Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 7.1902, Band 2 (Nr. 27-52)

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1902

JUGEND

Nr. 43

Der Zchkalschbieler

(Sächsisch)

Ihr Gaddr, da» war Sie ü Snindcl,

Wie Cwdd en nich scheener gedreimd,

Jui Schüate, da hadd' er Sie Vamdei,

Im Chstand, da war er geieimd.

Er schdieite im Krage jnra Kränzei —

Iln ämai da ging er ze srieh:

Da fand er Sie richdig än Wenzel
Derhcem dei der holden Marie.

Ernst Eckstein

Hus der Schule

Freulein IX . . . .

Ich mochte gerne wißen warum sie Teodor
ganz nach unten gcseßt haben, kann das Kind
da was vor wen er Krank ist aus Faulheit bleibt
er nicht zu Sauste er gct gerne zu Schuhle, aber
einen mäßen sie ja auch haben wo sie auf rum
prügeln, das macht auch nichts die Strafen kom-
men alle wieder zurück wen sie man erst mal im
Lhftandt sind gekommen.

Ls Grüß Frau G ,..

Liebe Jugend!

Drei jüdische Sausircr verklagten einen Metzger-
burschen, der sie verhauen hatte. Der Schul-
dige wird verurthcilt, allein der Richter kann die
Frage nicht unterdrücken, wie sich drei Männer
von einem Einzelnen prügeln lassen konnten?

„was sollten wer machen?" entgegnen die
Juden, „er hat uns umzingelt."

Descendenz

Die erste Sängerin — denn schöne Seelen,

Sie lassen sich voni Serzcn nur befehlen —

Die erste Sängerin brach den Kontrakt:

Ls lockte sie, ein Bischen „Kunst zu wandern";
Doch bald besann sie drauf sich eines andern,
lind sich ! — es hat der Intendant den Takt,
Die holde Sündrin wieder aufzunehmen;

Nur zum Bekenntniß muß sie sich bequemen,
Daß durch ihr eigenmächtig Lrdenwallen
vertragsgemäßer Buße sie verfallen.

Nach kurzer Zeit doch sucht sic ihn zu fassen,
Auch diese noch ihr gnädigst nachzulassen;

Der würd'ge Serr in feinsten Tönen spricht:
„Mein gnäd'ges Fräulein, leider geht das nicht;
Das mußt ich schon — ich kann es nur beklagen —
Dem hochverehrten Fräulein Mutter sagen;
Dasselbe sagt' ich — sie war auch schon da —
Dein hochverehrten Fräulein Großmama."

«. V.

Moderne familie

(Um 1950)

„Sich, dort kommt die Familie Müller. Der
Vater ist Ingenieur, die Mutter ist Doktor
und der Sohn ist Doktor Ingenieur."

feldtelegraph bei den Körnern

Exploratores tradiderunt hostes in silva proxima
esse occultatüs. Cae«, N,N. Gail.

Die Kundschafter drahteten, die Feinde hielten sich
im nächsten Walde verborgen.

De lütt' Woom

Ast bün de lütt' Woom,

Dc an de Xanöstrat steit»

Dlüestt allcns an ml 'nim,

Mat weglangs pcit').

Len plücstt sist ’n Üßlatt,

De annern’n .161 öd.

De ßinitt se dann weg,

Hin de pcdd 2) dann de dföt.

Doch bett in min' Nest
List'» Dagel tinvabnt,
tln küsst ml de Sünn,

Än strakt I ml de /lldand4).

Der bew ist min Freud
Än tröst ist nu meist:

Mat belpt's, lütt' lvoom,

Du stetst, wo dn stetst.

Gustav Falke

i) gedt, 2) Lertreten, L) slreicdett, jVlonci.

Vun eine— n—elsässer ^üerwehr-
Irunnnedante

„lau avam, marche! Dnrch's Kasgaßle dure!
Bi'm Griffon") Halte wer, do lupfe mer cin'n!
Prenez-gardc uff' d' DrcckHüfe!"

*) Wirthshaus.

Gin kleines ITlärchen

Zu dem Bilde von m. Schnür

^7in kühlen Meer iit einft geschwommen
^ Vergnügt ein Tcliöner Kabeljau,

Kein Eischer wutzt' ihm beizukommen —
Der alle Burfdi war viel zu fdilau.

Er lachte jeder Köderspeile,

Die man an Angelhaken henkt,

Und herrschte io in weitem Kreise
Der blauen Salzlluth unbeschrankt.

Da kam ein üixenkind gegangen,

Ein Mägdlein fein und wunderbar —

Und schnell war auch der Fifch gelangen
Un einem Del; aus ihrem ßaar.

Doch sterbend hat er voller Kummer
Sie angeglotzt in liiebeswahn
0 Stodififch, unbegreiflich dummer,

Was ging dich dieser Backfifch an!

i.. d. ff,.

Marie Schnür (München)
[nicht signierter Beitrag]: Feldtelegraph bei den Römern
Gustav Falke: De lütt Boom
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
[nicht signierter Beitrag]: Vun eme-n-elsässer Füerwehrkummedante
G. P.: Descendenz
Ernst Eckstein: Der Schkatschbieler
L. L. L.: Ein kleines Märchen
Marie Schnür: Zeichnung zum Text "Ein kleines Märchen"
[nicht signierter Beitrag]: Aus der Schule
[nicht signierter Beitrag]: Moderne Familie
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