Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 16.1911, Band 2 (Nr. 27-52)

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-Liebe Jugend!

Direktor Oiehwegner führte mich in
seinem neuen Schauspielhaus umher;
zeigte mir die Bühne- die Ränge, das
Foyer, die kjoftreppe.

Dann geleitete er mich an die Por-
tiers-Loge.

Und stellte mir den Mann mit der
blauen Mütze vor:

„lserr Lehmann —■ unser tsaupt-
aktionär."

Roila Koda

Ich bin zum Abendessen bei meinem
Bekannten. Er ist Arzt, heißt Schmidtler
und ist Vater der 2 jährigen „Else" und
des P/2 jährigen „Erwin".

Nach dem Essen werden die Rinder
zu Bett gebracht. Die kleinen Racker
wollen aber durchaus nicht schlafen.

Als ich nach einiger Zeit mit meinem
Freunde das Rinderzimmer betrete, bietet
sich mir folgender Anblick:

Die kleine Else liegt im Bettchen,
das Nachtgewaud bis zum kfals hoch-
gestreift, Erwin kniet vor ihr, hält in
jeder kjand ein Beinchen seiner Schwester,
führt die Beinchen wie Telexhonhörer
an seine Ghren und ruft: „kjia Doktor
Smittler, — wea bott?"

»

Wahres Geschichtchen

In einem kleinen elsässischen Städtchen ist
großer Rasino-Ball. Einer der von auswärts
geladenen jungen Tänzer gerät in allzu über-
mütige Stimmung und beginnt, seine Tänzerinnen
beim Tanz hoch in die Luft zu schwingen.

Da wendet sich eine Ballmutter erschreckt an
ihre Nachbarin mit den Worten: „'s isch numme
güet, daß min Löoni süvere kjösle anhett."

TuKunklspläne

Henry Bing

„Sarah, was meinst Du daß soll werden unser Moritz?"
„Uku — Antisemit."

Kunstgespräcbe

in der Grossen Berliner Kunstausstellung
aufgefangen

Berliner Ehepaar (beim Eintritt die Abteilung
Altberliner Bilder erblickend): „Was saachste I Die
sind woll schon vons vor'chte Jahr?"

„Und davor 'ne Mark!"

Dame (aus der Provinz): „Nein, es muß wohl
am Wasser liegen, Herr Gerichtsrat. Zu Haus in
Neuruppin brauch ich bloß jeden zweiten Tag

zu gehen, und manchmal noch erst mit
Einnehmen. Und hier immerzu."

Akademie-Professor (mit Brille):
„Diese Modernen haben eben verlernt,
die Linie zu sehen, die Umrisse, Sil-
houetten. Wir haben uns noch geübt,
überall in der Natur Vexierbilder zu
sehen, das schult das Auge auf die
Linie; darum Konnten wir auch eine
wirkliche Idealmalerei schaffen."

Eine Anzahl Damen: „Sie meinen
kalt mit Remouladensauce, Frau
Doktor?"

„Man kann's auch warm geben,
die Hauptsache: frische Eier!"

Trude: „Weißt Du, Elsa, mich
interessieren immer zwei Fragen vor
einem Bilde, erstens: was stellt es
dar? und zweitens: wie mag der Künst-
ler aussehen, der es gemalt hat?"

Skeptiker (vor einem Scestück): „Ob
es nicht doch einen Unterschied geben
sollte zwischen Ozeanbrandung und
Schlagsahne? ?"

Eine Gesellschaft: „Sehen Sie,
meine Herrschaften, dieses Bild hat
der Kaiser gekauft."

„Aah!"

„Aaah!"

„Aaaah!"

„Wundervoll!"

Rönigsbcrgerinnen (Bor Ernst Liebermann ,Auf
den Bergen die Burgen'): „Schlaach doch mal naach,
Hildejaarrd, von weejm is denn das jroße Ie-
meejlde da?"

„Vom Liieberrmann, Tantchen."

„Neei, was Du saagst, vom Liieberrmann!
Ja ja, der Liieberrmann, Hildejaarrd! Der
Liieberrmann!"

Familie: „Hier ivar'n wir doch schon? Au,
dann sind wir ja durch. Na, wo gibt's denn
nu die Würstchen?" e. Vogeler

Nervöser Kopfschmerz!

Kopf-Enlvanisator
Nervenarzt Dr. Aub. München

Zahlreiche elektrische Heilmethoden werden im Kampf gegen die tagtäglich sich mehrenden
Funktionserkrankungen des Nervensystems empfohlen. Es ist ungemein bedauerlich, dass fast
sämtliche angepriesenen elektro-therapeutischen, populären Mittel, weil absolut nicht auf wissen-
schaftlicher Grundlage beruhend, hierdurch ihren Endzweck verfehlen, und lediglich eine teuere
Spielerei darstellen.

Um so begrüssenswerter ist es, dass endlich von Seite eines bekannten Spezialarztes ein
elektro-lherapeutisches Instrumentarium, das in seiner neuesten Konstruktion allen wissenschaftlichen
Anforderungen entspricht, dem Publikum in die Hand gegeben wird. Die Macht der Elektrizität
im Kampfe gegen die nervösen Reiz-, Ausfall- und Lähmungserscheinungen ist ja längst zur Ge-
nüge bekannt, aber das wesentlichste ist und bleibt, dass auch die elektro-therapeutischen prak-
tischen Massnahmen exakten wissenschaftlichen Voraussetzungen genügen. — So stellt denn unser

Kopfgalvanisator nach Nervenarzt Dr. Aub

patentiert in Deutschland, Oesterreich - Ungarn, Frankreich, Belgien, England und Amerika — zum
Patent angemeldet in Russland und der Schweiz — ein ungemein praktisches Spezialinstrumen-
tarium zur Behandlung aller nervösen Keizerscheinungen und migräneartiger Symptome von
Seiten des Gehirns dar, und vereint ausserdem die Vorzüge strengster Wissenschaftlichkeit.

Das tiefere Wesen der Konstruktion sowohl als der wissenschaftlichen Grundlage der Me-
thode lässt sich nur in einer ausführlichen Broschüre erläutern, die wir Interessenten auf Wunsch
gerne gratis zur Verfügung stellen.

Sämtl. Apparate werden vor dem Versandt von dem uns beratenden Spezialarzt persönlich geprüft.

Unser Institut befindet sich Maximilianstr. 5, neben Hotel 4 Jahreszeiten und ist zu allen
Detailauskünften mündlich und schriftlich gerne bereit. — In wenigen Monaten zahlreiche Dank-
und Anerkennungsschreiben. Eigene Versuchsräume zu kostenloser Benützung unserer Apparate.

Aerztliche Consultation wochentags zwischen 3 — 5 Uhr nachmittags.

Elektrosan G.m.b.H., München N.-W.,

Maximilianstrasse 5.

Physikalisch-therapeutisches Spezial-Institut für nervöse Kopfleiden.

Bei etwaigen Bestellungen bittet mau auf die Hiümclmer Bezug zu nehmen.

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[nicht signierter Beitrag]: Wahres Geschichtchen
Henry Bing: Zukunftspläne
Erich Vogeler: Kunstgespräche
Roda Roda: Liebe Jugend!
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