Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

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(Der Prinz und die Prinzessin Eitel Friedrich haben für ihre Nord-
landsfahrt das Inkognito „Herr und Frau Schmidt" gewählt.)

Herr und frau Schmidt

„Uns wird doch wohl Niemand erkennen, Eitel Friedrich? —
„Ausgeschlossen, Sophie, wir werden ab und zu mal mit dem Messer
essen und fünf Pfennige Trinkgeld geben!" Zeichnung v. F. Heubner

Dichte mit Sorgfalt!

Die Zensur beseitigte ein Verslein,
das auf einem Triumphbogen am Fuße
des Nürnberger Burgberges zur Feier
des 8. Deutschen Sängerbundesfestes
angebracht worden war, und das mit
einer Anspielung auf den projektierten
Tunnelbau lautete:

Hier geht's hinauf zur Kaiserburg,

Will's Gott, geht's bald auch

unten durch!"

Es ist allerdings auch unverant-
wortlich, ein so staatsgefährliches Bers-
chen zu dichten. Warum hat man
nicht lieber geschrieben:

„Hier geht's hinauf aufs Bergesjoch,

Vielleicht auch einst durchs Berges Loch!'

Das wäre poetischer gewesen, und
wenigstens nicht zweideutig. Oder wenn
auch dieser Spruch der Zensur miß-
fallen hätte:

„Hier geht's hinauf zum Bergeshaupt.

Gott und der Zensor hat's erlaubt!"

Zder auch, etwas ausführlicher:

,Hier ist die Straße, die zur

Burg 'raufsteigt,

Allwo man uns den „tiefen

Brunnen" zeigt.

Doch tiefer noch, Ihr Sänger

holder Noten,

Ist oft der Tiefsinn von Zensurverboten!"

Das könnte beinahe der Zensor selbst ge-
dichtet haben! Kai-lclien

*

Die Purumayo-Greuel

Nach dem Reuterschen Bureau wird die katho-
lische Mission, die sich zu den Indianern im Ge-
biete von Putumaho begeben soll, ausschließlich
aus englischen Untertanen und vorzugsweise aus
Franziskanern bestehen.

Peruanischen Meldungen zufolge hat Jose Ga-
briel Tupak Amaru, der Häuptling der Kupfer-
indianer, einen Brief an die englische Regierung
geschickt, der folgenden Wortlaut hat:

Lieber weißer Bruder Asquith! Der große
Häuptling der Kupfer-
indianer hat gehört, daß
Du heilige Männer zu
seinen Brüdern senden
willst, um sie zu bekehren.

Meine roten Brüder be-
schwören Dich beim gro-
ßen Geist, Deine Fran-
ziskaner lieber zu den
Christen der Putumayo-
Gesellschaft zu senden.

Zwar sind Sir G. Lister
Kaye sowie Arana und
ihre Leute, wie sie sagen,

Christen, und wollten den
Söhnen der roten Erde
die Geschenke der christ-
lichen Zivilisation und
Kultur bringen. Aber Du
darfst sie ruhig noch ein-
mal taufen lassen, da das
erste Taufwasser nichts
genutzt hat. Deine heili-
gen weißen Männer sollen
ihnen sagen, daß die
Kupferindianer nicht fett
und dick sind, wie die
Kautschuk - Unternehmer,
und daß ihre Leiber und
Knochen daher keinen
Kautschuk liefern, auch
wenn man sie auskocht
und röstet, die Missionare
sollen auch ein paar

Bücher über den Christengott und seine Lehre
mitbringen, nicht für den Häuptling und seine
Brüder, denn er weiß gut, was in diesen
Büchern steht.

Die Söhne der roten Erde hätten Dir gern
selber geschrieben oder mit Deinem Vertreter ge-
sprochen, aber man hat ihnen die Hände abge-
hackt und die Zunge abgeschnitten.

Dein Gabriel Amaru.

?. 8. Sage ja Deinen heiligen Männern, sie
sollen viele Waffen mitnehmen! Sonst müssen
sie auch Kautschuk abliefern und kommen ohne
Arme und Beine heim! Denn die Wilden sind
hier die Christen!

das Manifest der futuristischen frau

Erlassen von der französ. Schriftstellerin
Valentine de Saint Point

O ihr Frau'n, die ihr mit siecher
Zartheit trippelt durch die Welt:
Werdet wie die wilden Viecher,

Dann ist's wohl mit euch bestellt!
Werdet grausam, unersättlich,

Die Moral hat keinen Wert!

Nur das Viechische ist göttlich,

Wie Frau Valentine lehrt!

Alle sind nur übel dran heut'

Auf dem Rund des Erdenballs,

Denn den Frauen fehlt „die Mannheit",
Und den Männern ebenfalls!

Wilde Männer, wilde Weiber
Mit Instinkten gleich dem Vieh,

Sind die Menschheitsvorwärtstreiber
Und erzeugen das Genie!

Drum, die Menschheit rasch zu retten,
Schlag' ich euch ein Mittel vor:

Eilt und paart die Suffragetten
Mit der Futuristen Korps!

Der Entwicklung eine Gaffe!

Nur Geduld und wartet still:

Das gibt sicher jene Raffe,

Die Frau Valentine will! Beda
*

Liebe Jugend!

Der „Staats-Anzeiger für Württem-
berg" veröffentlicht in seiner Nummer
vom 23. Juli die Namen der in die
niederen katholischen Konvikte aufgenommenen
Schüler. Leider aber druckt er wiederholt „niedere
Konflikte". Der Setzer, der ahnungsvolle Engel,
scheint weiter zu blicken als unsere hohe Klerisei:
offenbar weiß er, daß bei unfern künftigen Seel-
sorgern später die höheren Konflikte kommen.

*

Pinselmoral

Der Direktor der Berliner Kunstakademie
Anton von Werner zitierte in einem Vortrag
eine Schriftstellerin, die in einer Novelle erzählt,
sie habe in Hamburg einmal an einem regne-
rischen Herbsttage den Hof eines Hauses gezeichnet,
die Zeichnung aber zerrissen, als sie erfahren habe,
daß das Haus einem berüchtigten Beruf diene.

Das sei, meinte Mei-
ster Werner, künst-
lerische Ehrlichkeit.

Sehr richtig! Das erste
Gebot des Malers ist,
daß er nur Personen dar-
stellt, die sich im Besitz
eines ausreichenden poli-
zeilichen Führungszeug-
nisses befinden; wo bleibt
sonst die Kunst? Das
Laster darf nur in dem
Augenblick gemalt wer-
den, in dem es sich er-
bricht und in dem sich
die Tugend an seiner
Stelle zu Tisch -setzt.

Jetzt ist uns auch eines
klar. Die Mona Lisa
zeigt durch ihr verführe-
risches, sinnliches Lächeln,
was für ein verworfenes,
sittenloses Subjekt sie ist.
Und darum hat Meister
Anton das Bild entführt
und mit ihm den Ofen des
evangelischen Mädchen-
rettungsheims in Ham-
burggeheizt. Das ist künst-
lerische Ehrlichkeit! Mö-
gen die Los und Ledas
und wie die frechen Weib-
stücke alle heißen, bald
Nachfolgen I Frido

Oie F)utumayo-6miel
„Obi HlTo To utrd gemacht das Gummil"
[nicht signierter Beitrag]: Die Putumayo-Greuel
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Karlchen: Dichte mit Sorgfalt!
Frido: Pinselmoral
Beda: Das Manifest der futuristischen Frau
Arpad Schmidhammer: Putumayo-Greuel
Friedrich (Fritz) Heubner: Herr und Frau Schmidt
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