Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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Einigdung und Empfehlung

Conge schon seuszte unser geliebtes bayrisches
unter dem Mangel einer

„Staatszeitung !"

Lokalbahnen, Konsessionsschulen, eine neue
^orordnung. - kurz alle Fortschritte des Iahr-
' ( rts wurden ihm unter der glorreichen Ägide
‘DJ? r S hochverdienten Zentrums in reichstem
"be zu teil, nur Eines fehlte:

eine Staatszeitung!

lenh^Crn ®cn'c unseres unerreichbaren Staats-
un|t,ln allbeliebten und weltberühmten
biieb*' erPr8flbenten Herrn Baron von Hertling
Staa?^ Vorbehalten, das Gebäude des bayrischen
... J!0 durch die Erkenntnis dieser Sehnsucht
°nen und die bayrische

Staatszeitung

Leben zu rufen!

t»in die bayrische Staatszeitung?
r»h. , dem verehrl. Publikum ein Sxrach-
Vcrlautn Führer sein, ein homogenes

Briest """ug-organ ersten Ranges, ein
Uuyg'. Werkzeug der „öffentlichenMei-

geisteg' ^alvatorquelle des Regierungs-
rrichtn« ,a,}etn- Sie will Leitstern und
Meister " der Nation, eine rNuster- und
Untrer ^?ung, weltanschanungs-

einx 3..;, für alle Gutgesinnten sein — Kurz
kann m'9’ mit der Bauern Staat machen

nicht ?'^d niemand, selbst die Uebelgesinnten
gen Tea? Glück ausgeschlossen, diesen Heili-

ben, ^unseres hohen Ministeriums zu erwer-
büraer icbcr über 12 Jahre alte Staats-

m «ufgefordcrt, die

bayrische Staatszeitung

ru abonnieren!

bringen alles aus erster

Regierungs- und Ministerialblamagen,
rn tandlungen der gesetzgebenden Körper
^uderschastcn. katholischen Vereine, L
vortroge. Missionspredigten, Akten des :
r^!"hles, Kirchenanzeigen, Lottericzichungs
^underheilungen, Pensionierungen, "
nonz^ - Alles aus erster Hand

uuslandberichte werden
unlani'
bericht.

---gcn — Alles aus erster Handl
Auslandberichte werden von den Gesandte
Inlandberichte von den Rlinistcrn, unsere
berichte von den Generalstäben gemacht.

gesamtes ttorresxondentenxerson

staatlich angestellt!

Dabei sind wir ein Fnsertionsorgan ersten
Ranges!!!! Anzeigen, die wir billigst berechnen,
finden weiteste Verbreitung, da

die bayrische Staatszeitung

abonniert werden muß! Zeder männliche Bayer
mutz neben dem Rasierabonnement auch das unseres
Blattes besitzen, jeder weibliche mutz es als Firni-
geschenk bekommen!

Also: Lnträe nehmen, bayrisches Volk!

mp Deine Staatszeitung

ist erschienen! Und Kann bei allen Buchhandlungen,
Postboten, Köranstalten, Pfarrmetznern, Leichen-
frauen, Ministern, Lotteriekollekteuren, Büro-
dienern rc. bezogen werden, sowie direkt von der
Expedition Promenadeplatz 22.

Die Aufgaben des modernen Staates

Der moderne Staat hat eine dreifache
wichtige Aufgabe: Thron, Altar und Au-
torität zu schützen. Als Schützer des
Thrones eignen sich daher kräftige, aufrechte
und ruhige Männer, welche auch sonst glän-
zend dastehen, also gleichsam Hartschiere
des Geistes, und die Aufgabe, den Thron
zu schützen, vollzieht der Staat am besten
durch Bekämpfung aller derjenigen Elemente,
welche Feinde des Thrones und der Ordnung,
sowie leider auch des Altares sind. Diese
Bekämpfung geschieht, indem a) der Geist
der Ordnung durch geeignete Maßnahmen
im Volke verbreitet, d) alle Unordnung durch
geeignete Gegenmaßnahmen unterdrückt wird.
Dazu sind die obengenannte» Männer be-
rufen, und die Maßnahmen, die anzuwenden
sind, nennt man Erlasse, Gesetze, Verord-
nungen. Außer ihnen gibt es aber auch noch
besondere Mittel: Das Höherhängen des
Brotkorbes und das Inslebenrufen einer
guten Presse. Obenan unter den letzteren
Mitteln steht die Gründung von Staatsan-
zeigern mit Dienstaufsicht.

Wichtiger noch als der Schutz des Thrones
ist der des Altars. Denn da alle weltliche
Macht von Gott kommt, hieße es, die Quelle
der Königsmacht verstopfen, wollle man den
Altar ungeschützt lassen. Hiezu eignen sich
am besten Männer, die ebenfalls sehr ruhig
sind, aber ganz bescheiden dastehen, die Jesuiten.
Sie ins Land zu bringen, muß das Haupt-

streben des modernen Staates sein, denn
ihnen kann dann später vertrauensvoll der
Schutz der übrigen Güter überlassen werden.

Besonders der der Autorität. Auto-
riiät ist im modernen Staat der Glaube an
den Vorgesetzten. Dieser Glaube kann auf
verschiedene Weise gepflegt werden. Je
gottcsfürchtiger ein Vorgesetzter ist, desto
höher wird seine Autorität in den Augen der
Gutgesinnten steigen. Gegen Übelgesinnte
aber, die vor keiner Autorität Respekt haben,
bedient sich der moderne Staat am besten
der Polizei und eines geeignet eingerichteten
Wahlsystems.

Das Ideal des modernen Staates ist der
Kirchenstaat. Er stellt die beste Lösung des
Gegensatzes zwischen weltlicher und geistlicher
Macht dar, den» sobald die erstere sich der
letzteren unterordnet, tritt das ein, was jeder
Staatsbürger am liebsten hat: Friede.

Die Pflicht eines jeden Staatsbürgers ist
es daher, den Staat in seiner Entwicklung
zum Kirchenstaat nach Kräften zu unterstützen.

Über die Wege dazu gibt die an der
Spitze dieses Blattes stehende Einladung
Fingerzeige und werden wir uns in den
folgenden Nummern noch eingehender ver-
breiten.

Kleine Anzeigen

des

brryuisrherr .^©tnntxs

E»-

Gute Stüdüobnarbeit

wird an willige, brauchbare Beanite, die für den
Staatsanzeiger Artikellieferungen zu übernehmen
Lust haben, noch übergeben. Anfragen an die
Expedition unter „Heimarbeit", Zffr. 4521.

! Wicklung!

Arbeitsloser Gesandtschafts-Attache findet
angenehme rnrd lohnende Beschäftigung an der
„auswärtigen Abteilung" unseres Blattes. Off.
sud „Diplomatie" a. d. Redaktion.

<V c fit rl) t

kräftiger dauerhafter

JHcmcnttcr-

da der unsrige durch zu starke Beanspruchung
Schaden gelitten hat.

R Hoffmann scl. Erben
[nicht signierter Beitrag]: Königlich neubayrischer Staatsanzeiger
Arpad Schmidhammer: Titelzeichnung "Königlich neubayrischer Staatsanzeiger"
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