Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 13.1839

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8. Pt o s ent h a I, Uebersicht ehr Geschichte der Baukunst.

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8.
Uebersicht der Geschichte der Baukunst, mit Rücksicht
auf die allgemeine Culturgeschichte.
(Youi Herrn Bau-Inspector C. A. Rosenthal zu Magdeburg.)
(Fortsetzung der Abhandlung No. 2. im ersten und No. 6. im vorigen Hefte.)

§. 10.
Weitere B etrachtung en.
ICIer Hölenbau unterscheidet sich wesentlich vom Häuserbau und befolgt,
wie wir gesehen haben, ganz andere Gesetze. Namentlich fällt für
ihn die, wiewohl heilsame, Schranke der Bauwissenschaft weg. Das
Einzige, worin beide iibereinstimmen, ist die Regelmäfsigkeit der Form.
Eine Naturhüle kann, als solche, in ihrer unregelmäfsig wilden Gestaltung
schön sein : als Wohnung und Kunstgegenstand würde sie eben so wenig
Nutzen gewähren, als schön sein; denn der menschliche Geist, dem die
höhere Regelmäfsigkeit der Natur ein Geheimnifs ist, fühlt sich gedrungen,
bei seinen selbstständigen, nicht der Natur nachgeahmten Hervorbringun-
gen die ihm verständliche mathematische Regelmäfsigkeit anzuwenden.
Die natürlichste Form einer Hole ist ein viereckiger Grundplan, mit
glatten, lothrechten Wänden und weniger einer geraden, als einer bogen-
förmig ausgehölten Decke: das letztere nicht etwa in irgend einer Bezie-
hung auf die Kunst des Wölbens, sondern, theils weil die Naturhölen der
runden Form mehr als der geraden zum Vorbild dienen konnten, besonders
aber wegen der leichteru Ausarbeitung. Bei dem Bau der Häuser kann
das Mülben, und folglich auch die runde Deckenform, erst eia später
Fortschritt der Bauwissenschaft seiu, während die wagerechte Ueber-
deckung mit Steinplatten, oder selbst hölzernen Balken, sieb fast von selbst
findet: beim Hölenbau dagegen liegt in der Idee die eine Form so nahe
als die andere; die Ausführung jedoch leitet von selbst auf die runde
Deckenform, als stetige Fortsetzung der lothrechten Wände, und um so
mehr, da sie noch, in Bezug auf Verminderung der Last und auf Trag-
barkeit, zweckmufsiger ist. Der Arbeiter hatte dabei bis beinahe zuletzt
die zu behauende Fläche vor sich, und nirgend so ganz über sich, wie
Crelle’s Journal d. Baukunst Bd. 13. Hft. 3. [ 34 ]
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