Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 9.1904, Band 2 (Nr. 27-52)

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Zwei Sprüche

In einen Hing

Zn der Rand
Wächst ein Zchwert,

Die für sich
Nichts begehrt.

Nie unanrtänüige Rast

Wer was kann,

Dränge sich nicht heran!
Irgendwo, srgenciwann
Stellt uns das Leben an.

Walther Harlan

Splitter

Die Meinen müssen auch ihre Freude
haben. Ginnt, Ihr Großen, ihnen
die: an Euch die Achillesferse zu
entdecken. a. i>.

„Man lebt ja nur einmal," sagte
die Eintagsfliege. Da legte sic drei-
hundert Eier. c. is.

Milde ist der Ausdruck höchster
Rrafr; Härte das Bekenntnis; be-
wußter Schwäche. a. w.

Leder, Papier und Time

„Wer hat meinen strahlenden Glanz
geschwärzt?" kreischte die Feder.

„Wer hat mich vom Lumpen zum
Gott verwandelt?" staunte das Papier.

»Ich!" sagte die Tinte.

Der Dichter lächelte.

N y in.

E. L. Hoess (Immenstadt)

Die saure Gurke

Sine Zabel

In der Speisekammer neben
Eingemachten lag sie und schielte '
disch nach dem gezuckerten Zeug-
„War' ich doch auch so süß!"
sie im Herzen, und sic grämte wb
daß sie Runzeln bekam.

Da ließ das Küchenmatcl i>e
Ungeschick in den Zucker fallen, 11 ^
sie strahlte vor Glück, als der
Herr in sie hincinbiß. r<

Aber statt des Lobes, das tlC
wartete, hörte sie nur die verd^
lichcn Worte: jj.

„Pfui Teufel! Das will {l

saure Gurke sein?" ,

n. voi**f

Aachslhum

Einst ward von frohen Geü^
Mir offenbart:

Ich dürfe das Leben meistern
Stach meiner Art.

Da rang ich mit den Ding^
Und ward ein Mann — — .
Und sehe nach all dem Ringt"'
Man stirbt daran. ,

Ilan» «ii,K

Die fZätur spricht

Feinde des Schönen? Hm, ^
Brut wollt ich mich
Scheußlichstes haben mir stets f
alberne Freunde besorg'

FA»VJUIE ADEBAR
Reinhard Volker: Die saure Gurke
Eugen Ludwig Hoess (Höß, Hoeß): Familie Adebar
[nicht signierter Beitrag]: Splitter
Walter Harlan: Zwei Sprüche
Ernst Krauss: Die Natur spricht
Hans Edward Müller: Wachsthum
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