Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 16.1911, Band 2 (Nr. 27-52)

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der im Besitze eines beträchtlichen Vermögens
war, das ihm ein vollkommen sorgenfreies und
angenehmes Leben gewährleistete. Er war aber
so geizig, daß er sich nicht einmal die nötigste
Nahrung gönnte. Seine alltägliche Mahlzeit
war Buchweizengrütze die er, da er aus Spar-
samkeit auch ganz allein lebte, sich selbst be-
reitete.

Da er ausgefunden hatte, daß es sparsamer
sei, 10 Pfund Grütze auf einmal zu kochen, als
1 Pfund Grütze 10 Mal, so kochte er gleich
einen Vorrat auf Wochen. Die natürliche Folge
dieses Systems war, daß die Grütze bald zu
schimmeln anfing. Aber gegessen mußte sie wer-
den. Er stellte sich dann eine Flasche Aquavit
auf den Tisch, goß sich ein Gläschen Aquavit,
den er über alles liebte, ein und sagte: „Drescher,
wenn du die Grütze ißt, bekommst du zur Be-
lohnung einen Schnaps."

Das half. Er aß die verschimmelte Grütze,
ab und zu einen verstohlenen Blick auf den vor
ihm stehenden Aquavit werfend.

Als der letzte Rest verzehrt war, nahm er
das Gläschen in die Hand, führte es an den
Mund, den Duft begierig in die Nase einziehend
und dann. dann glitt plötzlich ein ver-

schmitztes Lächeln über seine geizigen Züge
hastig griff er zur Aquavitflache und mit den
Worten:

„Siehst du, Drescher, da hast du dich mal
wieder schön anführen lassen," goß er den ver-
sprochenen Aquavit wieder in die Flasche zurück.

Schwarzmann & Co. Hamburg 3

Inhaber: Gustav Schwarzmann

Goldene Medaille KÖnigl. Württemberg. Hoflieferant Goldene Medaille

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parlaments-S ratistik

(Nach den Brrechnungeu der Broschüre „Ur':r Reichs-
tag" von Hugo Franz)

500000 Mark in Bar
Verzehrt der Reichstag alle Jahr,

600 kostet fast jede Stund

Und eine Minute Reden kommt rund

Zu stehn aus einen Dukaten.

Ein jedes Wort, das einem entfährt,

Ist also genau 10 Pfennig wert.

Aus jedem Redner fällt — o Graus I —
Stets für 1 Zehnerl 1 Wort heraus
Statt Plätzchen und Chokoladen!

So fo I Auf diese Weise — aha! —
Verputzt die kleine Germania
Ihr Taschengeld! O dummes Kind,

Die teuersten Automaten sind
Die Reichs-Wort-Automaten!

A. Ue Nora

Liebe Jugend!

Der alte Feldmarschall wrangel wurde einmal
in . einer militärisch-diplomatischen Mission nach
Konstantinopel geschickt. Nach seiner Rückkehr
erzählte er bei der Ijoftafel allerlei von der Türkei
und wurde vom Könige gefragt, ob er denn auch
den kjarem des Sultans gesehen hätte.

„Nein, Majestät, man überschätzte mir," ant-
wortete Mrangel zum Entsetzen der Hofgesellschaft.

Strebsam

„Was, bist narrisch worden, Kare, datz D' de
Kunstgeschichte studierst?"

„Dummer Hanswurst! Als gebildeter Mensch
m»tz man doch wissen, was man sür Bilder stiehlt!"

wahres Geschichrchen

In einer kleinen Stadt Schleswig-Holsteins
lebte vor Jahren ein alter geiziger Junggeselle,

Bei etwaigen Bestellungen bittet man auf die JIUnebner „JltllAU“ Beaus tu nehmen.

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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Rudolf Grieß: Strebsam
A. De Nora: Parlaments-Statistik
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