottenschlacht, nach dem wenigen, was wir von Nealkes
wissen, nicht an, die Werke eines Malers, sollers et ingeniosus in arte'·, als magni-
fica zu bezeichnen. Wir hören nur von kleinen, fast kleinlichen Erfindungen. So
wie er bei jener Schlacht das Wasser als Nilwasser charakterisierte, indem er ein
Krokodil einem trinkenden Esel auflauern ließ und so wie er, um ein Gemälde

>) I, S. 26.

2) Plin. Nat. Hist. XXXV, 142.
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