Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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Karl Arnold (München)

Münchner Sommerstimmung

(Die Hnti-?remdenverkehrs-Vereinler)

„Bau'n m« Barrikaden, Rare, d' preißen keinmal"

Epigramme

von llarlchen

einen iliespeklloken

Verachtung hast du im Übermut
Den ewigen Göttern geschworen? —
Auch König Midas zog ine seinen Hut
.... von wegen der Eselsohren.

6lei«bniu1

Daß ich auch grimmige Feinde Hab',

Hat nie mir die Laune verdorben,

Weil das Bewußtsein Befried'gung mir gab:
Ich Hab' mir sie redlich erworben.

Einem ;weife1kaf1en Ehrenmann

Als mildernden Umstand gebrauchst du Sünder
Den Hinweis: „Ich habe Weib und Kinder!"
Du alter Fuchs, ich lache fast,

Hör' ich dich also entschuldigend sprechen —
Denn daß du Weib und Kinder hast,

Ist just das schlimmste deiner Verbrechen.

50!

Die Statistik ergibt, daß die Ehen der jungen
Damen mit fünfzigjährigen Herren in Paris immer
mehr zunehmen.

Der Jüngling, er stürmt mit beflügeltem Fuß
Zur Jungfrau iu heiligen Schauern.

Sie aber spricht kühl auf den liebenden Gruß:
„Mein Herr, ich.muß leider bedauern!"

Nun tritt der fünfzigjährige Mann
Als Werber an die Maid heran
Mit langsam abgemess'nem Schritte.

Da spricht sie hold errötend: „Bitte."

Es weht um die jugendlich strahlende Stirn
Des Jünglings die Lockenparade.

Doch spröde im Herzen und kühl ist die Dirn';
Die Locken, sie sind ihr Pomade.

Die fünfzigjährigen Haare, schau,

Sind spärlich zwar, doch dafür grau.

Die Jungfrau sitzt bei ihrem Schatze
Und wühlt entzückt in seiner Glatze.

Einst sangen dem jugendlich blühenden Herrn
Die Dichter manch feurige Ode.

Doch heute sind Jünglinge nicht mehr modern,
Die Jugend, sie kam aus der Mode.

Bedächtig singt des Dichters Vers
Die Liebe heut des Fünfzigers.

O daß sie ewig herbsten bliebe,

Die schöne Zeit der letzten Liebe!

Frid*

Mißverständnis

Zum kranken Großbauern wird der Arzt
rufen. (Er verschreibt mehrere Medikamente
ordnet auch an, man solle am Abend zur Bei»'
gnng der Luft heißen (Essig auf die platte gieß^"'
Als sich der Arzt am nächsten Tage ^ 1
dem Befinden des Kranken erkundigt, erhält ^
von der Bäuerin die Antwort: „Utoll, woll, ^
Trankein hat er fcho g'nomma, aber wie > 'l,n
den heißen (Essig auf sei platt'n goß'n Hab, a
hat er fei laut aufg'schrien."
[nicht signierter Beitrag]: Mißverständnis
Karl Arnold: Münchner Sommerstimmung
Karlchen: Epigramme
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