Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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Liebe Jugend!

Hauptmann der Landwehr N. übt während des
Korpsmanövers. Er hat sich auf einem braven
alten Schwadröner beritten gemacht. Am Schluffe
des Manövers ertönt das Signal „Dffizierruf".

Hauptmann der Landwehr M. setzt sich vor-
sichtig in Trab, um zur Kritik zu reiten.

Der größte Teil der (Offiziere ist zur Kritik
auf dem Feldherrnhügel versammelt, als Haupt-
mann der Landwehr M. heran kommt. Kaum er-
blickt der brave „Friedrich-Wilhelm" die Ansamm-
lung von Pferden und Menschen auf der Höhe,
da setzt er sich in alter Gewohnheit wiehernd in
Galopp.

Ls gibt kein Halten, im Galopp jagt der
arme Hauptmann der Landwehr durch die Ver-
sammlung, einige umreitend, alles springt zur
Seite, schimpft hinterher. Der Reiter verschwindet
hinter einem Waldstückchen. Dort gelingt es dem
unglücklichen Hauptmann der Landwehr, den mu-
tigeu Renner zu wenden. Er trabt wieder vor-
sichtig an.

Mittlerweile hat der Herr Kommandierende
das Mort ergriffen. Alles lauscht andächtig.
Plötzlich ertönt aus den hintersten Reihen der
Ruf: „Achtung, da kommt er schon wieder."

Allgemeine Panik, alles flieht, in dichte Staub-
wolken gehüllt rast der unglückliche Reitersmann
zum zweitenmal durch die Kritik.

*

Mittagsmahl im O.-Iug: Fahrt durch Sachsen.
Mir gegenüber ein bieder aussehender Herr. Am

kt. Grieß

Schwabingcr Problematik

„Ob meine Erben auch 'mal Erbschafts-
steuer bezahlen müssen?"

Schluffe des Menii's, als die Käseplatte gereicht
wird, tritt der Kellner mit der üblichen Frage
„Schweizer oder Holländer?" an mein Gegenüber
heran. „Nee, Sachse!" war die prompte Antwort.

Die interessante Vorlesung

In, Kolleg entfährt einem Studenten laut:
„Das ist ja zum Ko —-langweilig."

Der Professor liest pedantisch seinen Band-
wurmsatz zu Ende, pausiert und apostrophiert sein
Auditorium: „Ich bitte diesen Herrn, sofort
mein Kolleg zu verlassen."

Stille.

Der Professor wiederholt seinen Wunsch.

Stille.

„Ich bitte zum dritten Mal diesen Herrn als
akademischen Bürger, meine Vorlesung zu verlassen."

von oben tönt da die Meldung: „Das geht
nicht, der Kollege schläft schon wieder!"

*

Wahres Geschichrchen

Eine pfälzische Bauersfrau fährt mit dein
Postauto von ihrem Dorf in die Stadt. Im Nach-
bardorf steigt eine Bekannte zu ihr ein und be- !
grüßt sie mit folgenden Worten: „'n Tag, Bawed, i
na, wie geht ders dann?"

Diese antwortet: „Na, 's geht so, weescht, mir
hän halt des Iohr Bech g'hatt, mr hän alles ver-
hagelt und verschloßt kriegt."

„Was," fragt die Nachbarin erstaunt, „bei
Eich hotts g'schloßt? Do hott mr bei uns garnik
devun gemerkt!"

Die gute Bawed lächelt verständnisinnig und
spricht: „Des glaw ich, Ihr hän a nit so viel
Sozze!"


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<9

Referenzen

aus allen
Weltteilen-

Bei etwaigen Bestellungen bittet man auf die Münchner „JUGEND“ Bezug zu nehmen. :

334b
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
[nicht signierter Beitrag]: Wahres Geschichtchen
[nicht signierter Beitrag]: Die interessante Vorlesung
Rudolf Grieß: Schwabinger Problematik
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