Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 10.1905, Band 2 (Nr. 27-52)

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„warum nanntet Ihr Norweger Euren
neuen Rönig Hakon?" fragte man zwei
Stört hing Männer.

„weil wir uns sagten: was ein Hakon
werden will, krümmt sich bei Zeiten,"
erwiderten sie stolz.

«

Sngkisches MiegeirkieL

„Liapopeia, mein TRichelchen, eil
veilerchen wiegt Dich und bläst die Schalmeil
Rück' Dir die Haube recht tief in's Gesicht,
Schlaf, my darling, und sorge Dich nicht!

Unten im Garten die Bäumelein
Hangen voll blaublauer Träumelein;
Träume, mein wichelchen, träume nur brav,
Warst ja doch sonst so ein biederes Schafl

Michelchen, laß nur das Kähnebau'n!
Habe;um treuen John Bull doch vertrau'n!
Lr ja, my datling, er ist auf der Hut,

Daß Keiner im Schlaf was zu

Leide Dir thut!"

n. v.

*

Der (Protest öer österreichischen
Aavakiere

Lebendig wird's im Herrenhaus,

Es fuhr den Kavalieren
Der Schreck in alle Glieder jäh,

Ergrimmt sie protestieren:

„Aehl Schanderhaft! Regierung will —

Es ist ja gar nicht zu fassen! —

Sich encanailliren mit Politik
Der breiten Pöbelmassen I
FidoncI Minister marschiert mit Plebs
Jetzt unter rothen Fahnen —

Gemein! In Gräbern drehen sich
Um unsere sämmtlichen Ahnen!

Regierung verrückt! Macht Karrengaul
Bei — ät)! — Sozialdemokraten!

Total unfähig dies Kabinett,

Sofort zu entlassen in Gnaden!

Man läßt sich doch von misera plebs
Nicht solchen Unfug gefallen! —

Wozu Polizei und Militär?

Kerls einfach niederknallen I"-

Millionen Stimmen hört wie ein Meer
Man wogen und branden draußen,

Der Herren reaktionärer Protest
Geht unter in ihrem Brausen I
Heut' gilt die Losung: Mann gegen Mannl
Das Häuslein mit seinen Beschwerden
Wird sich schon langsam gewöhnen daran,
Bom Volk überstimmt zu werdenl

Krokodil

*

,ynttevnetb. Blut ist dicker als Wasser, aber
dünner als der Handel, denn dieser entzweit die
Vettern, die Nachbarn, die Brüder. Staaten, die
sonst befreundet wären und deren Interessen sich
eigentlich nirgends feindlich berühren, werden durch
den Zionkurrenzkamps einander entfremdet. Unser
Vetter, in dessen Adern unser Blut rollt, betrachtet
unsere Fortschritte mit neidischen Blicken und miß-
gönnt uns jedes Schiss, das wir bauen, obwohl er
deren doch mehr hat, als wir. Jeder geschäftliche
Fortschritt, den wir machen, ärgert ihn, obwohl er
reicher ist wie wir. Wir möästen mit ihm gern in
Frenndschast Geschäfte machen, aber er will keinen
Frieden, — dieser neidische Hamburger! So
klagt man in Bremen.

ver neue ZZlutarch

Großfürst Wladimir Alepandrowitsch
har den Zaren rhärlich angegriffen, wurde aber
von dessen Bruder dös zugerichret.

„Gemeine Gesellschaft!" riefder Zar, während
sich die Beiden prügelten. „Unterschlagen
könnt Ihr, soviel Ihr wollt, aber das Hk i ed er-
schlagen verbitte ich mir!"

*

Ru; dem Issillchen

Tagebuch des icutnants v.VersewItzr

Zur stejcti5kug;lihung vom 30. November

Herr von Oldenburg — jan; mein Mannl
Reichstagsspeech von ihm jelesen?

Iibt doch, Iott Lob, noch dann un wann
Leute von deutschen WesenI

Herzerfrischend mir sein Iebor:

Sollten doch endlich wagen,

Jeden, der Raiserkrone bedroht,
Einfach Deetz einzuschlagenl

Worte zum Rüssen! wie blanker Stahl!
Unwiderstehlich un schneidig!

Freue mich seiner janz kolossal —

(Scheint ja auch jegenseitig!) *)

*) Herr v. Oldenburg hat bereits öfters unseren Mlt-
arbeiter Herrn v. Versewitz im Reichstag zustlmmend citiert.

^ Anm. der Redaktion.

Der arme Zar. Vor den Bombenwerfern
schützt den Zar sein Volk; vor seinem Volke schützt
ihn die Polizei: vor der Polizei schützt ihn die Linie,
vor der Linie schützt ihn die Garde: vor der Garde
schützen ihn die Hofstaaten: vor den Hofstaaten
schützen ihn die Großfürsten. Aber wer schützt
ihn vor den Großfürsten?

Rönig Eduard erhielt aus Ulew-Nork
vom Prinzen von Bartenberg ein Rabeltele-
gramm folgende» Inhalts: „1057 Mann de-
sertiert! Glänzenden Sieg in der amerikanische»
Meinung errungen!"

„Noch ein solcher Sieg — und ich kann
meine Schiffe drüben verauktioniere» lassen!"
seufzte der Rönig.

Paprika üatmebis Klagelied

Wonn ich Vütterland betrochte,

Diese schreckliche Spektakel,

Ausruhr, Treubruch, Niederträchte,

Rinnt mir hajß der Thränensackel.

Specialiter Minister
Göza Freiherr Fejörväry —

Lajder ollerschlimmster ist er
Von die Schwobenhospodari.

Unfern Kossuth, Frajhajishelden,

Chef von Fajerspritzenwesen,

Kämpft er be mit olle Mittel. —

Dieses ist nicht schön gewesen.

Ad secundum schosst er Wohlrecht
Für die Sachsen und Wallochen.

(Rur Madjar Hot überall recht.)

Hält er auch nicht sollen machen l

Dritims, bitte, mahnt on Steuer
Jeden er, wos ist vergeßlich.

So wos find ich ungeheuer
(Vom Madjarenstondpunkt) häßlich.

Hajß mit Resistenz und ohne
Schoiinng muß mon ihn verfolgen. -
Doch wos ollem anfsetzt Krone,

Wos verdient nur Strick und Galgen:

Prüft von Kassen das Gebühre»,

Ob is nix gestohlen, späht er. —

Wo blajbt Frajhajt der Madjaren?
Hängts ihn auf, den Hochverräthcr!

Aaba Aaba

Immer Geschäftsmann F. Petersen

Battenberg: „Zwei Dollar pro (Dann, — wieviel geben Sie mir Rabatt pro mille ? '
(Der Prinz von Battenberg mußte zwei Dollar Kopfsteuer für jeden seiner 1057 Deserteure an da» Reiv-

porker Linwanderungsarnt zahlen.)
Krokodil: Der Protest der österreichischen Kavaliere
Aaba Aaba: Paprika Jantschis Klogelied
[nicht signierter Beitrag]: Der arme Zar
[nicht signierter Beitrag]: Futterneid
R. V.: Englisches Wiegenlied
Plutarch [Pseud.]: Der neue Plutarch
Fritz Petersen: Immer Geschäftsmann
Arpad Schmidhammer: Illustrationen zum Text "Der neue Plutarch"
Leutnant v. Versewitz: Aus dem lyrischen Tagebuch des Leutnants von Versewitz: Zur
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