Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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5. Potzsch, neue Bedeckungs-Art fiacher Dächer.

5. Feuerabhaltend von aufsen ist diese Bedeckung mehr als ein
Ziegeldach, indem letzteres durch darauf fallende schwere Körper leichter
als jene beschädigt und durchgeschlagen werden kann; nicht zu gedenken
der Gefahr, die durch den vielen Holz-Aufwand und durch das leichte
Herimtergleiten der Ziegel von steilen Dächern entsteht.

6. Das Dach wird auch nicht schwerer als ein böhmisches Doppel-
dach. Denn obgleich das letztere, wenn man die Dachziegel f Zoll und
den dazwischen befindlichen Querschlag \ Zoll dick rechnet, fast durchgän-
gig nur 2J Zoll dick ist, die neue Bedeckung dagegen an ihrer stärksten
Stelle 3 bis 3J Zoll und an ihrer schwächsten 2J Zoll stark ist, so wird
doch diese gröfsere Stärke nur durch Kalkmörtel hervorgebracht, der in
der Regel weniger als Ziegel wiegt.

Auch erwächst dieser Bedachung noch der Vortheil, dafs bei dem
so ausgebreiteten Gebrauche der Ziegeldächer die alten Dachziegel wieder
zu gebrauchen sind, wenn das Gebäude, oder auch nur das Dach mit ei-
nem neuen vertauscht werden soll. Die alten mit Moos und Schmutz über-
zogenen Dachziegel werden in einem Brennofen ausgeglüht, wodurch ihre
Oberfläche wieder geeignet wird, sich mit dem Mörtel zu verbinden*).

*) Das Ziegeldach, auf welches der Mörtel-Estrich gelegt werden soll, ist beinahe
ein doppeltes Dach, daher möchte das Estrich-Dach wohl etwas schwerer und auch
theuerer sein als ein doppeltes Ziegeldach, und noch etwas tlieuerer als ein Kronen-
Dacli Yon gleich grofser Oberfläche. Allein wenn das Estrichdach sonst nur dauerhaft
ist, so wrird es dessenungeachtet den Vorzug haben; und auch was den Kostenpunct
betrifft, wird es wenigstens wohlfeiler sein als ein steileres Dach. Es wäre daher
wohl zu wünschen, dafs mit dem Estricli-Dacbe Versuche gemacht und die Ergebnisse
öffentlich mit geth eilt würden. An in. d. Herausg.
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