Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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17. T^icat, über Mörtel,

ein Theil der Thon-Erde und Kiesel-Erde im Sande, von Kalk angegriffen
sich mit diesem verbinde. Diese Ansicht, bei welcher unsere ersten Un-
tersuchungen stehen blieben, war auch eine Zeitlang diejenige des Herrn
Job n. Aber dieser Chemiker erkannte bald die Unzulänglichkeit der Er-
klärung, indem er sich durch directe Versuche überzeugte, dafs ätzender
Kalk, selbst siedend, den Ouarz nicht angreift. Bald nachher (auf Anlafs
von Einwürfen des Herrn Berthier) haben wir uns durch die Zerlegung
von 18 Monat altem Mörtel (dessen Sand vorher sehr genau gewogen
war) vermittelst Salzsäure, davon überzeugt, dafs auch der hydraulische
Kalk auf Granit-Sand nicht wirkt.

Unter diesen Umständen reduciren sich die Resultate der besten
Erfahrungen darauf, dafs weder eine Verbindung des Kalkes mit dem Sande,
noch eine wesentliche Verwandlung des Kalks in kohlengesäuerten Stoff
durch Einwirkung eines Stoffes von aufsen her Statt findet.

Es bleibt also nur übrig, den möglichen Einflufs einer mechanischen
Verbindung der Theile, oder eines blofsen Ineinanderhäkelns, oder der
eigenthiimlichen Cohäsion des Kalkes, im Vergleich zu seiner Adhäsion au
die von ihm umhüllten quarzigen und kalkigen Substanzen, zu erwägen.

Die Annahme eines blofsen Ineinanderhäkelns reicht nicht zu, weil
zwei durch Zapfen und Löcher ohne Bindemittel verbundene Körper
sich immer in gleichen Querschnitten in der Verbindung seil)st trennen
und nicht anderswo, Avenn eine Kraft in beliebiger Richtung auf die Zu-
sammenfügung dieselben zu zerbrechen strebt. Hieraus würde folgen, dafs
kein Mörtel einen stärkeren Widerstand haben könne, als seine Hauptmasse
(Gangmasse, gangue),

Macquer scheint zuerst den Widerstand des Mörtels durch die
Adhäsion des Kalks, mit seiner Cohäsion verglichen, erklärt zu haben:
„Die grofse Feinheit dieser Masse,” sagt er, „und die aufserordentliche Zer-
theilung, wodurch sie gleichsam ganz in Oberfläche verwandelt wird, giebt
ihr die Fähigkeit, sich sehr innig an die Oberfläche des Sandes anzuschlie-
fsen und daran mit einer Kraft zu hängen, die mit der Genauigkeit und
Innigkeit der Berührung im Verhaltnifs steht.”

Dieser Chemiker erklärt übrigens den Umstand, dafs das Aggregat
harter ist als das Gestein, aus der Eigenschaft des gelöschten Kalkes, an harte
Körper stärker zu adhäriren als an sich selbst, oder mit anderen Worten,
daraus, dafs seine Adhäsion gröfser ist als seine Cohäsion. Dieses System
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