Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 9.1904, Band 2 (Nr. 27-52)

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JUGEND

1904

5m Frankenkande

J. Carben (Mä*

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„üugend“»Programm

haht uns heut' mit wildem Sang
Hlle Weit befehden!
nichts von Würdet nichts von Rangt
Denn wir treffen jeden,

Seden, den nicht heifjer Drang
Creibt zu heihem ßandeln,

Seden, der fein heben lang
nur im Schritt will wandeln t

Denn wir brauchen wilden Mutti,
Und nicht träges Zagen,

Der’s vermag, für’s bette Gut
Beff'res zu zerschlagent
Mckt zu thun, was jeder thutt
Für den eignen Willen
ßinzufchleudern Gut und Blut,

Heifjt, fick felbft erfüllen.

nichts ift alt und nichts ift neu
Sn dem ewigen ßeute.
fluch dem Alten bleibe treu,

Wer es nicht bereute.

Altes, neues, ohne Scheu,

Wollen wir vernichten,

Auf den ürümmern, groh und frei
Ewiges zu errichten t

ßerzen brauchen wir und Geilt
Wahr und Falsch zu trennen;

Seder, der der Unsere heifjt,

MuH fick felbft verbrennen.

Jubeln Iaht uns laut und dreht,
Wenn wir Freuden schlürfen,

Und wen wild der Schmerz zerreiht,
Soll auch weinen dürfen!

Stark in hiebe, stark in Nah —
Frühling kommt gezogen,

Und wir haben dies und das
Von ihm eingefogen!

Und ein frischer AderlaH
Kann der Welt nicht schaden,

Denn mit Dunff und faulem Gas
Sft fie überladen!

Karl Ernst Knatt

PHiliftina

Die vierzig Jahr mit meinem Zelt
Durchstreift' ich dumm die wüste Welt.
Nun steh' ich an des Jordans Rand
Und späh' in das gelobte Land
Und denk': „Erfüllt ist nun die Zeih
Nun wirst Du endlich mal gescheit
Und sollst nach Deinen Wüstenzügen
Auch einmal Milch und Honig kriege" ■
Frau Jugend steht dabei und lacht:
„Hab' erst mal auf den Wegweiser ach^
Hol's der Teuftl! Was werd' ich in"?'
„Freund, das Philistervolk wohnt dri"" '
Wie man's schon in der Bibel liest; .
Mich wundert, daß Dir das seltsam "
Fahr zu! Steht schon bei ihm bereit
Für Dich der Erde Fettigkeit! „

Auch wartet auf Dich der Stammtisch
Im schwarzen Walfisch zu Askalon.

Da wirst Du, los der Jugendsünde",
Ums Bäuchlein Dich behaglich rüude"-
Wirst Speise stessen, Scherzräthslein fpU(C '
Mit ihren Töchtern Dich verfitzen; „
Denn bist Du auch nie kein Simson 8?"^ '
Eine Delila kriegt Dich doch fest. .
Die kurz Dich schirrt und sanft Dich *’V
Daß ein biedrer Philister aus Dir w" '
So unentwegt, so brav und weise! ,,
Na, wohl bekomms I Glück auf die Rc"

Frau Jugend, Frau Jugend, Gott gc""^
Hans, huck' mir auf die Bundeslade!
Wir kehren in die Wüste um ,

Und bleiben mit Frau Jugend du"""'

Fritz Erd"^

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Julius Carben: Im Frankenlande
Fritz Erdner: Philistina
Karl Ernst Knatz: "Jugend"-Programm
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