Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 12

JUGEND

1912

Richard Rost

Die scheintote Erbschaftssteuer

LieSe Äugend!

Die Mutter ist krank und macht eine Landwurmkur durch.
Klein-Amalie stelst vor der Haustür. Bier sieht sie eine Baus-
genossin, eine vornehme Dame. Diese erkundigt sich nach dem
Wohlergehen ihrer Mutter.

Sie bekommt die Antwort: „Es geht Mama gar nicht
gut; sie liegt zu Bett!''

„Was fehlt ihr denn, Amalie?"

Die Kleine errötet über und über. Nach langer ängstlicher
Pause zuckt in den blauen Augen ein Blitz der Erleuchtung auf
und das rosige Pnppenmäulchen spricht: „Mama hat Ungeziefer."

»

Auf meinem Wege zur Schule überhole ich einen Jungen
meiner Klasse. „Morschen!" sagt er, ohne die Mütze anzu-
greifen. In der Klasse frage ich ihn nachher, warum er die
Mütze nicht abgenommen habe.

„Ich hatte meine Bücher in der lfand," antwortet er.

„Du hast doch aber noch 'ne ksand?"

„Die hatt' ich in der Tasche."

«

Geistesgegenwart

Frau v. P. verwechselt fortwährend die beiden Abkürzungen
p. f. und p. c., was ihr umso peinlicher ist, als sie es keineswegs
liebt, sich zu blamieren. Neulich nun, als Frau Rcbezincr das
Zeitliche segnete, saß die arme Frau v. P. wieder ratlos und feder-
halterkauend an ihrem Rokokoschreibtisch. Und Gtti, die sie in
solchen Fällen zu Rate zu ziehen pflegte, war auch nicht zu kfause.

Aber Frau v. P. weiß sich zu helfen. Kurz entschlossen
schrieb sie: ©. 5. I. n.l Als kferr Rebeziner telegraphisch an-
fragte, was das heiße, depeschierte Frau v. P. zurück: „Was
das heißt? G Schmerz laß nach!"

»et etwaigen Kestellnngen bittet man auf die Münchner „JIJCKIVII11 Keziig zu nehmen. :

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[nicht signierter Beitrag]: Geistesgegenwart
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Richard Rost: Die scheintote Erbschaftssteuer
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