Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 30.1851

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wie z. ß. die unzähligen Anbiendungen von Lisenen, Säuien und Bogen; wie
an dem Dom und dem Battisterium zu Solche Ausschweifungen zeigen
immer den nahen Untergang einer Bauart an. Die Erfindungsgabe der Archi-
tekten der Zeit ist dann erschöpft und ihre Baukunst zn einem mechanischen Hand-
werk geworden: sie ist Man sieht dies am Ende der aitrömischen
Bauart, am Ende der byzantinischen und, vor aiien, der Spitzbogengewölbe-
Bauart, der wiedereingeführten antiken Architektur (Renaissance), so wie der
Rococco-Zeit; und vielleicht ist die Zeit nahe, wo der gegenwärtig herrschende
Baustyl ein Gleiches erlebt.
Wenn die Leistungen einer Bauart so vollendet sind, dai's sie keine
weitern Fortschritte zu gestatten scheint, sehnt man sich nach etwas Neuem,
und nimmt gern auf, was mit Muth und Talent geboten wird. Zuweilen ist
schon der Genius eines einzelnen Architekten hinreichend, um einen solchen
Umschwung hervorzubringen.
Cassel im April 1850.
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