Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

Page: 348
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend1912_1/0372
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Flngtvahn

Mit ihren Asroplanen
Und ihrer Fliegerarmee
Prahlen die Asromanen,

Die zu vernichten uns planen,

Drüben in Frankreich — herrjeh!

Sollen wohl zagend uns härmen,
Weil sie so läppisch gedroht
Mit den geflügelten Schwärmen,

Die uns mit Rasseln und Lärmen
Bringen entsetzlichen Tod?

Ihre Zukunft, sie liege —

Prahlt das — fortan in der Luft,
Träumen phantastische Siege,

Träumen, zerschmettert zerfliege
Deutschland, zersprengt und zerpufft!

Laßt sie nur prahlen und brüllen
So mit unendlichem Maul —

Wir aber wollen im Stillen
Rüsten mit eisernem Willen,

Zeigen: auch wir sind nicht faul!

Auf denn den Beutel, die Truhe,
Flugzeug um Flugzeug beschafft!

Ohne Geschrei und Getue —

Stetig, in lächelnder Ruhe,

Wachse zur Abwehr die Kraft!

Komödiantengeberde
Liebte von je der Franzos —

Unsere Zukunft sie werde
Nicht in der Luft — auf der Erde,
Sieghaft und sicher und groß!

Pips

Czerny

Uber die Gründe der Entfernung des Geh. Rat
Czerny in Heidelberg aus seiner Generalarzt-
Stellring ist uns nun volle Aufklärung geworden
durch folgendes geheime Aktenstück, das auf
unfern Schreibtisch flog:

-— Da der p. Czerny in einem von

ihn« verfaßten Pamphlet erklärt, das; die „Front
nach rechts" zu richten sei, erscheint derselbe in
seineni ärztlicheir Wirken wesentlich beeinträchtigt.
Es ist anzunehmen, daß er in, Zweifelsfalle stets
das recl,te Bein, den rechten Arm abnchmen, die
rechte Seite überhaupt schlechter behandeln wird
als die linke und nichts Rech-
tes mehr zu Stande bringt.

Ja selbst vorausgesetzt, daß
diese Einseitigkeit sich nicht
bemerkbar mache, so ist doch
zweifellos, daß er zwischen
Anhängern der Rechten und
Linken keinen Unterschied
machen wird in der Behand-
lung. Er scheint z. B. einen
Sozialdemokraten genau so
operieren zu wollen wie einen
Geheimrat! Er wird im
Kriegsfälle Verwundete über-
nehmen, ohne zu fragen,
welcher Richtung sie ange-
hören, ja vielleicht solche, die
links verwundet sind, früher
in Arbeit nehmen als rechts
verwundete. Es ist möglich,
daß er sogar einen Roten
für einen anständigen Men-
schen hält, ja, daß er an
Leuten, die an Thron und
Altar rütteln, wissenschaft-
liches Interesse nimmt. Eine
solche Denk- und Handlungs-
weise wäre im Kriegsfälle
bei einem aktiven Mitglieds

des Offizierskorps (und leider ist auch der Sani-
tätsoffizier dazu zu rechnen) mit dem Tode zu
bestrafen. Aber auch ini Frieden ist sie bei einem
Generalarzt als ein absolut ungesunder Zustand
zu erachten, der mit tunlichster Schnelle zu be-
heben wäre.

Der p. Czerny hat daher aus Gesundheits-
rücksichten schleunigst seinen Abschied zu nehmen.
Falls er aber — manchmal besitzt auch ein Me-
dizinmann etwas Schamgefühl — diesen Schlag
und das ehrlose Fortvegetieren als gewöhnlicher
Professor und Messerheld nicht überleben zu können
den Anschein zeigte, wäre ihm diskretest ein Armee-
revolver zur Verfügung und wenigstens ein ehren-
volles Begräbnis in Aussicht zu stellen.

sign.

A. D. S,

5um Lall

des Herrn Pastor von Hennings

Ja, ja, Herr Sittlichkeitsaugur,

So harmlos ist das nicht, das Schnüffeln!
Gar Mancher liebt die Tugend nur
Wie ein gewisses Tier die Trüffeln!

