Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

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Nr. 51

JUGEND

1912

andern. Ihr wirklicher Mann, dem
sie davongelaufen ist, war Zählkellner
in Lemberg."

„Was Sie sagen. Ich habe mir's
aber gleich gedacht," entgegnete Herr
Nobbes empört. „Übrigens, Sie sehen
ja, ich habe die Sache nicht ernst
genommen. Den: frechen Frauenzimmer
werde ich noch nieine Meinung sagen."

Empört ging Herr Nobbes von
dannen, in dem peinlichen Gefühl, sein
feinstes Benehmen an eine Unwürdige
verschwendet zu haben. Er beschloß,
mit den Händen in den Hosentaschen
vor sie hinzutreten, und ihr deutlich zu
zeigen, daß er zwischen Legationsrätinnen
und Kellnerinnen Unterschiede zu machen
gewohnt sei.

Aber ein vorsichtiger Geschäftsniann
unternimmt nichts, ohne sich vorher zu
erkundigen. Er ging zum Hotelportier
und fragte etwas Belangloses. Dann
gab er ihm eine feine Zigarre und
ließ sich in ein leutseliges Gespräch ein.
Unauffällig brachte er die Rede auf das
legationsrätliche Ehepaar.

„Man munkelt so verschiedenes,"
meinte er mit verständnisinnigen Augen-
zwinkern.

„Was fällt Ihnen ein," erwiderte
der Portier fast beleidigt. „Die Herr-
schaften zählen zu unseren langjährigen

. W_L_4

F. Heubner

Prolog und Epilog

„— Bitte — treten Sie näher, Herr Baron — entzückendes

Rabüiettbild mit Frau Gemahlin-, —, —, (Pomadenkopf

lausiger, g'schwollner umanand-!)"

Stammgästen und sind in der besten
Gesellschaft wohl bekairnt. Uber ihre
Distinktion kann nicht der mindeste .
Zweifel bestehen." 8

„Ich weiß, ich weiß," entgegnete H
Herr Nobbes. „Aber es gibt überall ^
charakterlose Leute, die auch der feinsten
Frau etwas Nachreden." Er gab dem
Portier noch eine Zigarre und ging.

Er traf die Frau des Legations-
rates wieder allein.

„Um Gotteswillen, was habeir Sie
getan, Herr Nobbes? Sie haben sich
geschlagen?" **

Herr Nobbes wuchs um gut drei
Zoll. Er sagte nicht nein, sondern
beugte sich mit feinstem Anstand nieder »
und küßte der Dame die Hand.

„Beruhigen Sie sich, gnädige Frau. '
Die Angelegenheit ist in ritterlicher
Weise ausgetragen."

Bruno Wolfgang

*

Liebe Jugend!

Zum Luke, der beim Söller druut
auf d' Nacht um Elfe noch Frankfurter
mit einer doppelten Portion Linsen ißt,
sagt sein Intimus Rare: „Ja mei,
Luke, wannst die Linsen alle ißt, nacher
kriagst ja an Rausch auf Kugellager."

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1564b
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Bruno Wolfgang: Kavalier
Friedrich (Fritz) Heubner: Prolog und Epilog
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