Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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A. Schmidhammer

Hus der JnTtruktionsTtunde über „Aufstände"

„Müller, was verstehen Sie uuter Aevslution?" — „7levs-
lutschon, ist, wenn ein Zivilmensch wild wird, Herr Leutnant!"

Liebe Jugend!

Fräulein Klärchen leidet seit einiger
Zeit an heftigen Magenschmerzen und
Kopfweh. Sie begibt sich daher zu
einem Arzt, um sich einer genauen Un-
tersuchung zu unterziehen. Der junge
Doktor findet sehr bald heraus, daß
Fräulein Klärchen Mutterfreuden ent-
gegensieht. Er ist nun bemüht, die pein-
liche Angelegenheit ihr möglichst schonend
beizubringen, und ist auf Tränen, Un-
schuldsbeteuerungen uitd verzweifelte
Szenen gefaßt.

Aber Fräulein Klärchen ist keines-
wegs niedergedrückt und ruft erleichtert
aus: „Ach, was bin ich froh, ich dachte,
ich hätte Magengeschwüre!"

*

Es war im Jahre 1866 nach dem
Gefecht bei Kissingen. Bayrische Trup-
pen zogen sich auf die nächste südlich ge-
legene fränkische Kleinstadt zurück. Den
Bürgern machten natürlich die Borberei-
tungen zum Empfang des vermutlich nachrückenden
Gegners, die Herrichtung der Häuser für den Stras-
senkampf u. s. w., wenig Freude, am wenigste» der
Besitzerin der Wirtschaft an der Landstraße vor dem
Nordtor, wo man den Feind zuerst erwarten mußte.
Ihr schien es wohl ganz unnötig, daß durch kriege-
rische Maßregeln ihr gutgehender Betrieb gestört wer-
den sollte; denn unmutig rief sie den Soldaten zu:

„Könnt Ihr denn nit c bisle »über rücke'
(hinüberrücken) mit Eurer Schlacht?"

Wahres Geschichtchen

Der Gutsherr fragt seinen Kutscher, da es
bedenklich nach Regen aussieht: „Mat nreiust Du,
Iehann, nähmen wi leiwer den Tauwage» 4) oder
den Gxenwagen?" *)

„Fe Herr," seggt Johann und kratzt fick achter
der Uhren, „mi is dat parti8) egal; ick möt ümmer
buten4) sitten."

*) geschlossener, ’) offener Wagen, s) partout
4) außen.

wahres Gcschi'chrchen

Der hochfcudale Kommandeur eines
nordöstlichen Kavallerie-Regiments ist
bei Uebernahme seines Regiments baß
erstaunt über die abnorme Größe des
Keffelpauken-Schinnnels.

vom Dienste heimgekommen, er-
zählt er dies sofort seiner sehr sport-
verständigen Gattin, die beschließt, sich
selbst von der Größe des Tieres zu
überzeugen. Sie begibt sich also in den
Stall und bewundert die — in dem
engen Stalle noch mehr hervortreteuden
— wahrhaft riesigen Formen des Pferdes.

Dann fragt sie ganz interessiert den
braven, xommcrschen Soldaten, dessen
pflege das Pferd anvertraut ist: „Mie-
viel mißt der Schimmel?"

Und Jener antwortet: „Na . . .
zwei bis drei Eimer voll werden es
alle Tage." *'<•.

Auf der Leipziger Messe befindet sich
eine Schaubude, in der eine äußerst
kräftige Dame jedermann zum Ringkampf auf-
fordert und demjenigen hundert Mark zusichert,
der sie auf beide Schultern zwingt.

Einen jungen, stämmigen Arbeiter locken die
hundert Mark, und er betritt siegesgewiß das
Podium. So einfach ist aber die Sache nicht und
es vergehen einige Minuten ergebnislosen Ringens.
— Da erschallt plötzlich von der Galerie der er-
munternde Zuruf: „Feste, Wilhelm, Du fauler
Kopp poussierst ja blos!"

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Itci etwaigen Itcstelllliigcu bittet uian auf «lie Münchner „JU(iKi\U“ Bezug zu nehmen.

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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Arpad Schmidhammer: Aus der Instruktionsstunde über "Aufstände"
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