Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

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An einer Studienreise durch Oldenburg nahm auch mein Kollege
0r. 36. aus I., — in vielem ein Original, — teil. Eines CCages
nach anstrengender Autofahrt saßen wir noch etwas länger im Hotel-
zimmer beim Glase, während Dr. 36. sich auf sein Zimmer begab. Da

_ um ein Uhr nachts, wir wollten gerade zu Lette gehen — ertönt

im Kellnerzimmer energisch die Zimmerglocke Dr. 36's. Diensteifrig will
der Kellner nach „oben" laufen, wird jedoch von mir zurückgehalten,
wobei ich ihn darauf aufmerksam mache, daß Dr. 36. häufig wegen
„nichts" die Glocke bearbeite und ich für ihn die Verantwortung übernähme.
Kaum bin ich mit Kollegen die zwei Treppen zu unseren Zimmern
hochgekommen, jagt auf ein weiteres Klingelzeichen Dr. 36's. der Kellner
an uns vorbei, um nach den wünschen zu fragen. Lach dem Anklopfen
hören wir folgende Unterredung:

Kellner: „Herr Doktor wünschen?"

Dr. 3:.: „Ja, mein Lieber, ich habe schon einmal geklingelt, Sie
sind jedoch nicht gekommen."

Kellner: „Und X?err Doktor befehlen?"

Dr. 36.: „Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich das erstemal ,aus
versehen* geläutet hatte."

Bei Hofe findet Empfang statt. Eine große Menge Neugieriger
beobachtet die Auffahrt der Equipagen, und ganz besonders Zudring-
lichen gelingt es sogar mitunter, einen Blick auf die aussteigenden
Herrschaften zu werfen.

Ls gibt auch wirklich etwas zu sehen, denn des warmen Wetters
wegen kommen Damen und Herren ohne sonderliche Umhüllungen an.

Da ruft plötzlich, beim Aussteigen eines Kammerherrn in seiner
mit den goldenen Schlüsseln bestickten prunkenden Uniform, einer aus
dem Volke: „Ei, da schaut! Jetzt geht die wach- und Schlafgesell-
schast auch schon zu Hofe!"

Katholikentag 1912

W. Krain

Da die „Berliner" und die „Kölner" nicht auf dem gleichen Boden stehen, so können
sie dieses Jahr auch nicht gut zusammen verhandeln. Der päpstliche Segen
wird ihnen jedoch durch eine sinnreiche Vorrichtung gleichzeitig erteilt werden.


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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Willibald Krain: Katholikentag 1912
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