Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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A. Schmidhammer

üelepboniTcbe Verbindung

Es ist ein wahres Unglück, daß John Bull den ersehnten „Anschluß" an Michel bekommen hat, denn nun wird

sicher jede Viertelstunde eine neue „Flocrenv orlage" angekündigt!

togik

Skizze aus dem Alltagsleben von Lbristcnscn

Ein Eßzimmer. Ausnahmsweise ein wirklich ge-
mütliches Eßzimmer. Das junge Ehepaar sitzt und
ißt. Sie ist sehr zur Unterhaltung aufgelegt, offenbar
liegt ihr etwas auf dem Herzen. Er ist sehr hungrig
und ißt, ohne etwas zu ahnen. Oh, diese Ehe-
männer ! Sie sind blind wie Maulwürfe. Schließ-
lich kann sie nicht länger an sich halten.

Sic: „Weißt Du, wen ich heut auf der
Straße gesehen habe?"

Er: „Bald werde ich es wahrscheinlich wissen."

Sie: „Diese Amanda Christophersen."

Er (gekünstelt forschend): „Amanda Christo-
phersen ?"

Sic: „Ach, tu doch nicht so. Die, die Du
Kanntest, bevor wir uns verlobten. Deine Geliebte."

Er: „Wer hat Dir das erzählt?"

Sie: „Gott, das war das erste, was meine
Freundinnen mir erzählten, als wir uns ver-
lobt hatten."

Er: „Na, ja, ich sag es ja, Du hast nette
Freundinnen. Die machen mir recht viel Freude."

Sie: „Alle Welt wunderte sich damals. Mail
meinte, Du würdest sie heirateil.

Er: „Amanda?"

Sic: „Ja! Warum hast Du es eigentlich
nicht getan?"

Er: „Es ist auch merkwürdig."

Sic: „Für Dich war sie immerhin
hübsch genug."

Er: „Findest Du?"

Sic: „Aber Du hast es wohl nicht
gewagt!"

Er: „Möglich."

Sie: „Oder sie ist zu anständig ge-
wesen. Ich bin überzeugt, wenn sie nur
ordentlich energisch gewesen wäre, so
hätte sie Dich gekriegt. Das hätte
mir passieren sollen!"

Er (versucht abzulenken): „Fa aber,

Schatz, Du hast mich ja gekriegt."

Sie (unbeeinflußt): „Du hättest sie
wohl auch gar Deinen Eltern vor-
gestellt?"

Er: „Du wirfst lauter schwierige
Probleme auf."

Sie: „Bei der Vorstellung hätte ich
Dich sehen mögen. Du wärst schön
verlegen gewesen, glaubst Du nicht
auch?"

Er: „Was Du für eine Phantasie „Da ich
hast!"

Sie: „Ob Deine Eltern wohl auch eine Ber-
lobungsgesellschaft für sie gegeben hätten?"

Er (etwas müde): „Bekommen wir kein
Dessert?"

Sic: „Nein, heut muht Du Dich mit Käse
begnügen." (Kehrt zu ihrem eigenen Gedankengang
zurück.) „Fch glaube kaum, daß Deine Eltern
sonderlich froh gewesen wären. Nicht so froh
wie mit mir. Nicht wahr?"

Er (schneidet Käse).

Sie: „Denn sie hatten sie natürlich schon
lange gekannt und wußten, wer sie war, nicht?

Er (etwas ungeduldig): „Das weiß ich wirk-
lich nicht. Es gab Dinge, über die ich nicht mit
meinen Eltern sprach."

Sie: „Du meinst also, daß Du Deinen Eltern
nichts voll Deinen Verhältnissen erzählen konntest?"

Er: „Fa, findest Du etwa?"

Sie: „So? Aber mit Deiner Frau ist es
etwas ganz anderes, nicht wahr?"

Er: „Was ist etwas anderes?"

Sie: „Vor mir genierst Du Dich nicht. .."

Er (äußerst vorsichtig): „Erlaube mal, warst
Du es nicht..."

Sie (überhört ihn vollkommen): „Obgleich Du
Dir doch sagen kannst, daß es sehr peinlich für
mich ist. Mama sagt auch . .."

F. Heubner

Der grosse I)ut

(Aus dem Rapport eines Schutzmannes):

gerade einer Dame längere Auskunft gab, konnte
die Vorgänge vor mir nicht beobachten."

Er (mit einem verzweifelten Versuch zu scherzen):
„Was sagt Deine Mama? Darauf Hab ich ja
nur gewartet."

Sic: „Du brauchst Dich nicht lustig zu machen.
Manra hat ganz recht, wenn sie sagt, daß ein
Mann von so etwas schweigt und nicht beim
Mittagessen damit prahlt. Ich möchte überhaupt
wissen, was mit dergleichen zu prahlen ist ..."

Er (neckend): „Ach, ich will Dir sagen, Amanda.."

Sie: „Wie kannst Du nur die Frechheit haben,
ihren Namen in meinem Haus zu nennen?!"

Er (verbessernd): „Unser Haus."

Sie: „Fch verbiete Dir, die Erinnerungen an
Deine Geliebten in mein Haus zu schleppen."

Er: „Ich habe keine Geliebten."

Sic: „Dann also die, die Du gehabt hast.
So benimmt ein Gentleman sich nicht. Wenn
man verheiratet ist, muß all so was ein Ende
haben, und man sitzt nicht wohlgefällig bei Tisch
und unterhält seine Frau mit einem frivolen
Lächeln von solchen Dingen."

Er (der die Frauen aus jahrelangen Erfahrungen
kennt, weiß, daß die Waffe der Logik sich nicht an-
wenden läßt. Darum sagt er): „Na ja, es war
ja nicht so gemeint. Ich dachte, du würdest es
ruhiger nehmen. Wollen wir jetzt von was
anderem reden?"

Sie: „Aber Du hast keine Achtung vor mir."

Er: „Keine Achtung vor Dir? Fch,
der ich auf der ganzen Welt nur Dich
liebe."

Sic (etwas versöhnt): „Ist das wirk-
lich wahr?"

Er: „So wahr, wie es Tatsache
ist, daß Du die süßeste von allen
kleinen Frauen bist."

Sic: „Willst Du mir etwas ver-
sprechen ?"

Er: „Alles, was Du willst."

Sie: „Daß Du nie wieder von
Deiner Vergangenheit sprichst."

Er: „Nie im Leben. Bist Du nun
zufriedetl?"

Sic (fällt ihm um den Hals): „Denn
ich Hab Dich ja so unbeschreiblich lieb.
Und ich werde so eifersüchtig, so eifer-
süchtig, wenn Du von solchen Sachen
anfängst."

Er (hat das Gefühl, daß er Kopf steht,
mit den Beinen nach oben. Aber etwas
geschmeichelt fühlt er sich doch. Er küßt
seine Frau und hält den Mund. Und
das ist das Klügste, was er tun kann).

(Deutsch von Julia Koppel)

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