In Bielen aber — und das blieb
Bon jeher drüber unsre Meinung —

Herrscht dieser Dreckdurchwühlungstrieb
Als pathologische Erscheinung.

Zweierlei Arten Sittlichkeits-
Apostel nämlich gibt’s auf Erden:

Die einen sind abnorm bereits,

Die andern scheinen es zu werden.

Ob Sie nun in a/II, b/II
Gehören, oder keins von beiden
Vielmehr nur s o zur Schweinerei —

Das wollen wir heut nicht entscheiden.

Rur dafür wird auch dieser Fall
Uns wiederum ein Zeugnis bleiben:

Man muß auf Euresgleichen All

Mit dicken Lettern: VORSICHT! schreiben.

A. De Nora

Gchul-Episoden

Gedicht von Maxi Bicejung, Gymnasist

Wenn Du wieder nichts studiert
Und Dich dennoch der Professor
Unversehns examiniert,

Sagst Du einfach: „Herr Professor,

Dieses Hab' ich nicht gewußt,

Daß es schon daran kommt heute.

Aufgegeben, dacht ich, ist

Rur die vorhergeh'nde Seite — —"

Ist hernach der gute Mann
Dir gewogen, wird er sagen:

„Schön! Ich werde morgen dann
Dich das Pensum überfragen."

Ist er aber kritisch, Sohn,

Wird er hämisch sprechen: „So, den
Faulen Witz, den kenn ich schon!

Das sind alte Schuljungmoden!

Dafür kriegst Du erstens IV,

Zweitens wirst Du nachher bleiben
Eine Stunde da und Dir
Hundertmal die Worte schreiben:

,Für Nichtswissen will ich nie
Solche Ausred' mehr benützen,
Sonst muß ich das nächstemal
Aufs Ministerbänkchen sitzen?"

A. I». IN.

Ein Deutschenfreund

Der in dem Metternich-Prozeß angeklagte
Rumäne Bujes entpuppte sich als ein begeisterter
Deutschenfreund. Er hat andern Leuten den Be-
trag ihrer Spielverluste nur deshalb vorgestreckt,
wie er in der Verhandlung sagte, weil sie Deutsche
waren.

Das ist wahre Freundschaft! Wie ein echter
deutscher Patriot schwärmte er besonders für die
Konservativen: wie die ostelbischen Junker trug
er ein Monokel. Nur seine Verhaftung kielt
ihn ab, ein patriotisches Unternehmen zu vollenden,
an das er schon lange gedacht hatte: er wollte
das bekannte und berüchtigte Spiel Rouge et
Noir verbessern, reinigen und desinfizieren; es
sollte als ein sittliches bioir et 6Ieu seine Aufer-
stehung feiern. Und jedesmal, wenn er im Spie!

gewonnen hatte, strich er
seinen Schnurrbart nach oben
und sagte: „Es ist erreicht."

Ist eine edlere Deutschem
freundschaft denkbar?

Khedtve

Die britische Rlaue

!Nr. Lucien Ivolff, der be-
kannte Publizist, erklärt den
Norwegern, trotz ihrer Flag-
genhisserei sei der Südpol bri-
tisch; denn er bilde „das na-
türliche und legale Hinter-
land" zu dem britischen Gebiet
auf dem Sndpolarkontinenb
auf demGroßbritannien allein
eine tatsächliche und wirksarns
Autorität ausübe. — „Seht
richtig!" rief AmundseM
als er das las, „lvolff fy5’
aber noch aus einem viel
plausibleren Grunde Recht'
die Erdachse des Südpol--
die ich eingehend untersucht^
zeigte das Firmenschi!"
eines englischen Guß''
stahlwerkes." c. Fr.
C. Fr.: Die britische Klaue
Richard Rost: Faschspielerprozeß
Pips: Flugwahn
A. D. N.: Czerny
A. De Nora: Zum Fall des Herrn Pastor von Hennings
A. D. N.: Schul-Episoden
Khedive: Ein Deutschenfreund
loading ...