Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 2 (Nr. 27-52)

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Nr. 43 (Redaktionsschluss: 10. Oktober 1900) • Jf TJ G* E 3Sf D • 19ÖÖ

. . . . In bet* Oktober st ceplcchasc für Inländer gingen drei Pferde, die mit guten Odds an den Start gekommen waren, beim
Tribünenhinderniß kopfüber. Der sonst so sattelfeste Reiter Sudermann trennte sich von seinem zweijährigen „Johannisfeuer“, Hartleben
kam mit „Rosenmontag“ zu Fall, und Bahr mit „Wienerin“. Im folgenden „Ralaucr-Flachr cnncn" gingen Blumenthal auf
„Lex Heinze“ und Kadelburg auf „Vieux Jeu“ über die Bahn und machten ein todtes Rennen. So ist das diesjährige Herbstmeeting
nicht sehr erfreulich verlaufen. Die genannten Pferde werden übrigens auf anderen Rennplätzen alle wieder starten ....

MocdenmarKt

(Inserat in Nr. 40 der „Woche":
j[m Laufe dieses Quartals erscheint in unserem Verlage:
„Der Cag“, moderne, illustrierte Zeitung

August Scherl )

Erst kam in ungeahnter Zahl
Als Anfang der Epoche
In jedes Schank- und Tranklokal
Die bilderreiche „Woche".

Jetzt kommt bereits zum Hochgenuß
Für alle Welt als zweiter Schlag,

Der alles überbieten muß —

Der wort- und bilderreiche „Tag".

Bald kommt gewiß auch ein Plakat
Und gibt der Mitwelt Kunde
Von einer neuen Heldenthat:

Der bilderreichen „Stunde";

Die Stunde zeugt des Eifers voll
Daun das Minuten- Bilderbitch ...

Wer weiß, wie das noch enden soll
--Und mag —das ist der Woche Fluch!

Ist.

Klassisches Jeugniß

Zur Politik der Russen

„Forti Fort aus Peking! Reine Zeit verloren!"

(Schiller, Turandot 111, S)

Aus Narragonien

Die Münchener C a n i i i u s g e f e l l f cf) a f t ver-
spricht Jedem, der 50 Exemplare von Maier
von Flür's Büchlein „Meine Romreise" verbreitet,
den päpstlichen Segen kostenlos.' Da das
Büchlein 50 Pfennige kostet, kommt der Segen
sammt „Namensdiplom" pro Stück auf nur 25
Mark zu stehen! — Also das Gella- und
Hydrasystem, vordem die Regierung unlängst
so energisch gewarnt hat!

Eine „Anzahl tonangebender Katholiken" in
Liegnitz hat dem dortigen Theaterdirektor ge-
schrieben: „Da Sie mit Vorliebe die Wilden-
beuch'scheu Stücke aufführen, werden Sie wohl
diesmal erfahren, daß Sie nur dadurch ihre Ein-
nahmen schmälern, weil diese Stücke nur darauf
hinausgehen, den Katholieismus öffentlich an
einem unpassenden Orte herabzusetzen. Voit einer
weiteren Aufführung oder gänzlichen Unterlassung
wird es natürlich abhängen, ob die hiesigen Katho-
liken den Theaterbesuch für die ganze Saison
meiden werden." Was bleibt dem Theaterdirektor
von Liegnitz übrig? Er muß halt jetzt gut katho-
lische Sachen von Blumenthal, L’Arronge, Jakob
Wassermann, Felix Philippi und Doktor Klasen
aufführen I __

In einem eben erschienenen Werke „Der
Teufel im Lichte der Glaubensguellen" weist der

Jesnitenpater Martin Hagen auf eine sichere Manier
hin, wie eilt Besessener den Teufel los werden
kann: „DieAnwendung eines übelriechen-
den Gegenstandes ist für die Demüthig-
ung des dämonischen Stolzes sehr ge-
eignet. Wie die Wohlgerüche des gottesdienst-
lichen Nüncherwerkes zum Throne Gottes aus-
steigen, so sind die üblen Gerüche von augezün-
deter Fischlcbcr für die Vertreibung des
Dämons das entsprechende Mittel. Er
(der Teufel) wird als Ungeziefer angesehen und
dementsprechend vertrieben, wie man Ungeziefer
-vertreibt." — Wenit man keine Fischleber hat,
thut's wohl auch einfaches Insektenpulver? Oder
einc italienische Cavour-Cigarre? Oder ein Bissel
. denatnrirter Spiritus? — Und da sagt man noch,
daß eine spezifisch echte jesuitische Wissenschaft
nicht zu fruchtbaren Ergebnissen führe.

Im detttschen Posen hat man den Geistlichen,
die als Vorstände deutsch-katholischer Ver-
eine die Gründung eines Provinzialver-
bandes solcher Vereine anstrebten, bedeutet, daß
der „Vorstand dieses Verbandes" sogar exkom-
munizirt werden könne! — Endlich wird ja
doch dadurch Klarheit in unsere religiösen Ver-
hältnisse kommen, daß gleich ganz Deutsch-
land su bloc exkommunizirt wird! Der
verruchten Germanenrasfe muß die Himmelsthüre
energisch vor der Rase zngeschlagen werden.

Chiron.

Wenn Ihr so recht krakehlig seid,
Erfüllt mich das mit Seligkeit.

Es wird der feige Doppelmord

Doch schwer dem grossen Moppel dort.

Herausgeber: Dr. GEORG HIRTH; verantwortlicher Redakteur: F. von OSTINI; G. HIRTH’s Kunstverlag, verantwortlich für den Inseratentheil: G. EICHMANN, sämmtlich in München.

Druck von KNORR & HIRTH, Ges. m, beschr. Haftung in München.

ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
[nicht signierter Beitrag]: Klassisches Zeugniß
Fritz Scholl: Die chinesischen Wirren in Schüttelreimen
Arpad Schmidhammer: Oktober-Steeplechase
Chiron: Aus Narragonien
Ist.: Wochenmarkt
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