Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 10

JUGEND

1912

-Liebe Jugend!

von der Besatzung der Kriegsschiffe
kami^zur Weihnachtszeit natürlich nur
ein Teil der Mannschaft beurlaubt wer-
den. Die Zurückgebliebenen veranstalten
am Christabend ein großes Fest an
Bord, wobei sie alle ihnen zur Ver-
fügung stehenden Räume mit Tannen-
gewinden ausschmücken. Dazwischen
sind Transparente mit mehr oder minder
geistvollen Versen angebracht. Ein
solcher Vers lautete z. B.:

„Liebster Jesu, wir sind hier!

Die andern sind auf Urlaub!"

Lin biederer Landwirt, der einmal
die opulenten Tafelfreuden eines erst-
klassigen potels in der Stadt genießen
will, geht dorthin und versucht durch
laute ,pst'-Rufe, womit er die Be- „Fahren
dienung meint, seinen Wünschen Gehör ja nicht
zu verschaffen. Der in der Nähe weilende
.sechssprachige' (Ober fühlt sich natürlich
beleidigt und ruft dein Gast zu: „Pst wird draußen,
rechts den Gang hinter, bei der roten Laterne,
gemacht!"

*

Dem Sepp, Pias und Jackl macht die Feld-
arbeit wenig Kuminer. Sie sitzen tagtäglich im
Wirtshaus beim Tarok. Der perr Pfarrer, der
sie schon öfter , bei ihrer lebhaften Spieltätigkeit
belauscht hat, will sein Mißfallen an ihrer Fau-
lenzerei mit den Worten zum Ausdruck bringen:
„Wenn ihr in Pimmel kemmat's, na, glaub i,
tats unfer'n perrgott aa zun Tarok'n einlad'n!"

„Na, na," schreit der Sepp, „dös tan mir net;
der wisset ja allwei scho, was im Skat liegt."

Sie morgen mit raus — Herr Baldauf?" — ,,'üann
— denken Sie — meine Skier haben ausgeschlagen!"

Hochgeschätzerr Schriftleitung!

Wie sich Moloch frißt den Kind,

Wie sich Löwe frißt den Rind
Mit den greulichen Gebiß,

Friß auch, libbe Juggend, dis:

Aus Obbersch läsien

I. Derr Tanzkranzchen

Ist sich Eberr gerne nicht allein,

Ist sich libber doch bei seine Schwein;

Ich will niich keinen nennen bei

den Namenn,

Keilt Vergnüggen ohne Danietin.

II. Das Rricg

Wie sich Pflaume fällt zur Erd,
Wie sich Apfel fällt vom Pferd
Also füllt sich um Rekrut,

Wenn Kanonne schissen tut.

«_f.

EVahres Geschichtchen

Ich sitze eines Tages in einem der
bekannten, schrecklichen dos ä äos-wagcn
einer Berliner Elektrischen und habe
einen sogenannten steifen put auf, gegen
den sofort von seiten eines Riesenhutes
mit pleureusen die Feindseligkeiten er-
öffnet werden, von Zeit zu Zeit drehe
ich mich um und werde jedesmal von
einem empörten Blick bis ins perz ge-
troffen. Schließlich reißt der polden
die Geduld und sie ruft im schönsten „Berlinsch'":
„Wenn Sie mit Ihren kleeueit put schon überall
anrennen wollen, wat soll denn dann Unsereins
mit die jroßen machen?!"

Frau Amtsrichter fragt die ihr empfohlene
Amme nach ihren Ansprüchen. Sie verlangt
HO Ulf. monatlich. Es wird ihr jedoch vorgc-
halten, daß sie vor zwei Jahren von Frau (Ober-
förster nur so Mk. gefordert habe. „Ganz recht,
gnädige Frau, aber das Liter Milch hat seitdem
auch 4 Pfennig aufgeschlagen."

Der lebenswichtigste Bestandteil der Ner-
ven ist das Lecithin. Seitdem diese Tatsache
wissenschaftlich festgestellt ist, wird von ärzt-
licher Seite zur Stärkung und Auffrischung
verbrauchter oder abgespannter Nerven das
Biocitin in immer steigendem Maße mit vor-
züglichem Erfolg angewandt. Denn das Bio-
citin ist das einzige Präparat, das 10 Prozent
Lecithin von jener ganz hervorragenden Quali-
tät enthält, die sich nach dem patentierten
Herstellungs-Verfahren von Hofrat Professor

Dr. Habermann ergibt. Mit Hilfe des Biocitin
wird es möglich, die abgearbeiteten oder in
anderer Weise geschwächten Nerven zu kräf-
tigen, zu regenerieren, ihre volle Leistungs-
fähigkeit wieder herzustellen. Man achte aber
genau auf den Namen Biocitin und weise
Nachahmungen energisch zurück, die häufig
fälschlicherweise als ebenso gut oder gar besser
angeboten werden. Man verlange gratis und
franko ein Geschmacksmuster nebst belehrender
Broschüre von der Biocitin-Fabrik Berlin S 61 G2.

Bei etwaisren Bestellungen bittet man auf die Münchner „JlblLM»- Itozuj*' zu nehmen.

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[nicht signierter Beitrag]: Wahres Geschichtchen
S...f: Hochgeschätzterr Schriftleitung! Aus Obberschläsien
Friedrich (Fritz) Heubner: Der Frühling kommt!
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