Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

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Paul Segieth (Mönchen)

1912

Und ft

vergittert,

Er hält di

an.

ungeschickte Ben
„eil man eine i
man die Beine
Und die Ler
krochen und wi,
bekommen soll.

Bin's nur ul
lich das Messer f
unsicher auf wan
fast militärisch 8
in die Stube, a
zieht die Haustü
Joppe und Köff
etwas hinkend l
Es ist jetzt
Häuser ducken
Schindeldächer, .
Kerze hinter ei

senster, in den S
Das Gramm
Sie werden's s
er: ich werde r

t luJ

Neubau nicht in

auf seine Liegerstatt. Essen wird er nichts mehr.
Und die Lene wird auch nichts haben, weil sie
ihn nicht erwartet.

Die Dirn vom Gstallerhof, an dem er jetzt
oorüberkommt, steht vor der Haustür und reibt
eine Messingpfanne mit Sand aus. Sie macht
große Augen, wie sie ihn daherkommen sieht, der
Joppe und Köfferchen am Stock geschultert hat
und ein wenig verwegen dreinschaut und ver-
legen zugleich. Aber er hat nicht Zeit, mit ihr zu
diskurieren, wozu sie nicht übel Lust zu haben
scheint; er geht weiter, mit lachenden Augen,
schnauft ein wenig kurz, als ob ihm irgend etwas
den Atem verschlüge, und kommt in ein immer
schnelleres Gehen hinein.

Der Schiern steht schon grau gegen den dunklen
Himmel. Ein aufgescheuchtes Huhn fliegt lärmend
auf und rettet sich in überstürzter Flucht mit Ach
und Krach über den Zaun in Sicherheit.

Alsdann, da sind wir wieder! sagt sich der
Valentin, wirft Joppe und Köfferchen ins Gras
neben der Tür, wischt sich mit dem roten Sack-
tuch den Schweiß von der Stirn, reibt sich das
schmerzende Knie und drückt die Türklinke nieder.

Der Hausgang ist leer und fast dunkel, die Küche
ist abgespült und aufgeräumt, die Stubentür steht
offen. Niemand drin! Also die Lene ist schon
in der Kammer!

Der Valentin tritt leise auf, er wird die Lene
überraschen.

Redet da nicht jemand? Unsinn! Schnarchen
tut ein's! Was, sie schnarcht schon? Und hat
Türen und alles offen stehn lassen? Ob er sie
schlafen läßt und fein stad in sein Bett kriecht?
Und in der Früh liegt er auf einmal neben ihr
und sagt: „Servus, Lene, da wären wir wieder?"
Denn sie hat einen festen Schlaf, und abgerackert
wird sie sich auch haben.

Und er ist fast ein wenig gerührt, weil die
Lene halt gar so viel hausel (zutunlich) ist und
fleißig und sauber, und weil er's so gern hat,
wenn sie lacht und die Zähne herzeigt, oder wenn
sie beim Kämmen die langen, brauen Haare um
sich herumtanzen läßt und den Kopf hintenüber
wirft, daß es völlig wie in einem Feuer knistert.

Er horcht einen Augenblick. Schnarchen? . . .
nein, nein, da hat ein's gekichert, und jetzt. . . das
ist eine Männerstimme, die etwas sagt ... und

nun, nun hört er die Lene kichern .... Es ist,
als ob er einen Schlag vor die Brust bekäme.
Er beißt die Zähne zusammen und versucht nach-
zudenken. Unsinn! Der Bruder wird bei ihr
sein oder ihr Vater, dem sie in der Kammer et-
was zeigt. Aber es brennt kein Licht drin, die
Klumse unter der Tür ist dunkel .... Marand
Joseph! Da lacht ein Mann! ein ersticktes Lachen
ist es, als ob dem Lachenden eine Hand den
Mund zuhalten wollte . . .

Der Valentin reißt das Messer aus der rück-
wärtigen Hosentasche. Er ist nüchtern, völlig
nüchtern jetzt, er atmet mühsam, dann ist er mit
einem Sprung an der Tür, rüttelt an der Klinke,
der Riegel ist vorgeschoben, er stemmt sich gegen
die Tür, eins, zwei, holla, da kracht sie und
gibt nach . . .

Es ist grad noch so viel Licht in der Däm-
merung, daß Valentin die Betten erkennt nni>
die beiden Gesichter, das der Lene und das von
einem Mann. Er hört die Lene schreien.

Ich bin's! sagt der Valentin. Bin's nur ich!

Aber der Mann springt aus dem Bett und
will ans Fenster. Da steht er nun, denn es ist

Festwiesen-rÄöen-

wie Abnormitäten! Da hat oaner gar zwoa Weiber!"

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einer

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Paul Segieth: Festwiesen-Abend
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