Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 1.1896, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 7

JUGEND

1896


Endlich ist nun aus Makalle,

Endlich ist nun aus der Falle
Glücklich los der Italiano
Und der tapfre Galllano

Dass die Kerle bn
Aber, dass sie Du

Kriegt ein Kreuz und avancirt!

Und Triumph geschnattert wird
Von des Kapitols Geflügel
In der Stadt der sieben Hügel,

! gestritten — Weiss der Mensch

st gelitten, Nirgends so wie h

Freudenschüsse hört man knallen —
Mit den Gratulanten allen
Kommen auch wir Münch’ner endlich;
Freilich dünkt’s uns selbstverständlich,

an andern Plätzen
er zu schätzen!


Guter Rath.

Kürzlich besuchte mich ein junger Mann, um sich Rath
von mir zu holen. Er sagte, er wolle Schriftsteller werden,
worüber ich ein Wenig erstaunt war, und ich fragte ihn:
„Warum ?“ —

,Ja, sehen Sie,“ meinte er, „heutzutage schreibt fast Jeder,
der Zeit und Talent dazu hat; warum sollte ich es nicht auch
probiren? Wenn man Glück hat, kann man leicht Geld dabei
verdienen.“

„Ja, ja,“ warf ich ein.

„Worüber man schreibt, ist gleichgültig,“ fuhr er fort, „die
Hauptsache ist, dass die Bücher von den Leuten gekauft wer-
den. Zu lesen bräuchten sie sie gar nicht. Allerdings wollen
Viele sie auch lesen, und deshalb ist es nothwendig, die Seiten
seines Werkes mit sinnvoll aneinander gereihten Buchstaben
zu bedecken.“

Ich musste lachen und sagte: „Ja, es ist das gerade der
schwierigste Theil der Schriftstellerei, diese Lautzeichen kunst-
gerecht zu vernünftigen Sätzen und Kapiteln zu vereinen.“

„Nun,“ meinte er, „ich werde es also auch unternehmen,
eine Menge unschuldweissen Papiers meine schwarze Schuld
tragen zu lassen.“

„Es wird sie geduldig tragen, es trug schon viel,“ ent-
gegnen ich.

„Wenn nur gekauft wird,“ sprach er offenherzig weiter,
„der Ruhm ist mir eigentlich Nebensache.“

Ich tröste ihn: „Es gibt genug Bücher, die Niemand voll-
ständig liest, z. B. die ,Messiade‘, das Konversationslexikon',
,Rembrandt als Erzieher' und viele Andere. Gekauft werden
diese Bücher aber doch. Also Muth!“

Der junge Mann hatte bisher den angebotenen Stuhl ver-
schmäht und war beim Reden nervös vor mir herumgetänzelt;
jetzt setzte er sich, seufzte und begann: „Sehen Sie, der Stoff
meines ersten Romanes ist der: Der Held — heissen wir ihn
Franz von Sternau — ist ein untersetzter, brünetter Dreissiger,
Landwirth und von vielseitiger Bildung. Dieser Franz liebt
schon lange seine schöne Cousine Klara in der nächsten
grossen Stadt. Klara ist blond“ —

„So?“ fragte ich zerstreut.

„Ja,“ bekräftigte er, „sie ist eine sehr interessante Er-
scheinung, Doppelwaise, zwar selbst wenig vermögend, erfreut
sich aber des Besitzes eines reichen alten Onkels; das heisst,
sie wird sich dieses Besitzes einmal später zu erfreuen haben.
.— Diese Klara wird nun von einem anderen Cousin eben-
falls geliebt, derselbe ist Lieutenant bei den Ulanen. Sie gibt
eigentlich Keinem den Vorzug, aber die beiden nebenbuhler-
ischen Cousins sind wüthend auf einander. Das muss einen
höllischen Conflikt geben. — Soweit bin ich. Aber wie meinen
Sie, dass sich die Sache nun weiterentwickeln Hesse? Ich
könnte ja eigentlich den Verlauf abwarten, denn die Geschichte
spielt in der Wirklichkeit, die Leute leben und ich kenne sie
persönlich. Was meinen Sie?“

„Da weiss ich nur einen Rath, entgegnen ich, „spielen
Sie selbst eine Figur Ihres Romans machen Sie den Tertius
gaudens.“

Wieso —?«

"Gehen Sie hin und heirathen Sie beiden Nebenbuhlern
die Cousine vor der Nase weg und lassen Sie die Anderen
schreiben!“

Er schaute mich verduzt an, dachte einen Moment nach,
empfahl sich dann höflich und ging.

Wenn er vernünftig ist, hat er sich meinen guten Rath
zu Herzen genommen. carl arno.


Ukas.

Sic volo, sic jubeo! Ich August Bebel gebiete,

Dass hinfüro das Maul jeder Genosse petschiert

Trage mit gluthrothem Lacke, darauf das Siegel gedruckt ist,

Das Meine sichere Hand prägte aus blinkendem Blech, a. b.

Im Walde.

Still im Wald, im schattig-kühlen,

Einsam schreite ich dahin
Und die Sonnenstrahlen spielen
Zitternd durch das Tannengrün.

Und auf lichten Andachtsschwingen
Hebt die Seele sich empor.

Und mir ist, als hört’ ich’s klingen
Wie ein leiser Engelchor:

Hier ist des Friedens Aufenthalt,

Der liebe Gott geht durch den Wald...

Wiederum auf Waldeswegen
Zieh’ mit i h r ich, Hand in Hand,

Stürmisch pochen sich entgegen
Uns’re Herzen, liebentbrannt.

Beiden ist es zum Ersticken,

Nichts, was unser Schweigen bricht,

Nur aus heissen Liebesblicken
Glühendes Verlangen spricht . . .

Da drück’ ich mich an die zarte Gestalt, —

Der Liebe Gott geht durch den Wald!.. 1.1>.

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Arpad Schmidhammer: Zierleiste zum Zeitgedicht
Julius Diez: Zeichnung ohne Titel
Carl Arno: Guter Rath
A. B.: Ukas
J. P.: Im Walde
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